Kommentar: Lehmann verhält sich unklug
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 28.07.2008 - 14:39Düsseldorf (RPO). Der Abschied von Jens Lehmann (38) aus der Nationalmannschaft ist so gut wie beschlossene Sache. Jeder weiß das. Nur der Torwart verbaut sich selbst die Chance auf einen Abschied in Würde.
Der Neu-Stuttgarter pokert sein Monaten um seine vermeintliche Zukunft im Dress des Nationalteams. Er spielt auf Zeit. Er müsse nachdenken, habe sich noch nicht entschieden. Die WM 2010 in Südafrika wolle er noch nicht abschreiben, sagt er. Lehmann wäre dann 40 Jahre alt.
Nationaltrainer Jogi Löw und Teammanager Oliver Bierhoff planen indes einen Generationswechsel. Löw will sich in Kürze mit Lehmann treffen und eine Entscheidung fällen. Es wird spekuliert, dass Lehmann bei diesem Treffen noch einmal in die Offensive geht. Und sich bereit erklärt, beim Turnier in Südafrika zur Not auch auf der Bank Platz zu nehmen.
Lehmann sollte dies nicht tun. Er sollte den Weg frei machen für neue Kräfte. Adler, Neuer, Rensing und der erfahrene Enke: Deutschland ist mit guten Torleuten gesegnet, die eine Chance verdient haben. Deutschland braucht keinen 40-jährigen Tormann.
Lehmann sollte dankbar sein. Dankbar, weil er als spätberufene Nummer eins eine beachtliche Karriere in der Nationalmannschaft hingelegt hat. Mit zwei großen Turnieren, darunter die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land. Und einer EM, vor der Trainer Löw trotz aller Kritik (mangelnde Spielpraxis, Fehler in Testspielen) an seinem Torwart festhielt. 61 Länderspiele hat der gebürtige Essener bestritten. Die meisten darf er in guter, viele in sehr guter Erinnerung behalten. Das ist viel wert.
Lehmann sollte zufrieden sein und aufhören. Wenn er klug ist, bietet er dies Jogi Löw schnell an. Denn im Moment verhält sich Lehmann unklug.
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