Länderspiel: Jetzt greift Kießling an
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 18.11.2009 - 06:43Düsseldorf (RP). Der Leverkusener spielt in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste (20.45 Uhr im Live-Ticker) von Anfang an. Mit ihm wird nun der Konkurrenzkampf im Angriff der Nationalmannschaft größer. Der 25-Jährige will zur WM.
Joachim Löw hat Stefan Kießling auf eine Geduldsprobe gestellt: Der Bundestrainer nominierte den Angreifer aus Leverkusen zuletzt nicht mehr, auch gegen Russland und Finnland in der WM-Qualifikation setzte er weiter auf Miroslav Klose, Mario Gomez, Lukas Podolski und Cacau. Der Offensivspieler Kießling blieb in seiner Reaktion auf Löws Entscheidung defensiv. Das war auch klug, zumal da er sicher sein konnte, dass er noch in diesem Jahr seine Chance bekommen würde.
Die wartet beim Test gegen die Elfenbeinküste. Dann wird der lange Franke belohnt fürs stille Warten. "Ich habe mit ihm im letzten Jahr gesprochen und gesagt, dass er an einigen Dingen arbeiten sollte", erklärt Löw. Und er hat bei dem Stürmer tatsächlich eine "eindeutige Leistungsverbesserung" erkannt, stellt neben Kießlings derzeit überragender Torgefährlichkeit auch technische Fähigkeiten heraus. Die zählten früher nicht zu den Stärken des Stürmers.
"Ich habe mich eigentlich gar nicht speziell auf irgendetwas fixiert", sagt Kießling selbst. "Ich habe vor und nach dem Training ein paar Sonderschichten gemacht, im Kraftbereich und im Torschussbereich. Im Großen und Ganzen habe ich mich nicht allzusehr verändert. Ich denke, ich bin reifer geworden, und glaube, das ist ein entscheidender Punkt."
Heute wird eine neue Runde eingeläutet beim Konkurrenzkampf im Angriff. Klose und Gomez, "Stoßstürmer" wie Kießling, sind für den Leverkusener die Hauptrivalen, international schon erfahrener. Doch sie können "Kies" gegenwärtig nicht das Wasser reichen. Denn während sie beim FC Bayern nur auf mäßigem Niveau spielen, hat sich Kießling mit acht Treffern an die Spitze der Bundesliga-Torschützenliste katapultiert.
"Mario und Miro sind auch große Spieler", sagt er. "Aber ich will und werde alles dafür tun, dass ich bei der WM in Südafrika einer von fünf deutschen Angreifern bin." Das Gerangel um die Plätze wird noch größer, sollte Patrick Helmes, Kießlings Kollege bei Bayer, nach seinem Kreuzbandriss wieder an die Tür zur Nationalmannschaft klopfen. Vielleicht schafft es ja sogar noch Thomas Müller (20) vom FC Bayern.
Was Stefan Kießling schon immer auszeichnete, waren der kämpferische Einsatz und die hohe Laufbereitschaft des Kontaktlinsenträgers. Der junge Mann ist nicht nur ungemein torhungrig – er ist auch noch ein richtiger Kilometerfresser. Auf dem Feld ständig unterwegs und stets Anspielpunkt für die Kollegen im Kombinationsspiel.
Sein Leistungssprung gegenüber der Vorsaison ist erheblich, daran hat auch Bayers Trainer Jupp Heynckes wohl einen bedeutenden Anteil. "Ich habe von jedem Trainer viel gelernt", sagt Kießling, "speziell in dieser Saison. Der Trainer spricht sehr viel mit mir und erklärt mir viele Dinge. Ich habe einfach das Gefühl, dass er mir vertraut. Im Moment zahle ich ihm das Vertrauen zurück. Es tut mir gut, der Mannschaft und dem Verein."
Beginnt für ihn die Karriere als Nationalspieler erst heute richtig, nachdem er im DFB-Team bislang nur die 0:1-Niederlagen gegen Dänemark und Norwegen erlebt hat? "Nö", sagt Stefan Kießling. "Die zwei Spiele möchte ich nicht missen, egal wie sie gelaufen sind. Es ist etwas Großes gewesen, es war eine Ehre für mich zu spielen." Und er fügt hinzu: "Wir hoffen, dass wir es diesmal besser machen können."
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