Nationalelf-Test in Schweden: Götze macht Löw viel Freude
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 19.11.2010 - 07:17GÖTEBORG (RP). Nach dem 0:0 in Schweden hob der Coach den 18-jährigen Dortmunder besonders hervor. Auch Holtby, Schürrle, Schmelzer und Hummels profitieren von Einsatz an der kalten Westküste.
Wäre es ein ganz normales Fußball-Länderspiel gewesen – man dürfte es getrost schnell abhaken. Doch das 0:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden war kein ganz normales Spiel. Nicht, dass es nennenswert Spannung verbreitet hätte: Es herrschte vielmehr gepflegte Langeweile. Was den 90 Minuten im Ullevi-Stadion zumindest eine kleine Ecke in den DFB-Annalen sichert, sind die Debüts von vier jungen Profis, die international von sich reden machen könnten. Die Mainzer Lewis Holtby und André Schürrle sowie die Dortmunder Marcel Schmelzer und Mario Götze haben durchaus das Zeug, sich mittelfristig im Nationalteam festzuspielen.
Dass sie an Schwedens Westküste noch keine Bäume ausrissen, störte am Ende niemanden. "Unsere Erwartungen waren nicht zu groß, es war okay", befand Samir Khedira, der bei der WM und anschließend bei Real Madrid seinen Weg längst gefunden hat. "Die Jungs sollten erst einmal den Rhythmus und die Abläufe bei der Nationalmannschaft kennenlernen. Wir sind alle zufrieden mit ihnen."
Umgekehrt galt das noch viel mehr. In der Mixed Zone des Ullevi-Stadions herrschten kurz vor Mitternacht Temperaturen wie am Südpol, aber Schürrle erzählte dennoch mit leuchtenden Augen und glühenden Wangen. "Jeder hat uns Neue gut aufgenommen", berichtete der 20-jährige Mainzer, der in der nächsten Saison für Bayer Leverkusen spielen wird. "Es hat gleich Gespräche gegeben, auch mit den Großen." Die Großen? Schürrle klärte auf: "Man hat schon Respekt, wenn man einer Persönlichkeit wie Bastian Schweinsteiger gegenübersteht."
Lewis Holtby, in Göteborg vielleicht der Beste im deutschen Team, schlug in die gleiche Kerbe. "Es war eine Ehre, für diese Mannschaft spielen zu dürfen", meinte der 20-Jährige. "All das ist einfach ein Wahnsinn. In Mainz lief es ja zuletzt nicht so doll, aber wenn man die Nationalhymne hört, vergisst man alles Negative, was vorher war." Dabei hätte es statt des Deutschland-Lieds für Holtby auch "God save the Queen" werden können – sein Vater ist Engländer. "Ich bin ehrlich, bei einem Anruf von Englands Nationaltrainer Fabio Capello hätte ich mir das durchaus überlegt", sagt der 20-Jährige. "Aber jetzt habe ich mich für Deutschland entschieden." Ein Hintertürchen gäbe es für die Three Lions freilich noch: Erst, wenn Holtby ein Pflichtspiel im DFB-Dress bestritten hat, sind die Engländer offiziell aus dem Rennen.
Das Dortmunder Quartett – neben den beiden Debütanten machten Mats Hummels und Kevin Großkreutz ihr jeweils zweites Länderspiel – konnte nicht ganz so viele Akzente setzen wie der Mainzer Mittelfeldspieler. Zufrieden waren aber auch die Schwarz-Gelben. "Es war ein schönes Erlebnis, gleich durchspielen zu dürfen", erklärte der solide agierende Linksverteidiger Schmelzer. "Wir wollten auch vorn mehr mitmischen, aber das hat leider nicht so geklappt. Es ist die A-Nationalmannschaft, natürlich hat man da Respekt."
Für den Jüngsten von allen fand der Bundestrainer besondere Worte. "Es ist beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit und Ruhe Mario Götze hier mit seinen 18 Jahren auftritt", sagte Joachim Löw. "In diesem Alter habe ich so etwas noch nicht oft erlebt." Tief drinnen sieht es aber vielleicht doch etwas anders aus. Zumindest bei Lewis Holtby. "Eins steht fest", betonte er beim Einsteigen in den Mannschaftsbus. "Auch wenn es hier keine Tore gegeben hat: Ich werde definitiv kein Auge zutun. Dafür bin ich viel zu aufgeregt." Zum Schlafen hat er ja noch viele Jahre Zeit.
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