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EM-Generalprobe
Hrubesch und U21 läuten den Titelkampf ein

Porträt: Horst Hrubesch – Kopfballungeheuer und Trainer-Phänomen
Porträt: Horst Hrubesch – Kopfballungeheuer und Trainer-Phänomen FOTO: dpa, pse fpt hak jhe
Knapp drei Monate vor der EM-Endrunde steigen für die deutsche U21 die letzten Härtetests. Mit den Länderspielen gegen Italien und in England beginnt für Trainer Horst Hrubesch das große Personal-Puzzle.

Von Paderborn über Prag nach Rio: Horst Hrubesch hat in seiner langen Trainer-Laufbahn fast alles erlebt - dennoch steht der Coach der deutschen U21-Fußballer nun vor der wohl aufregendsten Phase seiner Karriere. Mit dem EM-Test gegen Italien beginnt eine Reise, die für Hrubesch und Co. erst 17 Monate später im olympischen Endspiel von Maracana enden soll.

"Das sind die letzten Möglichkeit für mich, vor der EM-Endrunde noch etwas auszuprobieren. Und wir wollen jetzt schon die Dinge für die EM in die richtige Richtung bringen ", sagt Hrubesch vor dem Länderspiel-Doppelpack gegen die Italiener in Paderborn am Freitag (20.00 Uhr) und in Middlesbrough gegen England am Montag (20.45, beide Eurosport), den finalen Auftritten vor den Titelkämpfen in Tschechien (17. bis 30. Juni): "Und zur EM fahren wir nicht, um nur dabei zu sein, wir wollen den Titel."

Der 63-Jährige weiß, was für einen EM-Erfolg zu tun ist - 2009 führte er die vielleicht stärkste U21 der DFB-Geschichte zum Titel. Und deshalb suchte er sich für die Generalprobe die stärksten verfügbaren Prüfsteine: Rekord-Europameister Italien wie auch der zweimalige Titelträger England gehören auch in Tschechien zu den großen Favoriten, auf die DFB-Elf können sie dort aber frühestens im Halbfinale treffen. Der Sprung unter die letzten Vier würde gleichzeitig das Olympia-Ticket für 2016 bringen.

"Über den Stellenwert der EM braucht man nicht zu diskutieren", sagte Hrubesch dem Express: "Das sieht man allein an unserem Kader." Aus rund 40 Spielern muss das einstige Kopfball-Ungeheuer seinen Kader basteln, darunter ist einiges an Prominenz: Allein im Paderborn-Aufgebot finden sich neben Weltmeister Matthias Ginter in Marc-Andre ter Stegen, Max Meyer, Kevin Volland und Christian Günter vier weitere A-Nationalspieler. Für die EM kämen selbst Mario Götze, Julian Draxler und Shkodran Mustafi aufgrund ihres Alters infrage.

Volle Unterstützung von Löw

Bundestrainer Joachim Löw sichert Hrubesch für den Titelkampf vollste Unterstützung zu. Zumindest Volland, Meyer, der lange verletzte Leon Goretzka sowie der ins A-Team drängende Emre Can wird Löw nicht für seine Juni-Länderspiele nominieren. "Mir ist lieber, sie spielen bei der U21 ein Turnier mit internationalem Vergleich als dass sie bei uns vielleicht 90 Minuten auf der Bank sitzen", sagte Löw: "2009 haben wir damit gute Erfahrungen gemacht, als Spieler wie Neuer, Khedira oder Özil dabei waren und einen Schub für die WM 2010 bekommen haben."

Im Falle einer erfolgreichen Olympia-Qualifikation - es wäre die erste seit 1988 - könnte es indes zu verstärkten Interessen-Konflikten zwischen Löw und Hrubesch kommen. In Brasilien ist im August 2016 die aktuelle U21 weiter spielberechtigt, deren Leistungsträgern könnte zuvor allerdings bei der EURO in Frankreich bereits eine tragende Rolle zukommen - ein "Doppelstart" bei beiden Turnieren scheint aber ausgeschlossen.

Mit den abstellenden Vereinen drohen Hrubesch weitere Diskussionen: Das olympische Turnier kollidiert höchstwahrscheinlich mit dem Bundesliga-Auftakt. Zudem darf der Coach drei Spieler nominieren, die keiner Altersbeschränkung unterliegen - Stress mit den Klubs ist programmiert.

(sid)
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