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EM-Qualifikation
Löw hält an Podolski fest

Fotos: Löw bleibt bis 2018 Bundestrainer
Fotos: Löw bleibt bis 2018 Bundestrainer FOTO: dpa, sh hak
Düsseldorf. Trotz Formschwäche wird der Stürmer ins Aufgebot für die Länderspiele gegen Australien und in Georgien berufen. Von Robert Peters

Lukas Podolski hat großen Anteil am Weltmeistertitel. Weniger als beeindruckender Athlet auf dem Platz, in dieser Hinsicht reichte es nur zu zwei Kurzeinsätzen. Beim Training aber, im Teamquartier Campo Bahia, bei den Reisen und bei der Öffentlichkeitsarbeit war er wahrscheinlich der wichtigste Mitarbeiter von Fußball-Bundestrainer Joachim Löw. Podolski hatte ausdauernd gute Laune, er lächelte viel in den fünf Wochen Brasilien, er machte wahrscheinlich ein paar tausend Handy-Fotos. Und er kümmerte sich persönlich darum, dass eine Fahne des 1. FC Köln vor dem Medienzelt des Deutschen Fußball-Bundes artgerechte Behandlung erfuhr.

Fotos: Joachim Löw – Freiburger, DFB-Pokalsieger, Weltmeister FOTO: dpa, ss

Das hat Eindruck hinterlassen. Löw ist dem 29-jährigen Stürmer so sehr in Dankbarkeit verpflichtet, dass er ihn auch ins Aufgebot für die Länderspiele in Australien gegen Australien (Mittwoch) und in Georgien (Sonntag in einer Woche) berufen wird. Das hat der Bundestrainer der "Bildzeitung" vorsichtshalber schon mal verraten. "Er hat immer noch unser Vertrauen, und wir hoffen, die Tage bei uns geben ihm Aufwind und Kraft", sagte Löw.

Beides wird der Angreifer brauchen können. Denn seine Spielweise scheint nicht nur in der Ländermannschaft, sondern auch bei seinen Arbeitgebern im Klub aus der Mode zu kommen. Schon beim FC Arsenal fristete der wichtigste Kölner Fußballer seit Wolfgang Overath nur noch ein karges Dasein auf der Ersatzbank. Deshalb ließ er sich an Inter Mailand ausleihen. Es gab die üblichen Vorab-Glückwünsche von allen Seiten, relativ schnell jedoch die Erkenntnis, dass Podolski in seiner aktuellen Form auch in Mailand keine große Hilfe ist. Die bekannt meinungsstarken italienischen Medien haben diese Erkenntnis entsprechend lautstark hinausposaunt. Möglicherweise verhinderte die Sprachbarriere die Feststellung, was für ein netter Mensch der Fußballer ist. Dann wäre die Kritik nicht so vernichtend ausgefallen.

An ihrem Kern aber hätte auch die Anerkennung seiner menschlichen Verdienste wenig geändert. Selbst seine großen Anhänger mussten während der WM einräumen, dass Podolskis Spiel ein wenig aus der Zeit gefallen ist. Der wuchtige Kerl mit dem extrem guten Linksschuss wirkt im kleinteiligen Hochgeschwindigkeits-Fußball zwischen all den jungen Kringeldrehern manchmal wie ein Fremdkörper. Ihm liegt es nicht, das Spiel an sich zu ziehen, er wartet, dass es ihm gebracht wird. Und das veranlasste sogar Löw zu zarter Kritik. Nach dem Gruppenspiel gegen die USA (1:0) stellte der Bundestrainer fest: "Lukas Podolski hat keine Bindung gefunden, ich musste ihn zur Pause auswechseln." Viel härtere Töne hat der Coach bislang nicht angeschlagen.

Fotos: Kölsche Jung, Stimmungskanone, Weltmeister FOTO: Screenshot Twitter

Stattdessen hebt er bereitwillig die Verdienste des Spielers hervor. "Er ist jetzt seit über zehn Jahren bei der Nationalelf dabei. Er hat immer volles Engagement gezeigt, nie Länderspiele abgesagt, hat im Training und bei den Spielen immer alles gegeben. Das hat auch einen Wert für mich", erklärte Löw.

Deshalb gönnt er Podolski die Wohlfühlzone DFB-Auswahl von Herzen. "Die Nationalelf", beteuerte der Trainer, "war immer ein Halt für Lukas. Ich denke, dass er jetzt auch mal unsere Unterstützung benötigt, die hat er sich verdient." Löws Treuebekenntnis gründet in einer gemeinsamen Geschichte. Als er 2004 Co-Trainer von Jürgen Klinsmann wurde, begann Podolskis Karriere im Nationaltrikot. Man muss sich die beiden als gute Bekannte vorstellen. Vielleicht hat Löw festgestellt, dass seiner Mannschaft beim fälligen Umbruch nach der Weltmeisterschaft ein bisschen gute Laune nicht schaden kann. Und so ganz nebenbei baut er natürlich auch auf Podolskis Schusskraft. Noch gibt es ja keine Position des Gute-Laune-Onkels auf dem Platz.

Quelle: RP
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