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Länderspiel in Dänemark
Jogis große Casting-Show

Das sind Joachim Löws Debütanten
Das sind Joachim Löws Debütanten FOTO: afp, pst/dg
Kopenhagen. Joachim Löw und Dieter Bohlen sind nun wirklich sehr unterschiedliche Charaktere. Der stets besonnen agierende Badener auf der einen, der prollig auftretende Norddeutsche auf der anderen Seite. Nun bedient sich der Bundestrainer aber der Methodik des Pop-Titans. Von Patrick Scherer

Löw lässt vorspielen. In den kommenden vier Wochen lädt der 57-Jährige zu seiner ganz persönlichen Casting-Show. Dabei geht es nicht zwingend darum, den nächsten Superstar zu finden, nein, Löw sucht das passende Ensemble für die Fußball-WM in Russland 2018. Die Auftaktshow steigt am Donnerstag (20.45 Uhr/Live-Ticker) in Kopenhagen beim Testspiel gegen die dänische Nationalmannschaft. Weiter geht es am Samstag mit dem WM-Qualifikationsspiel in Nürnberg gegen San Marino (20.45 Uhr/Live-Ticker), bevor der Perspektivkader zum Confed Cup (17. Juni bis 2. Juli) nach Russland aufbricht.

Gleich sieben Spieler hat Löw nominiert, die noch kein Länderspiel bestritten haben: Kevin Trapp, Sandro Wagner, Amin Younes, Diego Demme, Kerem Demirbay, Marvin Plattenhardt und Lars Stindl. "Das Ziel für mich ist, drei oder vier, vielleicht sogar fünf Spieler so weit zu bekommen, dass sie in der Lage sind, Druck zu machen auf unsere etablierten Spieler", sagt der Coach. Aus dem Kader, der 2014 den WM-Titel gewann, sind nur Julian Draxler, Skhodran Mustafi und Matthias Ginter dabei. Den Korsettstangen Manuel Neuer (verletzt), Jerome Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira, Mesut Özil, Toni Kroos und Thomas Müller hat Löw Entspannung verordnet. Und so ist die spannende Frage, welcher der Frischlinge - zu denen sicher noch Leon Goretzka, Niklas Süle, Benjamin Henrichs, Julian Brandt und Timo Werner gehören -, kann sich ins Rampenlicht spielen? Löw drückt es so aus: "In dieser Phase, beim Confed-Cup, steht die Entwicklung im Vordergrund, nicht einzig und allein erfolgreiches Handeln." Für ihn ist es wichtig, eine homogene Gruppe zusammenzustellen, die den richtigen Teamgeist für das WM-Turnier entwickelt. Es geht auch darum, ob Löw den Neuen zutraut, das Gesamtgefüge zu stärken. Im Idealfall sucht er Spieler aus, die auf dem Rasen stets Vollgas geben, sich dann aber auch als Teamplayer mit der Rolle auf der Bank zufrieden geben.

Besonders Sandro Wagner dürfte Löw genau in Blick nehmen. Der 29-jährige Stürmer gilt als Lautsprecher, er liebt es, zu polarisieren. "Mein Image ist mir ziemlich wurscht", sagte er mal. Im April 2016 bekundete der jetzige Hoffenheimer, dass Bundesliga-Profis zu wenig Geld verdienen würden. Kurz darauf stellte er fest: "Ich bin in meinen Augen seit einiger Zeit mit Abstand der beste deutsche Stürmer." Es wird spannend zu beobachten sein, wie er mit der neuen Rolle als Nationalspieler umgeht.

Wagners Sturmkollege Timo Werner (Leipzig, zurzeit verletzt) hat ebenfalls Überzeugungsarbeit zu leisten. In seinem Fall aber bei den Fans. Die Vorbehalte gegenüber dem 21-Jährigen sind groß, nachdem Werner mit einer krassen Schwalbe im Spiel gegen Schalke einen Elfmeter geschunden hat. Für den mit 21 Treffern besten deutschen Torschützen der Bundesliga-Saison dürfte es von Vorteil sein, dass nur das Spiel gegen San Marino auf deutschem Boden stattfindet. Nach Wagner ist Lars Stindl der zweitälteste Neuling (28). Der Kapitän von Borussia Mönchengladbach hat bei Löw bereits einen Stein im Brett, da er in der Offensive sehr variabel einsetzbar ist. Eine Eigenschaft, die der Bundestrainer schätzt. "Wir haben früher schon über ihn nachgedacht, jetzt wollten wir ihm eine Möglichkeit geben, sich über eine längere Zeit zu präsentieren", sagt Löw. Für Stindl und den gesamten Perspektivkader wird es wichtig sein, die richtige Mischung aus persönlichen Glanzpunkten und mannschaftsdienlichem Spiel zu finden. Es gilt Löw zu überzeugen, und sich den Sprung in die nächste Runde, zum WM-Qualifikationsspiel in Tschechien (1. September), zu verdienen.

Quelle: RP
 
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