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Julian Brandt überzeugt, Mario Götze nicht
Löw sucht den nächsten Rambazamba-Fußballer

Joachim Löw sucht den nächsten "Rambazamba"-Fußballer
Julian Brandt sorgte für Schwung und Belebung im DFB-Spiel. FOTO: dpa
Oslo. Julian Brandt wurde plötzlich ganz klein, als er in der Kabine vergeblich nach seinem Trikot mit der Rückennummer 24 suchte. Nichts zu finden. Hatte der Bundestrainer ihn etwa kurzfristig aus dem Kader für das WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen gestrichen? Der 20-Jährige fragte also den Zeugwart, wo denn seine Arbeitskleidung sei. "Du hast jetzt die 7", erzählt Brandt, bekam er als Antwort. Von Gianni Costa

"Da dachte ich 'wow', das sind große, große Fußstapfen. Ich hoffe für heute konnte ich den guten alten Schweinsteiger würdig vertreten." Die "7" war bis zu seinem Rücktritt in der vergangenen Woche die angestammte Nummer von Bastian Schweinsteiger im deutschen Nationalteam. Mit der Übergabe an Brandt sind nun natürlich große Hoffnungen verbunden.

Beim völlig ungefährdeten 3:0-Erfolg zum Auftakt der Qualifikation für die Weltmeisterschaft in zwei Jahren in Russland deutete der Leverkusener Brandt jedenfalls an, dass er für die Aufgabe sehr gut in Frage kommt. Gesucht wird der nächste Rambazamba-Fußballer für die DFB-Auswahl. Löw wünscht sich für das deutsche Offensivspiel deutlich mehr Unberechenbarkeit. "Der Julian ist ein Spieler, der diese besonderen Wege geht", sagt der 56-Jährige.

In den 17 Minuten nach seiner Einwechslung machte Brandt jedenfalls mehr Wirbel als Mario Götze in der kompletten ersten Halbzeit – auch wenn er es natürlich gegen dann auch schon frustrierte Norweger deutlich leichter hatte. Brandt hat indes schon beim Gewinn der Silbermedaille mit der U 21 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gezeigt, dass er bereit ist für den nächsten Schritt.

"Die Erfahrung bei den Spielen hat ihn sicher weitergebracht. Er braucht jetzt aber noch ein wenig Zeit, um wieder richtig in seinen Rhythmus zu kommen", befindet Löw. "Das war alles etwas viel." Die großen Top-Klubs haben Brandt alle schon seit längerem im Visier. Leverkusen wähnt sich in einer guten Ausgangsposition, das Talent langfristig an sich zu binden. Die Halbwertszeit dieser Einschätzung dürfte allerdings nur so lange halten, bis zum Beispiel der FC Bayern München bei seinen Bestrebungen richtig ernst macht. Michael Reschke, der einst als Kaderplaner beim Werksklub Brandt aus der Jugend von Wolfsburg nach Leverkusen holte, ist mittlerweile beim deutschen Rekordmeister in der Verantwortung. Erste Gespräche zwischen ihm und dem Vater Jürgen von Julian Brandt, der ihn berät, soll es schon gegeben haben.

Während Brandt für die Leichtigkeit des Spiels steht, durchlebt Mario Götze weiterhin sportlich ernüchternde Zeiten. Löw hält weiter tapfer an dem WM-Siegtorschützen von 2014 fest. Und freut sich pädagogisch wertvoll selbst über die allerkleinsten Entwicklungsschritte. "Ich sehe im Training sehr, sehr gute Phasen, ich sehe auch wieder ein Lächeln in seinem Gesicht und sehr viel Freude am Spiel", erzählt Löw. Noch fehle dem 24-Jährigen die Spielpraxis, doch wenn er diese bekomme, "dann wird er wieder das zeigen, was er kann". Die Frage ist nur, ob er die auch wirklich dauerhaft bei Borussia Dortmund bekommt. Auch dort ist er nicht unumstritten. Auch dort soll es manchen geben, der arge Zweifel hat, ob Götze wieder zu alter Stärke findet – wohlgemerkt: Er ist erst 24 Jahre alt.

Zu den schärfsten Kritikern von Götze zählt Jens Lehmann, dieser Umstand muss Götze nicht über die Maße beunruhigen, da die Fachexpertise von Lehmann durchaus mit Vorsicht zu genießen ist. Lehmann jedenfalls wetterte mächtig gegen die Leistung von Götze. "Ich habe keinen Sprint gesehen, ich habe nichts gesehen", sagte der frühere Nationaltorhüter über Götzes Leistung in Oslo. "Mario Götze gibt einem immer das Gefühl, dass er nichts macht." Dass er nicht genug macht, ist wohl unstrittig. Ob er es in der Nationalmannschaft überhaupt richtig gut machen kann, wird wohl auch daran liegen, wo er künftig eingesetzt wird. Als hängende Spitze wird für ihn in den kommenden zwei Jahren voraussichtlich selten Platz sein, da Löw bevorzugt mit einem bulligeren Mittelstürmer wie Mario Gomez spielen möchte. Götze hat immerhin erkannt, dass er mehr machen muss. "Wenn man als Stürmer eingesetzt wird, wird man an Toren gemessen und das ist mir heute nicht gelungen. So ist auf jeden Fall noch Luft nach oben", ordnete er seinen Arbeitstag gegen Norwegen ein.

Gegen die harsche Kritik von Lehmann verwehrte er sich dagegen. "Hat er irgendwelche Statistiken gesehen? Ich glaube, dass es nicht einfach war für mich, da wir viel über Außen gespielt haben, der Gegner tief stand, die Räume eng waren", sagte Götze. "Wir haben lange darüber gesprochen. Es war klar, dass ich mitfahre und Spielpraxis bekommen soll. Ich habe zweimal gespielt, das tut mir gut. Wir haben viele wichtige Aufgaben vor uns und vielleicht spiele ich ja beim BVB in einer etwas anderen Rolle. Ich freue mich auf alles was kommt." Damit dürfte er nicht alleine sein.

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