| 17.49 Uhr

Ein Jahr nach Triumph bei der WM
Bundestrainer Löw macht Podolski klare Ansage

Fotos: Joachim Löw – Freiburger, DFB-Pokalsieger, Weltmeister
Fotos: Joachim Löw – Freiburger, DFB-Pokalsieger, Weltmeister FOTO: dpa, ss
Berlin. Ein Jahr nach dem Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft in Brasilien sieht Joachim Löw in der deutschen Nationalmannschaft großes Verbesserungspotenzial. Zudem setzt der 55-Jährige Lukas Podolski unter Druck.

"Wir müssen viel besser von hinten heraus spielen. Wenn es mal nicht gut gelaufen ist und uns der Gegner tief in unserer Hälfte attackiert hat, haben wir die Bälle oft planlos nach vorn geschlagen", sagte der Bundestrainer im Interview mit der "Welt am Sonntag".

Zudem forderte er größere Zielstrebigkeit in der Offensive. "Wir müssen den Ball auch mal wieder in die Tiefe spielen und nicht nur auf den Fuß des anderen", sagte Löw: "Der letzte Pass ist oftmals nicht gut. Da müssen wir noch mehr Qualität erreichen."

Nach den Rücktritten von Kapitän Philipp Lahm, Per Mertesacker und Miroslav Klose bittet Löw um Geduld mit seinem Team. "Es gibt zwar keine Hierarchiekämpfe, dennoch muss sich ein Team erst wieder finden", sagte er.

Bis zur EM-Endrunde in einem Jahr in Frankreich müssten folgende Fragen beantwortet werden: "Wer übernimmt in schwierigen Phasen Verantwortung? Auf wen hört die Mannschaft? An wem können sich junge Spieler orientieren? Wer sind die, die vorne weg marschieren?"

Löw hat seine Leader schon im Auge. Man sehe inzwischen "immer mehr, wie Bastian Schweinsteiger, Jerome Boateng, Manuel Neuer, Sami Khedira, Mats Hummels, Toni Kroos und Thomas Müller diese Rolle annehmen. Und das machen sie gut", sagte Löw.

Löw sorgt sich um Podolski

Mit Sorge betrachtet er die Entwicklung auf den Flügelpositionen. Es gebe in den Juniorenteams schon einige Spieler, "die ihren Weg gehen werden", sagte der Bundestrainer: "Aber wir haben Positionen, auf denen ich, wenn ich mal auf die U-Teams schaue, noch nicht den Weltklasse-Spieler heranwachsen sehe. Wir müssen ja keinen Hehl daraus machen, dass wir auf den Außenverteidigerpositionen noch Nachholbedarf haben. Ich sehe derzeit keinen Spieler, der so gut ist, dass ich ihn sofort zu uns holen müsste."

Mit Blick auf die Offensive frage er sich schon manchmal, "wo denn der nächste Miro Klose ist? Wo ist ein Stürmer, der im Zentrum spielt, der schnell ist, kopfballstark und dazu noch torgefährlich? Wir haben in einzelnen Bereichen also durchaus noch Potenzial nach oben."

Von Lukas Podolski verlangt Löw eine bessere Saison als die letzte beim FC Arsenal und bei Inter Mailand. "Ich will, dass er spielt, mindestens 30 bis 40 Spiele. Da können auch mal welche als Joker dabei sein. Er muss spielen. Denn zwei Jahre ohne richtige Spielpraxis wären keine gute Grundlage, um bei der EM 2016 dabei sein zu können", sagte Löw.

Podolski reagiert verständnisvoll

"Ich sehe das nicht als Kritik an meiner Person. Der Bundestrainer hat genau das Richtige gesagt", sagte Podolski dem Express: "Man will als Fußballer regelmäßig spielen. Das ist auch mein Ziel. Ich denke, dass das nicht nur eine Ansage für mich ist, sondern alle Spieler gemeint sind."

(sid)
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