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Leverkusener feiert DFB-Debüt
Tah – Boatengs kleiner Bruder

Fußball: DFB-Elf trainiert nach Anschlägen in Brüssel
Fußball: DFB-Elf trainiert nach Anschlägen in Brüssel FOTO: dpa, ahi fdt
Düsseldorf/Berlin. Von weitem kann man ihn für den kleinen Bruder von Jerome Boateng halten. Klein im Sinne von jung, denn trotz seiner erst 20 Jahre ist Jonathan Tah ein ziemliches Gebirge von einem Kerl. Aber wenn er mit Ruhe, Beweglichkeit und technischer Qualität seine Zweikämpfe bestreitet, dann erinnert er schon an Boateng, den nicht wenige für den besten Innenverteidiger der Welt halten. Von Robert Peters und Steffi Sandmeier

Wahrscheinlich war es dieser Eindruck, der Bundestrainer Joachim Löw bewogen hat, den Leverkusener Verteidiger für die Länderspiele gegen England in Berlin (Karsamstag) und gegen Italien in München (Dienstag nach Ostern) zu berufen. Damit hat er viele überrascht, auch den Spieler selbst. "Der Bundestrainer hat mich persönlich angerufen, Freitag nach unserem Spiel gegen Villarreal. Die Nummer kannte ich nicht", sagt Tah, "klar war ich nervös, aber ich habe mich riesig gefreut über den Anruf. Ich war ein bisschen sprachlos und wusste nicht, was ich sagen sollte."

Vielleicht fällt ihm nun in Berlin, wo sich Löws Auserwählte gestern vor den beiden großen Testspielen am Osterwochenende trafen, eine passende Antwort ein. Viel mehr als Freude über die Berufung wird er wohl nicht zum Ausdruck bringen. Und weil er schon in anderen Auswahlmannschaften des DFB tätig war, wird ihm geläufig sein, was der wohl erzogene DFB-Bubi im Falle einer plötzlichen Nominierung zu sagen hat. Artige Sätze wie diesen nämlich: "Das ist eine große Ehre. Es ist noch zu früh, um an die EM zu denken. Ich versuche im Training Gas zu geben, dass ich vielleicht ein paar Minuten spielen darf." Gesagt hat er das vor der Abreise nach Berlin. Vielleicht darf er es in der Woche, die er beim A-Team verbringt, mal bei einem der täglichen Mediengespräche wiederholen. Und er kann durchaus davon ausgehen, auf dem Rasen zeigen zu dürfen, was er in seinem ersten dreiviertel Jahr bei einem großen Bundesligisten so alles gelernt hat.

Es ist beeindruckend genug. Und Tah spielt eine Position, auf der zurzeit nicht gerade Gedränge an erstklassigen deutschen Profis herrscht. Das große Vorbild Boateng von Bayern München hat sich mit einer Muskelverletzung ebenso wie der Schalker Benedikt Höwedes noch bis weit in den April vom Spielbetrieb abmelden müssen. Mats Hummels von Borussia Dortmund ist durch die hohe Pflichtspielbeanspruchung ein wenig aus der Puste. Und Shkodran Mustafi hat weder in der DFB-Auswahl noch beim FC Valencia beständige Klasseleistungen vorzuweisen. Sollte Löw an der klassischen Zweier-Innenverteidigung festhalten, ist es tatsächlich eine Bewährungschance für Tah.

Auf jeden Fall passen große und spielstarke Innenverteidiger in das Konzept des Bundestrainers. Das hat er bei der Weltmeisterschaft unterstrichen, als er sogar mal eine Viererkette aus gelernten Innenverteidigern aufbot - die "Bullenabwehr", wie Kritiker höhnten. Die Aufstellung verdankte sich Löws rechtzeitiger Einsicht, dass es sich gegen die offensiveren und besseren Gegner nicht unbedingt anbietet, neun offensive Feldspieler und den stürmenden Torwart Manuel Neuer auf den Rasen zu schicken.

Tah kennt sich zumindest aus mit Teams, die ziemlich hemmungslos nach vorn spielen. In Leverkusen trainiert er jeden Tag mit so einer Truppe.

Quelle: RP
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