Deisler und Görlitz dabei, Kahn im Kasten: Klinsmann setzt drei Zeichen
zuletzt aktualisiert: 02.09.2004 - 15:58Berlin (rpo). Sebastian Deisler erstmals seit einem Jahr wieder dabei, Andreas Görlitz als Neuling und eine Einsatz-Garantie für Torwart Oliver Kahn - Bundestrainer Jürgen Klinsmann setzte vor dem Länderspiel am Mittwoch gegen Brasilien (20.45 Uhr/bei uns im LIVE!-Ticker) einige Zeichen.
Am Donnerstag berief der 40-Jährige sein 20-köpfiges Aufgebot für das Länderspiel in Berlin, und dem Kader gehören gegen den Willen von Bayern-Coach Felix Magath auch Deisler und Görlitz an.
Nach seiner gelungenen Premiere vor zwei Wochen in Österreich (3:1) setzt "Reformer" Klinsmann damit auch vor der Revanche für das verlorene WM-Finale am 30. Juni 2002 in Yokohama (0:2) seinen offensiven Kurs fort. "Revanche hin oder her - gegen Brasilien leuchten einem die Augen. Das bedarf keiner zusätzlichen Motivation. Das ist eine besondere Mannschaft, aber die kochen auch nur mit Wasser", sagte der 108-malige Nationalspieler bei der Nominierung in Berlin.
In der Diskussion um die Torhüter legte sich Klinsmann, der sein Team bereits am Freitag zu einem knapp sechstägigen Trainingslager verbunden mit umfangreichen Leistungstests versammelt, bereits auf Oliver Kahn fest. "Oliver Kahn fängt an, und es ist geplant, dass er 90 Minuten spielt. Es ist sein Spiel", verkündete der Bundestrainer seine Entscheidung für den Münchner und gegen dessen Rivalen Jens Lehmann von Arsenal London.
Auch im Fall Deisler hat Klinsmann klar Stellung bezogen. "Sebastian ist jemand, den wir sehr, sehr gerne wiederhaben. Er steckt voller guter Vorsätze. Ich habe mit Felix Magath lange telefoniert. Es ist wichtig, dass dieser Meinungsaustausch kommt. Aber es ist auch wichtig, dass Sebastian sich im Neuaufbau der Mannschaft wiederfindet", sagte "Klinsi".
In Österreich hatte er noch dem Wunsch von Magath und Bayern-Manager Uli Hoeneß entsprochen, auf den Mittelfeldspieler zu verzichten. Vor dem Brasilien-Spiel nahm der Bundestrainer keine Rücksicht mehr auf die Interessen der Münchner, obwohl Magath erneut in Bezug auf Deisler, aber auch auf Görlitz seine Bedenken geäußert hatte. "Sowohl Deisler als auch Görlitz sind meiner Meinung nach noch nicht in der Lage, ihre volle Leistung zu bringen. Aber wenn der Bundestrainer damit leben kann, ist es seine Sache", sagte Magath der "Bild"-Zeitung. In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass Görlitz' Ex-Arbeitgeber 1860 München vom FC Bayern einen "Nachschlag" auf die Ablösesumme erhält, sollte Görlitz Nationalspieler werden. Die Rede war von 500.000 Euro, diese Summe wurde von 1860 aber nicht bestätigt. Görlitz war vor dieser Saison von den "60ern" zu den Bayern gewechselt.
Deisler ist "heiß"
Deisler selbst ist jedenfalls heiß auf sein Comeback. "Brasilien - das ist doch für jeden Profi ein Highlight", kommentierte der 20-malige Nationalspieler, der letztmals am 7. September 2003 beim EM-Qualifikationsspiel in Island (0:0) das DFB-Trikot getragen hatte, seine Einladung. Auch Görlitz war sehr erfreut über die Nachricht aus Berlin: "Das ist schon eine ziemliche Überraschung und natürlich eine tolle Sache."
Neben Deisler und Görlitz vertraut Klinsmann den Spielern, die bereits beim Sieg in Österreich dabei waren. Neben 14 EM-Teilnehmern stehen erneut auch der Bremer Frank Fahrenhorst und Robert Huth vom FC Chelsea, die in Wien ihr Debüt gefeiert hatten, sowie Tim Borowski (Bremen) und Gerald Asamoah (Schalke 04) im DFB-Kader.
Verletzungsbedingt mussten erneut der Berliner Arne Friedrich (Patellasehne) und Jens Nowotny von Bayer Leverkusen (Knie) absagen. Die geplante Rückkehr des Dortmunder Routiniers Christian Wörns nach rund zweimonatiger Verletzungspause (Achillessehnenentzündung) wurde "nach intensiven Gesprächen" (Klinsmann) ebenfalls verschoben. Wörns wird am Samstag und Sonntag jedoch bei der Mannschaft sein. Zudem verzichtete Klinsmann auch auf den Stuttgarter Timo Hildebrand als dritten Torhüter.
Erstmals Fitnesstrainer
Dafür sind erstmals Fitness-Spezialisten aus den USA im Kreis der Nationalmannschaft dabei. Das Team um Mark Verstegen wird am Samstag einen Sprungkraft- und Schnelligkeitstest durchführen. Eine Maßnahme, die Klinsmann verteidigte: "Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen. Wir wollen neue Reize setzen. Der Leitsungstest ist nötig als Ergänzung zur Vereinsarbeit. Wir stellen damit nicht die Arbeit der Bundesligatrainer in Frage." Geplant ist der Aufbau einer Datenbank, in der die Werte aller Spieler festgehalten werden, die zum erweiterten DFB-Kader gehören.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



