Italien - Australien 1:0: Italien zittert sich ins Viertelfinale
zuletzt aktualisiert: 26.06.2006 - 19:29Kaiserslautern (rpo). Francesco Totti hat den dreimaligen Weltmeister Italien vor einer Blamage bewahrt: Der eingewechselte Superstar erzielte im Achtelfinalspiel in Kaiserslautern gegen Australien in der Nachspielzeit trotz Unterzahl per Foulelfmeter den Siegtreffer, wodurch sich die Squadra Azzurra glücklich mit 1:0 (0:0) durchsetzte.
Zugleich revanchierte sich das Team von Trainer Marcello Lippi, das nun am Freitag (21 Uhr) in Hamburg auf die Ukraine trifft, trotz der Roten Karte gegen Marco Materazzi (51./grobes Foulspiel) bei Australiens Trainer Guus Hiddink. Dieser hatte bei der WM 2002 mit seinem damaligen Team, Südkorea, für den Achtelfinal-K.o der Italiener gesorgt.
Vor 46.000 Zuschauern im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion entschied der in der 75. Minute ins Spiel gekommene Toti das erste Länderspiel-Duell der beiden Teams, nachdem Lucas Neill Fabio Grosso im australischen Sterafraum gefoult hatte. Materazzi war zuvor nach einem allerdings nicht allzu harten Foul an Marco Bresciano von Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo (Spanien) des Feldes verwiesen worden.
"Ära Hiddink" ist beendet
Während die Azzurri damit weiter vom ersten WM-Triumph seit 1982 träumen dürfen, ist die "Ära Hiddink" bei den erstmals in die K.o-Runde einer WM eingezogenen "Socceroos" nach nur einem knappen Jahr bereits wieder beendet. Der 59-Jährige übernimmt nach der Endrunde den Cheftrainer-Posten bei der russischen Nationalmannschaft. Bis die Australier einen neuen Trainer gefunden haben - für den mit einem Jahresgehalt von 2,2 Millionen Euro dotierten Job sind Gerard Houllier und Carlos Bilardo im Gespräch - wird Assistenztrainer Graham Arnold das Team betreuen.
In der Anfangsphase erspielten sich die Australier zwar eine Feldüberlegenheit, die erste gute Chance hatten allerdings die Italiener. Ein Kopfball von Luca Toni verfehlte aber knapp sein Ziel (3.). Auch in der Folge blieben die "Aussies" spielbestimmend, das gefährlichere Team war dennoch weiterhin die Squadra Azzurra. Zu den Offensivbemühungen der Italiener konnte der überraschend für Totti aufgebotene Alessandro Del Piero kaum etwas beitragen. Der Star von Juventus Turin blieb zunächst blass.
Endstation Schwarzer
Wesentlich auffälliger im Team Lippis, der auf den gesperrten Daniele De Rossi und den verletzten Alessandro Nesta verzichten musste, agierte Alberto Gilardino. Der Angreifer vom AC Mailand konnte seine erste große Möglichkeiten (20.) aber genauso wenig nutzen wie Toni kurz darauf (22.). Beide Male stand Australiens Torwart Mark Schwarzer, der Zeljko Kalac nach dessen Patzer zuletzt wieder zwischen den Pfosten abgelöst hatte, im Weg.
Mitte der ersten Hälfte war von der Mannschaft Hiddinks, der ohne den gesperrten Brett Emerton und Tony Popovic (Wadenprobleme) auskommen musste, nicht viel zu sehen. Der Elf war anzumerken, dass Stürmer Harry Kewell wegen einer Leistenverletzung auf der Ersatzbank Platz nehmen musste. Die Schwächephase der "Socceroos", in deren Heimat Millionen Fans die Nacht zum Tag machten, dauerte aber nur bis zur 30. Minute. Dann bot sich Scott Chipperfield die bis dahin beste Gelegenheit für die Australier. Italiens Torwart Gianluigi Buffon bewahrte sein Team in dieser Situation vor einem Rückstand.
Überforderte Australier
In der insgesamt auf mäßigem Niveau stehenden ersten Hälfte entwickelten sich Toni und Gilardino kurz vor der Pause endgültig zu den Chancen-Vernichtern für die Italiener. Beide verpassten gute Möglichkeiten zur Führung (34. und 40.). Nach dem Seitenwechsel machte Toni da weiter, wo er vor der Pause aufgehört hatte, und vergab eine weitere Großchance (49.). Kurz darauf hatte Lippi ein Einsehen und nahm den glücklosen Angreifer vom AC Florenz vom Platz (55.).
Weil die Australier allerdings trotz ihrer nummerischen Überlegenheit mit der Spielgestaltung zumeist überfordert schienen, blieben die Italiener bei einigen Angriffen weiter gefährlich. Dennoch war Italiens Sieg letztlich sehr glücklich.
Beste Australier waren Chipperfield und Vince Grella. Auf Seiten der Italiener konnten vor allem Kapitän Fabio Canavaro und Torwart Buffon überzeugen.
STIMMEN ZUM SPIEL
Trainer Marcello Lippi (Italien): "Das war fantastisch. Ich muss meinem Team einen großen Dank aussprechen. In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt. Erst in Unterzahl nach der Roten Karte haben wir Probleme gehabt, die Australier zu kontrollieren. Aber ich habe zu keiner Zeit Angst gehabt, nach Hause fahren zu müssen. Für Totti war dieses Tor sehr, sehr wichtig. Jetzt sind wir alle erstmal unglaublich müde."
Trainer Guus Hiddink (Australien): "Das war ein K.o. in letzter Sekunde, und es bleiben Zweifel wegen der Elfmeter-Entscheidung. Trotzdem bin ich sehr, sehr stolz auf mein Team. Auch heute haben wir wieder gegen ein großes europäisches Team hervorragend gespielt. Nur muss dieses Klassespiel auch irgendwann zu Toren führen. Das hat uns heute gefehlt. Natürlich sind wir wegen des knappen Ausscheidens sehr enttäuscht."
STATISTIK
Italien: Buffon - Zambrotta, Cannavaro, Materazzi, Grosso - Gattuso, Pirlo, Perrotta, Del Piero (75., Totti) - Gilardino (46., Iaquinta), Toni (56., Barzagli)
Australien: Schwarzer - Moore, Neill, Chipperfield - Grella, Culina, Bresciano, Sterjovski (81., Aloisi), Cahill, Wilkshire - Viduka
Tore: 1:0 Totti (90.+5, Foulelfmeter)
Gelbe Karten: Grosso, Gattuso, Zambrotta - Grella, Cahill, Wilkshire
Rote Karten: Materazzi (51., Notbremse)
Schiedsrichter: Luis Medina Cantalejo (Spanien)
Zuschauer: 46000
Torschüsse: 6:4
Ecken: 2:2
Fouls: 17:26
Ballbesitz: 41%:59%
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