| 17.07 Uhr

Benefizspiel in Stuttgart
Für einen Tag muss Löw nach Khediras Pfeife tanzen

Porträt: Sami Khedira: Weltmeister und Weltenbummler
Porträt: Sami Khedira: Weltmeister und Weltenbummler FOTO: dpa, gh
Faro. Hinter Sami Khedira liegt ein hartes Jahr. Doch nun ist sein Wechsel zu Juventus Turin perfekt. Am Sonntag wird er für einen guten Zweck erst einmal seinen Chef trainieren.

Am Ende der "vielleicht schwersten Zeit meiner Karriere" wird Sami Khedira noch eine besondere Ehre zuteil. Beim von ihm organisierten Benefizspiel am Sonntag (16.45 Uhr/Sport1) wird Bundestrainer Joachim Löw als Spieler auflaufen. "Er kann dann mal für einen Tag mein Trainer sein", sagte der 55-Jährige schmunzelnd.

Und dann bat er einen seiner Führungsspieler gleich um eine Sonderbehandlung: "Ich weiß nicht, wie lange ich auf dem Großfeld durchhalte. Ich spiele sonst fast nur noch in der Halle. Aber vielleicht erlöst mich Sami ja nach 45 Minuten." Khedira entgegnete schmunzelnd: "Die Frage ist ja, ob er überhaupt von Anfang an aufgestellt wird. Der Bundestrainer fordert sehr viel von uns. Also werden wir Spieler auch schauen, wie er sich bewegt."

Doch Löw sei "immer sehr fit. Bei der WM hat man gesehen, wie gut er in Schuss er ist. Er hat am Strand seine Intervallläufe gemacht, er wird also gut mithalten können." Deshalb erhoffe er sich von seinem Chef, der in Stuttgart die Torjäger-Nummer 9 tragen wird, "dass er das ein oder andere Tor schießen wird".

Fotos: Deutsche Champions-League-Sieger mit ausländischen Klubs FOTO: dpa, hak

Dieses Geplänkel zeigt, wie locker und gelöst Khedira in diesen Tagen ist. Doch in der vergangenen Saison war dies nur ganz selten der Fall. Obwohl er bei Real Madrid dreieinhalb starke Jahre hatte und sich dann nach einem Kreuzbandriss in Rekordzeit bis zum Einsatz im Champions-League-Finale zurückgekämpft hatte, ließen ihn die Königlichen zuletzt fallen wie eine heiße Kartoffel.

"Das war die vielleicht schwerste Zeit in meiner Karriere. Gesund und fit zu sein und trotzdem keine Chance zu haben", erklärte der Weltmeister, der auch im WM-Finale Minuten vor dem Anpfiff angeschlagen auf einen Einsatz hatte verzichten müssen. Undankbarkeit will er Real öffentlich aber nicht vorwerfen: "Dankbarkeit darf man in unserem Beruf nicht erwarten", meinte er: "Es ist okay. Ich bin überhaupt nicht böse. Im Gegenteil: Ich bin glücklich über die fünf Jahre, die ich dort erleben durfte."

Nun steht sein Wechsel zu Juventus Turin, Champions-League-Finalist und Real-Bezwinger im Halbfinale, fest. Sogar Löw ist der Meinung, "dass der Wechsel für ihn gut sein wird - auch wenn es der Bundesliga gut getan hätte, wenn solch ein Spieler zurückgekehrt wäre". Mit Schalke 04 hatte der defensive Mittelfeldspieler nach eigener Auskunft auch "sehr, sehr gute Gespräche. Aber im Endeffekt waren die Unruhen leider zu groß". Die Entlassung von Trainer Roberto Di Matteo, der ihn offenbar fast überzeugt hatte, sei "auch ausschlaggebend" gewesen.

Über Juve habe er sich eingehend informiert, "und ich habe nur positives Feedback" bekommen: "Wenn man Real Madrid verlässt, muss es perfekt passen." Die Entscheidung, aus Spanien wegzugehen, habe er aber "schon im Winter getroffen, bevor ich nicht mehr zum Zuge gekommen bin".

Dadurch jedoch hat der frühere Stuttgarter auch laut Löw "Nachholbedarf". Doch der harte Arbeiter Khedira macht wieder Sonderschichten. Am 16. Juli beginnt das Training bei Juve, zwei Wochen vorher wird er mit einem persönlichen Stab ins Training einsteigen.

Der Bundestrainer hofft, "dass Sami schnell integriert wird. Aber da bin ich mir sicher. Er ist ein Spieler, der sich sehr gut anpassen kann." Zuerst wird Löw aber Khediras Fähigkeiten als Trainer testen - und ihn im Gegenzug mit Toren überzeugen.

(sid)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Joachim Löw muss für einen Tag nach Sami Khediras Pfeife tanzen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.