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Italien gegen Deutschland
Das Extra-Auge für den Schiedsrichter

Niederlande setzt Videobeweis in Pokalspielen ein
Niederlande setzt Videobeweis in Pokalspielen ein FOTO: dpa, ss
Düsseldorf. Beim Länderspiel der DFB-Auswahl in Mailand wird der "Video Assistant Referee" getestet. Von Eckhard Czekalla

Manuel de Sousa steht seit 2009 auf der Liste der Schiedsrichter des Fußball-Weltverbandes (Fifa). Heute ist der 41-Jährige in Mailand im Einsatz. Doch das Länderspiel taucht in seiner Statistik nicht auf. Der Portugiese sitzt in einem Raum und sieht sich die Partie auf Monitoren an. Dabei hat er Zugriff auf alle TV-Kanäle des italienischen und deutschen Fernsehens.

De Sousa soll als "Video Assistant Referee" (VAR) seinen Landsmann Soares Dias und dessen Assistenten unterstützen. Bei einem klaren, möglicherweise spielentscheidenden Fehler (Tor aus abseitsverdächtiger Position, Rote Karte, Elfmeter) kann er über Headset Kontakt mit dem Kollegen auf dem Rasen aufnehmen, der aber die alleinige Entscheidung hat. VAR kann nur sein, wer selbst Spiele auf dem Niveau leitet oder geleitet hat, bei dem er eingesetzt wird.

Anfang September war der "fünfte Schiedsrichter" erstmals bei einem Länderspiel im Einsatz. "Es war für uns eine großartige Gelegenheit, die uns ein gutes Gefühl gegeben hat. Wir haben das Angebot in zwei Situationen genutzt", sagte Björn Kuipers. So, als der Italiener Danile de Rossi im Stadion von Bari aufs Tor köpfte und der Franzose Layvin Kurzawa den Ball abwehrte. Mit der Hand, wie die Gastgeber meinten. Kuipers unterbrach die Partie und entschied nach rund 20 Sekunden und Rücksprache mit diesmal sogar zwei VARs auf Einwurf für Italien statt auf Elfmeter.

"Der Fußball bleibt gleich, aber wir haben mit dem Video-Schiedsrichter ein Extra-Auge. Wir wollen erreichen, dass die richtige Entscheidung getroffen wird, dass der Fußball ehrlicher wird", sagte Marco van Basten. Der frühere niederländische Weltklasse-Stürmer arbeitet bei der Fifa als Beauftragter für Technische Entwicklung. Ob der Videobeweis eingeführt wird, entscheidet sich erst 2018 beim Treffen des International Football Association Boards. Ihm gehören vier Mitglieder der Fifa an sowie je ein Vertreter der Verbände aus England, Nordirland, Schottland und Wales.

Das System wird seit dieser Saison in Österreich, Italien, Portugal, den USA und Deutschland getestet. In der Bundesliga sind dies bis zu vier Partien pro Spieltag. Dies geschieht noch offline, das heißt, der Video-Assistent hat keinen Kontakt zum Referee. In der kommenden Saison soll es ernst werden.

In den Niederlanden, wo das System entwickelt und schon länger erprobt wurde, gab es mit Zustimmung der Fifa am 21. September im Pokal zwischen Ajax Amsterdam und Willem II Tilburg (5:0) die Premiere in einer offiziellen Klub-Begegnung. Pol van Boekel, der sechs TV-Bildschirme im Blick hatte, informierte nach einem Foulspiel seinen Kollegen Danny Makkelle. Der zeigte daraufhin dem Gästeprofi Anouar Kali die Rote statt der Gelben Karte.

Quelle: RP
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