| 17.18 Uhr

Ehemaliger Bundestrainer trifft auf Deutschland
Klinsmann hat den US-Fußball revolutioniert

Fotos: Löw und Klinsmann treffen sich bei PK
Fotos: Löw und Klinsmann treffen sich bei PK FOTO: afp, pst/vel
In den USA hat Jürgen Klinsmann nicht nur fußballerisch eine neue Heimat gefunden. Was der frühere Bundestrainer in den vergangenen Jahren in Übersee aufgebaut hat, ist beachtlich – und widerlegt seine Kritiker.

Das Sommermärchen ist längst Sportgeschichte, Kalifornien seine zweite Heimat, doch in Jürgen Klinsmanns Brust schlagen noch immer zwei Fußball-Herzen. "Ich werde auch die deutsche Hymne mitsingen", sagte der 50-Jährige am Dienstag lachend – und sprach vor dem Auftritt seiner US-Nationalmannschaft bei Weltmeister Deutschland am Mittwoch (20.45 Uhr/Live-Ticker) in Köln über eine ganz besondere emotionale Herausforderung: "Es ist doch klar, dass man auch immer noch Fan ist. Ich muss sicher aufpassen, dass ich nicht für die Falschen jubele."

Klinsmanns Lebensaufgabe

Denn die Richtigen sind für Jürgen Klinsmann schon seit vier Jahren die US-Boys. In den USA fühlt er sich nicht nur heimisch, hier hat er eine Herausforderung gefunden. Das riesige Land mit diesem enormen Potenzial, auch fußballerisch zu einer Weltmacht zu entwickeln, das könnte zur Lebensaufgabe für den früheren Torjäger werden. Am Dienstag leuchteten Klinsmanns Augen, als er auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem einstigen Assistenten Joachim Löw über seine Arbeit sprach.

"Wir sind eine Nation, die fußballerisch wächst, der Sport wird bei uns immer größer", sagte Klinsmann: "Football, Baseball, Basketball, Eishockey, die sind alle noch vor uns. Aber wir sind im Kommen. Man hat gesehen, dass wir uns immer mehr zutrauen."

In der Tat hat Klinsmann die USA längst zu einem ernsthaften WM-Teilnehmer geformt. In Brasilien überstand sein Team überraschend die Todesgruppe mit Deutschland, Portugal und Ghana und scheiterte erst im Achtelfinale nach Verlängerung an den starken Belgiern.

"Der amerikanische Fußball hat sich in den letzten zwei, drei Jahren enorm entwickelt", sagt auch Bundestrainer Löw: "Ich bin beeindruckt von dem Tempo und der Intensität dieser Mannschaft." Diese zeige die gleichen Charaktereigenschaften, die auch Klinsmann auszeichnen: "Er ist geradlinig, offen und klar. Er kennt seinen Weg, und er hat die Kraft und die Dynamik diesen Weg auch durchzusetzen."

Für seine Ideen erntet Klinsmann allerdings seit Jahren auch Kritik, der ewige Erneuerer ist Gegenwind gewohnt. Nach der katastrophalen Europameisterschaft 2004 war Klinsmann angetreten, um den deutschen Fußball fit zu machen für die WM 2006 im eigenen Land. Er begann bei den Grundlagen, importierte neue Trainingsmethoden aus den USA, die längst Maßstäbe setzen – hierzulande anfangs jedoch durchaus belächelt wurden.

Das erfolgreiche Sommermärchen veränderte zunächst alles. Deutschland spielte plötzlich frischen Fußball, und so sollte Klinsmann zwei Jahre später auch den großen FC Bayern modernisieren. Doch die Mission scheiterte spektakulär. Klinsmann wurde entlassen – und die Kritiker sahen sich doch noch bestätigt.

In Übersee widerlegt er diese derzeit allerdings nachhaltig. Klinsmann übertreibt nicht, wenn er vom Wachstum schwärmt. Mehr Fans als jemals zuvor verfolgten in den USA die WM 2014 am Fernseher. Und mittlerweile traut sich der Schwabe sogar, den Amerikanern etwas mehr als nur Demut gegenüber den großen Fußballnationen zu vermitteln.

Es gebe durchaus ein neues Ziel mit Blick auf die WM 2018 in Russland, sagte Klinsmann zuletzt: "Ganz klar zu sagen: Unser Ansporn ist ein WM-Halbfinale. Das wird uns viel Schweiß kosten, es wird jede Menge Arbeit." Aber unrealistisch dürfte es bald nicht mehr sein.

(sid)
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