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Hrubesch feiert 65. in Brasilien
"Dienst ist Dienst. Und Schnaps ist Schnaps"

Porträt: Horst Hrubesch – Kopfballungeheuer und Trainer-Phänomen
Porträt: Horst Hrubesch – Kopfballungeheuer und Trainer-Phänomen FOTO: dpa, pse fpt hak jhe
Hamburg. U21-Trainer Horst Hrubesch wird am Sonntag 65. Seinen Ehrentag verbringt er dienstlich in Brasilien.

Dass er seinen letzten Geburtstag als Trainer 10.000 Kilometer entfernt von der Heimat mit Arbeit verbringen muss, kommentiert Horst Hrubesch in der ihm eigenen Art. "Dienst ist Dienst", sagt der ab Sonntag 65 Jahre alte Fußball-Lehrer: "Und Schnaps ist Schnaps."

Horst Hrubesch konnte das schon immer trennen. Die Maloche und die Freuden des Lebens. Deshalb wurde er so erfolgreich. Und er konnte diese Trennung und Konzentration gut vermitteln. Deshalb ist er so ein guter Trainer.

Es stört ihn auch nicht, dass er seinen 65. Geburtstag in Brasilien feieren muss, wo am Donnerstag die Gruppen für das olympische Fußballturnier ausgelost wurden und er danach aus Inspektionstour durchs Land geht. Tagelang in Norwegen angeln, was er so liebt, oder mit den fünf Enkeln Fußball spielen, kann er ab Herbst noch genug. Dann ist er offiziell Rentner.

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So richtig vorstellen mag man sich das nicht. Denn dieser knorrige und kernige Westfale kam zwar schon immer irgendwie wohltuend altmodisch daher. Doch sprüht er auch heute noch vor Vitalität. Und er ging auch stets mit der Zeit, hatte das Ohr immer an der Jugend. Mit seiner Fähigkeit zuzuhören und zu analysieren und seinem großen Herzen schuf er stets Verständnis und Vertrauen. Er weiß, welche Musik die Jungen hören, welche Sorgen und Träume sie haben. "Er hat uns erreicht. Alle. Immer", sagt deshalb ein früherer Junioren-Nationalspieler.

Dass ausgerechnet Hrubesch die Jugend trainiert, mutet auf den ersten Blick seltsam an. Schließlich schaffte er selbst es nur in die Kreisauswahl Unna-Kamen-Hamm und erst mit 24 über Umwege und Zufälle in die Bundesliga. Doch dort begann er einen Triumphzug. 1980 köpfte er Deutschland mit zwei Toren im Finale zum EM-Titel, 1983 gewann er mit dem Hamburger SV den Europapokal der Landesmeister. Sein Erfolgs-Rezept "Manni Bananenflanke, ich Kopf, Tor" wurde genauso Kult wie sein Ausspruch beim Abschiedsspiel: "Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank!"

Bundesliga: Ewige Torschützenliste FOTO: Imago

Doch egal, wie lustig mancher Satz von ihm klingt. Ob er Geschehnisse "Paroli ziehen" lassen wollte oder ein Tor mit den Worten kommentierte: "Da hab ich gedacht: Da tu ich ihn ihm rein in ihm sein Tor.": Keiner lachte jemals über Horst Hrubesch. Allenfalls mit ihm. Denn dafür waren der Respekt vor ihm und die Sympathie für ihn stets zu groß.

Hrubesch war für seine Spieler eine Vaterfigur. Und vom Leben kann er den Jungs viel erzählen. Sein Vater verließ die Familie, als Horst 13 war, er musste "früh viel Verantwortung für meine zwei Brüder und zwei Schwestern übernehmen". Seinen späteren Aufstieg zum Star und zur Kultfigur bewertete er stets ein bisschen staunend und demütig. "Wer hätte das gedacht", sagte er mal: "Der Kleene vom Lande in der großen Welt."

Zum Lande zieht es noch heute immer dann, wenn ihm das aufgeblasene Geschäft Fußball zu viel wird. Über das Angeln hat er gar mal ein Buch geschrieben: "Dorschangeln vom Boot und an den Küsten." Es ist längst vergriffen. Zudem betreibt er mit seiner Ehefrau Angelika einen Pferdezuchtbetrieb und war bis 2013 Vorsitzender der Interessengemeinschaft Edelbluthaflinger.

Dennoch sei er natürlich auch als Spieler "kein Kind von Traurigkeit" gewesen, erzählt er einst: "Aber ich hatte immer das Glück, nicht erwischt worden zu sein, hatte immer ein schlechtes Gewissen und habe mit Leistung zurückgezahlt." Sein Motto im Fußball wie im Leben: "Spaß und Freizeit müssen dabei sein. Aber 90 Prozent sind Arbeit."

(sid)
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