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Länderspiel gegen die Niederlande in Hannover
Anti-Terror-Einheit

DFB-Elf trainiert im Regen von Hannover unter Polizeischutz
DFB-Elf trainiert im Regen von Hannover unter Polizeischutz FOTO: dpa, nte lus htf
Hannover. Am Dienstagabend trifft die deutsche Nationalmannschaft in Hannover auf die Auswahl aus den Niederlanden. Vier Tage nach der schrecklichen Nacht in Paris geht es nicht um Sport, es geht um eine Demonstration für die Freiheit. Von Gianni Costa

Joachim Löw wirkt nachdenklich. Es ist Tag drei nach den Anschlägen von Paris und der Bundestrainer fühlt sich nicht wohl in seiner Haut. Er soll darüber erzählen, wie es war in der Nacht nach dem Spiel. Bis in die frühen Morgenstunden hatte die deutsche Fußballnationalmannschaft im Stade de France ausgeharrt, weil nicht klar war, ob und wie eine Rückkehr ins Teamhotel möglich gewesen wäre. 80 Personen auf knapp 70 Quadratmetern. Die Behörden schätzten das Risiko als zu hoch ein, um sieben Uhr morgens schließlich machte sich der Tross auf den Weg direkt zum Flughafen. In dieser Zeit, berichtet Löw, habe er sich nicht vorstellen können, Dienstag (20.45 Uhr/Live-Ticker) mit der Mannschaft zum Spiel gegen die Niederlande anzutreten: "Gibt es nichts Wichtigeres als den Fußball?"

Löw hat lange mit sich gerungen. In der Kabine von Paris habe er "kein Auge zugemacht", verrät er. Er ist aufgewühlt, wütend, unendlich traurig ob der schrecklichen Nachrichten von mehr als hundert Toten bei Anschlägen im Pariser Stadtgebiet und in unmittelbarer Nähe zum Stadion im Vorort St. Denis. Um wenigstens etwas Ruhe zu bekommen, zieht er sich in den Mannschaftsbus zurück. Dort reift in ihm der Entschluss, dass "es sich nicht richtig anfühlen würde", dass dieses Spiel in Niedersachsen nicht "stattfinden kann und soll".

Polizei zeigt vor Länderspiel in Hannover Präsenz FOTO: dpa, pst hpl

Er genehmigte sich indes eine weitere Nacht der Aufarbeitung, bis zu einer endgültigen Entscheidung. Und am Morgen danach steht für den 55-Jährigen fest, wohl auch nach Gesprächen mit der Politik, "dass dieses Spiel natürlich auch stattfinden soll und auch stattfinden muss". Was aber auch klar ist: Es geht am Dienstagabend nicht um Sport, es geht um eine Demonstration gegen Terrorismus. Mit dem Fußballabend in Hannover verbindet er eine klare Botschaft und ein klares Symbol: "für die Freiheit, die Demokratie und aus Verbundenheit, Mitgefühl, Trauer und Solidarität mit unseren Freunden, nicht nur in Frankreich, sondern in Europa und der ganzen Welt." So oder ähnlich haben auch andere Führungsfiguren sich gegen eine Absage ausgesprochen. "Der Fußball muss sich zur Wehr setzen", verkündete zum Beispiel DFB-Interimspräsident Rainer Koch. "Wir lassen uns nicht von Terroristen einschüchtern", bekundete DFL-Chef Reinhard Rauball.

Für Löw bietet der Moment der Trauer sogar eine Chance. "Wir werden in jeder Phase des Spiels mittrauern und an alle Angehörigen und Opfer denken", sagt er. "Wenn dieses Spiel mit ganz anderen Werten und für ganz andere Werte stattfindet, dann haben wir unabhängig vom Ergebnis gewonnen." Zu oft, mahnt Löw, würde der Sport überhöht und in seiner Bedeutung über anderes gestellt. Die Nacht von Paris habe gezeigt, wie Menschen über sich hinauswachsen können und die Menschlichkeit in den Vordergrund rückt. Das wurde zum Beispiel mit einer Geste der französischen Mannschaft deutlich. "Die Franzosen hatten uns signalisiert, so lange im Stadion zu bleiben wie wir. Sie haben uns angeboten, in Clairefontaine bei ihnen übernachten zu können und dass sie für uns ihre Zimmer räumen, das zeigt die Verbundenheit zwischen diesen Nationen."

Vor dem Spiel gegen die Niederlande soll es eine Reihe von Aktionen geben, um der Opfer zu gedenken. Was genau, darüber wollte Teammanager Oliver Bierhoff keine Auskunft geben. Neben einer Schweigeminute gehört zu den Überlegungen, dass alle gemeinsam die Marseillaise, die französische Nationalhymne singen oder die Teams in einem speziellen Trikot auflaufen werden, um so die Verbundenheit auch optisch zu unterstreichen.

Fotos: Löw wirkt auf Pk sehr nachdenklich FOTO: afp, PST/DG

Die Sicherheitsvorkehrungen wurden derweil noch einmal erhöht. Das gilt unter anderem auch für die Abschottung der Nationalspieler. Das Teamquartier vor den Toren der Stadt in Barsinghausen wurde weiträumig abgeschirmt. Bevor es für den DFB freigegeben wurde, suchten Spürhunde das Gelände auf der Sportschule ab. Die Sicherheit habe "die Prio 1", wie es DFB-Interimschef Koch für das Spiel ausgegeben hat.

Im gesamten Stadtgebiet und in der Region Hannover patrouillieren Polizisten mit Maschinenpistolen. Wie viele Beamte in Hannover und Umgebung konkret im Einsatz sein werden, wollte Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe aus einsatztaktischen Gründen nicht verraten. Vor den Anschlägen von Paris sei man davon ausgegangen, dass zwei Hundertschaften zum Einsatz kommen werden. "Das werden nun deutlich mehr sein", sagte Kluwe am Montag.

Quelle: RP
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