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Korruptionsskandal bei der Fifa: Funktionäre Temarii und Adamu suspendiert

zuletzt aktualisiert: 20.10.2010 - 20:17

Zürich (RPO). Der Fußball-Weltverband Fifa hat erste Konsequenzen aus dem Korruptionsskandal gezogen und die schwer belasteten Exekutivmitglieder Reynald Temarii und Amas Adamu suspendiert. Beiden wird vorgeworfen, dass sie ihre Stimmen für die Vergabe der WM 2018 und 2022 feilgeboten hätten.

Will helfen, den Skandal aufzuklären: Amos Adamu.  Foto: AFP, AFP
Will helfen, den Skandal aufzuklären: Amos Adamu. Foto: AFP, AFP

"Das ist ein trauriger Tag für den Fußball. Fußball ist ein Spiel, und in einem Spiel hat man gute und schlechte Spieler. Wir haben die schlechte Seite des Fußballs erlebt. Die gute Seite ist, dass wir schnell reagiert haben und schnelle Entscheidungen getroffen haben", sagte Fifa-Präsident Sepp Blatter auf einer Pressekonferenz in Zürich: "Wir müssen eingreifen, wenn es nötig ist. Wir haben eingegriffen. Wir kämpfen dafür, dass die verantwortlichen Personen im Fußball sich so verhalten, wie es nötig ist."

Zuvor hatte die Fifa-Ethikkommission unter Vorsitz des Schweizers Claudio Sulzer die beiden Hauptbeschuldigten angehört und die von der Sunday Times erhaltenen Dokumente ausgewertet. Die englische Zeitung hatte am Sonntag nach einer Undercover-Recherche ein Video mit belastendem Material gegen den Nigerianer Adamu und Temarii aus Tahiti veröffentlicht.

Bis Mitte November, und damit noch vor dem Vergabeverfahren am 2. Dezember, will die Kommission die Untersuchung abgeschlossen und endgültige Entscheidungen getroffen haben. Die Suspendierung gilt bis zu 30 Tage und kann unter Umständen um weitere 20 Tage verlängert werden.

Neben Temarii und Adamu suspendierte die Fifavier weitere Funktionäre, die ebenfalls in die Korruptionsaffäre um die Vergabe der Endrunden 2018 und 2022 verstrickt sein sollen und Verstöße gegen den Ethik- und Disziplinarkodex begangen haben sollen. Dabei handelt es sich um die ehemaligen Exekutiv-Mitglieder Slim Aloulou (Tunesien/Vorsitzender der Fifa-Kammer zur Beilegung von Streitigkeiten), Amadou Diakite (Mali/Schiedsrichterkommission), Ahongalu Fusimalohi (Verbandspräsident von Tonga) und Ismael Bhamjee (Botswana).

"Das Komitee steht für null Toleranz, was Verstöße gegen den Ethikkodex betrifft", sagte Sulzer und ergänzte: "Wo Menschen sind, ist auch die Versuchung. Unsere Aufgabe ist es aber, die Werte des Fußball zu schützen." Das Vergabeverfahren für die WM 2018 und 2022 sei aber von den jüngsten Vorfällen nicht betroffen, wie Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke sagte: "Das Vergabeverfahren ist perfekt vorbereitet worden. Es gibt keine Diskussion über den Prozess und den Zeitpunkt."

Blatter verwahrte sich unterdessen, bei der Fifa von einer korrupten Institution zu sprechen. "Die FIFA ist in der Welt des Sports eine hochangesehene Institution. Sie steht für Diszipli, Respekt, Fairplay und Solidarität", sagte der 74-Jährige mit eindringlicher Stimme und apellierte an die Öffentlichkeit: "Lasst uns unseren Job machen und die Situation klären." Rufe nach einer externen Untersuchung, die den Fall klären könne, wies auch Sulser zurück: "Wir sind eine unabhängige Institution."

Am Wochenende hatte die Sunday Times den Skandal ins Rollen gebracht. Undercover-Reporter hatten auf einem Video dokumentiert, wie die beiden beschuldigten Funktionäre offenbar ihre Stimmen für die Vergabe der WM 2018 und 2022 feilboten. Adamu soll bei einem Treffen mit Reportern der Zeitung, die sich als Funktionäre der USA ausgegeben hatten, umgerechnet rund 570.000 Euro für seine Stimme gefordert haben, Temarii gar 1,6 Millionen Euro.

Adamu droht auch in seiner Heimat Ärger. Die nigerianische Anti-Korruptions-Behörde hat bereits eine Untersuchung eingeleitet. "Wir ermitteln gegen Adamu wegen Korruptions-Anschuldigungen. Sein Verhalten hat das Image des Landes beeinflusst", sagte Femi Babafemi, der Sprecher der Behörde.

Blatter hatte den Mitgliedern der Fifa-Exekutive, der er selbst vorsteht, als erste Reaktion bis zur Klärung der Vorwürfe in einem offenen Brief ein Redeverbot erteilt. Die Endrunden 2018 und 2022 werden am 2. Dezember in Zürich vergeben. Im Exekutivkomitee der Fifa sitzen 24 Mitglieder, deren Durchschnittsalter bei 63 Jahren liegt. Einziges deutsches Mitglied ist Franz Beckenbauer. Neben Präsident Blatter gehören dem Gremium acht Vize-Präsidenten und 15 weitere hochrangige Funktionäre an.

Der beschuldigte Temarii aus Tahiti ist wie auch Uefa-Boss Michel Platini einer der acht Vize-Präsidenten. Der 43-Jährige war früher Fußball-Profi und verdiente sein Geld unter anderem beim FC Nantes in Frankreich. Der 75-Jährige Adamu aus Nigeria ist einfaches Mitglied der Exekutive. Der frühere Lehrer und begeisterte Volleyball-Spieler ist Präsident des Westafrikanischen Fußball-Verbandes.

Quelle: SID/spo

 
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