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Vor 100 Jahren geboren
Helmut Schön: "Ein General mit Herz"

Helmut Schön: Der Mann mit der Mütze
Helmut Schön: Der Mann mit der Mütze FOTO: dpa, sk hpl
Frankfurt/Main. Am Dienstag wäre Helmut Schön 100 Jahre alt geworden. Der "Mann mit der Mütze", Bundestrainer der Weltmeister-Elf von 1974, gilt als erfolgreichster Coach in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Schon Udo Jürgens setzte dem "Mann mit der Mütze" noch zu Lebzeiten ein Denkmal. "Du warst ein General mit Herz, ein Freund zugleich und Boss", sang der Entertainer: "Du wusstest Rat und manchen Trick, und rittest nie das hohe Ross." Helmut Schön war ein Großer - für Jürgens und den deutschen Fußball. Am Dienstag (15. September) wäre der 1996 verstorbene Trainer der deutschen Weltmeister-Elf von 1974 100 Jahre alt geworden.

Der lange Sachse Schön prägte den deutschen Fußball ähnlich wie seine Weltmeister-Kollegen Sepp Herberger (1954), Franz Beckenbauer (1990) oder Joachim Löw (2014).

Bei seiner ersten WM als Bundestrainer wurde Deutschland 1966 in England Vizeweltmeister (2:4 n.V. im Endspiel gegen die Three Lions, vier Jahre später in Mexiko stand nach der Halbfinal-Niederlage im "Jahrhundertspiel" gegen Italien (3:4 n.V.) der dritte Platz durch das 1:0 gegen Uruguay zu Buche. Dann folgte die goldene Ära mit dem EM-Titel 1972 (3:0 im Endspiel gegen die UdSSR) und dem WM-Triumph im eigenen Land (2:1 gegen die Niederlande in München) - Schön gilt auch deshalb als der erfolgreichste Bundestrainer in der 115-jährigen Geschichte des DFB.

Die Bundestrainer-Bilanzen FOTO: dpa, nic

Erfolg war für die Amtszeit des gebürtigen Dresdners von 1964 bis 1978 aber nicht das einzige Markenzeichen. Noch heute schwärmen Fans vor allem von der Spielweise des Nationalteams unter Schön. "Ich bin davon überzeugt, dass die überwältigende Mehrheit der treuen Zuschauer vor allem eines sehen will: guten, echten, spannenden, sportlichen Fußball - und keinen Firlefanz", beschrieb Schön einmal sein Credo.

Auch wenn Schön als "der Lange" oder "der Mann mit der Mütze" oft durch Äußerlichkeiten beschrieben wurde, machte ihn vor allem seine warmherzige Persönlichkeit zu einem besonderen Bundestrainer. So lobte etwa "Kaiser" Franz Beckenbauer seinen ehemaligen Chef in höchsten Tönen: "Helmut Schön war ein Trainer von großem Format und von großer Menschlichkeit."

In einer Zeit, in der Bundesliga-Trainer gerne als "Diktatoren im Trainingsanzug" auftraten, räumte Schön seinen Spielern Freiräume und Mitspracherecht ein. "Er hat uns nie zu etwas gezwungen, war das Taktik, war es sonstiges Verhalten", erinnert sich sein langjähriger Spielführer Beckenbauer.

Kritiker legten Schön, der mit 17 Toren in 16 Länderspielen auch als Spieler zu überzeugen wusste, diesen Stil jedoch oft als Führungsschwäche aus. Nach der 0:1-Niederlage gegen die DDR in der WM-Vorrunde 1974 in Hamburg war es ausgerechnet Beckenbauer, der im Kreis der Mannschaft später in der Sportschule Malente heftige Kritik übte und dem Trainer erklärte, was sich alles ändern müsse.

Als "völligen Quatsch" beschrieb WM-Teilnehmer Bernd Hölzenbein später eine vermeintliche Entmachtung Schöns. "Er stellte die Mannschaft auf. Aber er war, anders als andere Trainer dieser Zeit, bereit, Argumente abzuwägen und auch andere Meinungen gelten zu lassen", betonte Hölzenbein. Immerhin wurden damals in der Nacht von Malente die Weichen für den zweiten deutschen WM-Triumph nach 1954 gestellt.

Ein glanzvoller Abgang war aber auch dem erfolgreichsten Bundestrainer der DFB-Geschichte nicht vergönnt. Bei der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien musste Schön die "Schmach von Cordoba" gegen Österreich (2:3) über sich ergehen lassen. Der "Mann mit der Mütze" ging von Bord und überließ seinem Assistenten Jupp Derwall das Feld. Am 23. Februar 1996 starb Helmut Schön im Alter von 80 Jahren. "Sein Lebenswerk ist Legende geworden", kommentierte der damalige DFB-Präsident Egidius Braun die Lebensleistung des Sachsen.

(sid)
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