Schalkes Keeper im Blickpunkt: "Löw, es ist ein Neuer da"
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 12.02.2007 - 11:37Gelsenkirchen (RP). Manuel Neuer, 20 Jahre junger Torhüter von Schalke04, zeigte beim 2:0-Erfolg gegen Hertha BSC Berlin großartige Paraden. Und die Fans in der Arena bejubelten gleich neun Tore - auch die Treffer gegen Bremen und Dortmund.
Ein Fan wandte sich mit einer Empfehlung gleich an den Bundestrainer, der zur selben Zeit das Schlagerspiel in Stuttgart erlebte. „Löw: Es ist ein Neuer da“, war in großen Lettern auf dem Transparent zu lesen, mit dem sich der Schalke-Anhänger auf den Weg in die Arena gemacht hatte. Die Anspielung galt Torhüter Manuel Neuer, mit dem die „Knappen“ noch kein Spiel verloren haben.
Dass sie ihr Polster an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga mit dem 2:0-Sieg gegen Hertha BSC auf sechs Punkte vergrößern konnten, hatten sie zunächst einmal dem 20-Jährigen zu verdanken. Denn der bewahrte die Gastgeber mit blitzschnellen Paraden gegen Christian Gimenez und Marko Pantelic vor einem Berliner Führungstreffer.
„Wenn Manuel Neuer nach dem Kopfball von Gimenez nicht so eine Weltklasseleistung gezeigt hätte, wären wir sicherlich in Rückstand geraten“, kommentierte Trainer Mirko Slomka den Auftritt des Blondschopfs, der nicht nur großartige Reflexe zeigt, sondern auch eine für sein Alter unglaublich anmutende Abgeklärtheit an den Tag legt. Slomkas Mut, dem erfahrenen Frank Rost ein 13 Jahre jüngeres und in der Liga bis dahin nahezu unbekanntes Talent vor die Nase zu setzen, hat sich als Griff in die Zauberkiste entpuppt.
Dass er in der ersten Halbzeit den Ball nach einem Freistoß von Ashkan Dejagah unterlaufen hatte, gestand Neuer selbstkritisch ein. Es war der einzige Fehler des jungen Mannes.
Auch Kevin Kuranyi schreibt unermüdlich weiter an seinem neuen, atemberaubenden Erfolgsstück, knüpfte er doch als Torschütze zum 1:0 nahtlos an sein Comeback in der Nationalelf an - mit einem ähnlich robusten und couragierten Kopfballeinsatz wie beim 3:1 gegen die Schweiz. „Die Wunde hat mitgemacht“, flachste der Angreifer in Anspielung auf seinen „Cut“, den er als zackige Zierde an der Stirn vom Länderspiel in Düsseldorf mitgebracht hatte. „Sie hat gar nicht mehr gespannt und ist gut verheilt.“
Eine „sehr schöne Woche“ habe er erlebt, meinte der 24-Jährige, schwärmte von der Euphoriewelle rund um Schalke und von den Worten eines Berliner Gegenspielers („War es van Burik oder Dardai?“), der auf dem Feld zu ihm gekommen sei und sich gewundert habe: „Es ist ja unheimlich, was hier für eine Stimmung ist.“
Kevin Kuranyi schickte ebenfalls eine Empfehlung Richtung Bundestrainer. „Fabian Ernst hat es auch verdient, in die Nationalmannschaft zurückzukommen“, sagte er. „Und Neuer“, fügte er rasch hinzu. Überhaupt sollte Schalke wie andere Klubs mit noch mehr Spielern im Nationalteam vertreten sein. „Wenn Christian Pander nicht verletzt wäre, hätte auch er bestimmt seine Chance bekommen.“
Ernst, mit seinem kraftvollen, dynamischen Spiel überragender Akteur auf dem Feld, mag sich zum Thema Nationalelf allerdings keinen Illusionen mehr hingeben, denn er hat das Kapitel praktisch abgeschlossen: „Ich freue mich, wenn wir Spiele gewinnen. Alles andere ist nicht mein Thema.“
In Schalke herrschte freudiger Ausnahmezustand, denn gleich neunmal brach auf den Arena-Rängen Jubel fast in „Orkanstärke“ aus: bei den Toren von Kevin Kuranyi und Peter Lövenkrands, den vier Stuttgarter Treffern gegen Werder Bremen, die auf dem Videowürfel angezeigt wurden, und natürlich bei den drei Toren, die Erzrivale Borussia Dortmund in Hamburg kassierte.
Der Schalker Zlatan Bajramovic ließ sich ebenfalls von der Begeisterung mitreißen. „Ich hoffe“, sagte er aber auch, „dass die Fans ein Gespür dafür haben, dass wir keine Maschinen sind. Denn zwölf Spiele hintereinander ohne Niederlage sind keine Normalität.“
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