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Deutschland gegen Niederlande
Länderspiel abgesagt - de Maizière schweigt zu den Gründen

Hannover: Länderspiel zum "Schutz der Bevölkerung" abgesagt
Thomas de Maizière bei der Pressekonferenz am Abend in Hannover. FOTO: afp, IW
Hannover. Das Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden ist etwa 90 Minuten vor Anpfiff abgesagt worden. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere nannte keine Details zu den Hintergründen. Die Absage sei "aus Gründen des Schutzes der Bevölkerung" erfolgt. 

"Die Hinweise auf die Gefährdung des heutigen Fußballspiels haben sich im Laufe des Abends so verdichtet, dass wir nach Abwägung dringend empfohlen haben, dieses Länderspiel abzusagen", sagte de Maiziere während einer Pressekonferenz in Hannover: "Die Quelle und das Ausmaß der Gefährdung möchte ich nicht weiter kommentieren."

Stadion in Hannover evakuiert FOTO: ap, PRO

"Trauriger Tag für den Fußball"

DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball zeigte "großen Respekt" vor der Entscheidung: "Der Schutz der Menschen muss höchste Priorität haben." Er erklärte aber auch, es sei "ein trauriger Tag für Deutschland und den deutschen Fußball". Sein Eindruck sei, dass der Fußball in Deutschland mit dem heutigen Tagen in vielen Facetten eine andere Wende bekommen hat". Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius erklärte, es habe "keinerlei Platz für Fehlinformationen oder unterschiedliche Interpretationen" gegeben: "Eine Austragung des Spieles wäre nicht zu verantworten gewesen." Es sei aber noch kein Sprengstoff gefunden und niemand verhaftet worden, erklärte Pistorius gegen 21.30 Uhr. Gerüchte, es sei ein mit Sprengstoff beladener Rettungswagen vor dem Stadion gefunden worden, wollte er nicht bestätigen.

Es habe Hinweise auf einen Anschlag gegeben, der von islamistischen Gefährdern geplant gewesen sei, erfuhr die dpa am Dienstagabend aus Sicherheitkreisen. "Wir haben konkrete Hinweise gehabt, dass jemand im Stadion einen Sprengsatz zünden wollte", sagte Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe der dpa. In der ARD sagte der Polizeipräsident, nachdem um 18.45 Uhr die Tore für die Besucher geöffnet worden seien, habe es einen ernstzunehmenden Hinweis gegeben. "Wir haben uns sehr schnell entschlossen, nicht weitere Menschen einzulassen", sagte Kluwe. "Sowohl die Mannschaften befinden sich in Sicherheit als auch die Offiziellen."

Reaktionen: "Wann hört das bitte auf!??"

Die Arena in Hannover wurde evakuiert. "Meine Damen und Herren, meine liebe Fußballfreunde, es tut mir leid, aber das Spiel ist kurzfristig abgesagt worden. Bleiben Sie bitte ruhig! Es ist keine Gefahr im Anmarsch oder sonst irgendwas. Gehen sie einfach ganz normal nach Hause!", war die Ansage, die über Lautsprecher die Zuschauer über die Absage informierte. "Bitte begebt euch zügig, aber ohne Panik nach Hause", twitterte die Polizei Niedersachsen als Nachricht an die Fans. Die Fans folgten dieser Bitte. Es brach keine Panik aus. Im U-Bahn-Verkehr kam es zu Einschränkungen. An einigen Haltestellen in der Innenstadt hielten die Bahnen nicht mehr. Dies sei auf Wunsch der Polizei angeordnet worden, sagte der Sprecher der Nahverkehrsbetriebe.

Eine Stunde zuvor hatte die Polizei wegen des Fundes eines verdächtigen Gegenstandes einen Bereich vor dem Stadion abgesperrt. Nach eingehender Kontrolle wurde zu diesem Zeitpunkt noch Entwarnung gegeben. Der Gegenstand habe sich als ungefährlich herausgestellt.

Nach den Vorfällen von Paris galt für die Begegnung gegen den WM-Dritten aus den Niederlanden in Hannover die höchste Sicherheitsstufe. Unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere hochrangige Politiker hatten ihr Kommen angekündigt. Manche von ihnen waren zum Zeitpunkt der Absage bereits im Stadion und wurden ebenfalls wieder herausgeführt.

DFB-Elf trainiert im Regen von Hannover unter Polizeischutz FOTO: dpa, nte lus htf

DFB-Team auf dem Weg ins Stadion gestoppt

Die Mannschaft war noch auf der Fahrt in die Arena. "Wir sind auf dem Weg ins Stadion von der Polizei umgeleitet worden und an sicherem Ort. Mehr können wir derzeit nicht sagen, Bitte um Verständnis", twitterte Nationalmannschafts-Sprecher Jens Grittner.

"Reinhard Rauball hat als Delegationsleiter Kontakt zur Mannschaft, sie ist in Sicherheit", sagte auch DFB-Interimspräsident Rainer Koch dem SID und lobte die Polizei Hannover. "Wir stehen in engem Kontakt mit den Sicherheitsbehörden. Wir stellen hier fest, dass die niedersächsische Polizei und auch die Bundespolizei hochprofessionell arbeitet", sagte Koch.

Das Team von Bundestrainer Joachim Löw hatte am vergangenen Freitag die Ereignisse in Paris miterlebt. Am Rande des Länderspiels gegen Frankreich hatten Selbstmordattentäter Bomben vor dem Stade de France gezündet.

Nach einigem Zögern hatte sich die Löw-Mannschaft entschlossen, zur Partie gegen die Niederländer anzutreten. Das Spiel sollte ein Signal gegen Fanatismus und Extremismus setzen.

"Sicherheit geht immer vor. Es ist eine Befürchtung, die man immer hat. Ich vertraue der Polizei, dass sie hier die richtige Entscheidung getroffen hat. Wenn eine Gefährdungslage vorliegt, dann müssen solche Schritte eingeleitet werden", sagte Hannovers Bürgermeister Stefan Schostok dem SID.

Am Montagabend war auch Sicherheitsgründen bereits das Länderspiel zwischen Belgien und Spanien, das am Dienstagabend in Brüssel hätte stattfinden sollen, abgesagt worden.

(areh/dpa/sid)
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