Hoeneß erneuert Kritik: Klinsmann kontaktiert Bundesliga-Trainer
zuletzt aktualisiert: 17.10.2005 - 14:07München (rpo). Die Nationalmannschaft bleibt ein heißes Thema. Und die Diskussionen zwischen Bundesliga-Vertretern und Jürgen Klinsmann ebben nicht ab. Jetzt will der Bundestrainer mit einer Kommunikations-Offensive das zerrüttete Verhältnis zu den Vereinen verbessern.
Während der Bundestrainer über das Wochenende in Fernseh- und Zeitungsinterviews seinen Kurs mit der Nationalmannschaft in der Öffentlichkeit verteidigte, ließ er zeitgleich die Telefondrähte zwischen Kalifornien und Deutschland glühen, um sich mit den Bundesliga-Trainern auszutauschen. Dessen ungeachtet griff Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß den Chefcoach des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erneut an.
Klinsmann führte am Sonntag längere Gespräche mit den Bundesliga-Trainern Thomas Schaaf (Werder Bremen), Ralf Rangnick (Schalke 04), Falko Götz (Hertha BSC Berlin) und Holger Fach (VfL Wolfsburg), die sich zuletzt kritisch zu seiner Arbeit geäußert hatten. Dabei, so der Bundestrainer, hätten ihm alle ihre volle Unterstützung in Richtung Weltmeisterschaft 2006 zugesagt.
"Das freut mich natürlich", berichtete der Bundestrainer: "Die Gespräche waren sehr positiv und angenehm. Wir haben vereinbart, dass wir uns künftig noch schneller austauschen werden." In den Gesprächen, so Klinsmann weiter, wurden die letzten beiden Test-Länderspiele in der Türkei (1:2) und gegen China (1:0) "in Bezug auf die Nationalspieler der Klubs aufgearbeitet und auch einige Unstimmigkeiten ausgeräumt, die beispielsweise rund um die Fitnesstests und die Belastung der Spieler aufgekommen waren".
So sei auch diskutiert worden, ob die Trainingsinhalte individueller gestaltet werden können, um etwa Rücksicht auf Spieler zu nehmen, die im Europapokal beschäftigt sind.
Manager Uli Hoeneß von Bayern München hält die Kommunikation per Telefon oder E-Mail aber weiter für unzureichend. "Jürgen meint immer, wenn er einen anruft und auf die Mailbox spricht, sei alles erledigt", echauffierte er sich in einem Interview der Abendzeitung und ergänzte schnippisch: "Bei mir hat er da ein Problem: Ich höre meine Mailbox nicht ab".
Hoeneß forderte erneut, Klinsmann müsse in Deutschland zur Verfügung stehen, um die notwenigen Diskussionen zu führen: "Er hat ein permanentes Gesprächsangebot. Aber ich reise ihm nicht nach, er muss schon hierher kommen."
Dem Bundestrainer wirft Hoeneß indirekt Egoismus sowie eine Ausgrenzung der Bundesliga vor. "Ich würde bei diesem WM-Projekt gern mal das Wort 'wir' hören. Wir - dazu gehört die Liga. Jeder einzelne Trainer muss mit infiziert werden von dieser Euphorie und das Gefühl haben, er gehört dazu.
Aber wenn ein Trainer hört, bei jedem seiner Nationalspieler sei eine Leistungssteigerung von 20, 30 Prozent drin, dann muss er sich vor den Kopf gestoßen fühlen, von einem Herrn Löw, der so viel auch noch nicht gewonnen hat in seinem Leben."
Kernproblem ist Fluktuation
Als Kernproblem betrachtet Hoeneß weiter auch die hohe Fluktuation in der DFB-Auswahl. "Jeder einzelne ist ja ein Problem, weil keiner weiß, woran er ist. Abgesehen von Michael Ballack und zwei, drei anderen." In der Mannschaft herrsche derzeit "die totale Verunsicherung", glaubt der Bayern-Manager.
"Ich höre von unseren Spielern, was dort abläuft. Die Spieler sagen mir ja mehr ihre Meinung als dem Jürgen." Er höre auch von seinem Bruder Dieter, Manager bei Hertha BSC, was dessen Profis sagen würden und sei zu der Erkenntnis gekommen: "Da muss man sich richtig Sorgen machen."
Hoeneß sieht die Nationalmannschaft acht Monate vor der Weltmeisterschaft 2006 unter den gegebenen Umständen auf einem schlechten Weg. "Die Ergebnisse seit dem Confed-Cup geben nicht gerade Anlass, in Jubel auszubrechen. Es ist normal, dass man da unruhig wird", sagte der Manager des deutschen Rekordmeisters und stellte fest: Seit dem "Confed Cup" werde "jedes Spiel schlechter, jedes Mal spielt eine andere Mannschaft". Über diese und andere Dinge wolle er gerne mit Klinsmann reden.
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