Länderspiel in Dänemark: Löw gibt Nachwuchs eine Chance
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 07.08.2010 - 12:15Düsseldorf (RP). Im Aufgebot des Bundestrainers für das Länderspiel gegen Dänemark stehen nur sieben WM-Fahrer. Dafür beruft er in Marco Reus und Sascha Riether zwei Debütanten in den Kader.
Vielleicht geht diese Partie als bedeutendste unter den unbedeutendsten in die Länderspielgeschichte ein. Rund einen Monat nach der Weltmeisterschaft in Südafrika gastiert die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Mittwoch (20.45 Uhr/Live-Ticker) zum Test in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen.
Es wurde vor dieser Begegnung leidenschaftlich über den Zeitpunkt des Termins gestritten und die Nominierung zu einem Politikum der besonderen Klasse erhoben. Bundestrainer Joachim Löw, so forderte es die gesamte Prominenz aus den Vorstandsetagen der Bundesligisten, sollte auf verdiente Kräfte in dieser frühen Saisonphase bitteschön verzichten.
Er hat sich ganz gut daran gehalten. Nur sieben WM-Teilnehmer sind in seinem 17-köpfigen Aufgebot. Die fehlenden arrivierten Kräfte werden durch acht Rückkehrer und zwei Debütanten im Trikot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vertreten.
Bei der Verkündung seines Aufgebots ließ es sich Löw nicht nehmen, beruhigende Worte in Richtung der Klubs zu senden. "Es war für uns nach der WM und der Vertragsverlängerung der sportlichen Leitung von Anfang an eine Selbstverständlichkeit, dass wir gegen Dänemark auf etablierte Kräfte verzichten. Denn wir sind uns unserer Gesamtverantwortung für die Form und Gesundheit der Nationalspieler bewusst", sagte Löw. "Gerade nach der hohen Belastung bei der WM ist es daher für sie jetzt wichtig, sich gut und konzentriert in ihren Klubs auf die neue Saison vorzubereiten."
Dementsprechend bunt ist die Truppe zusammengestellt. Der Mönchengladbacher Marco Reus (21) hat zum Beispiel als Neuling eine Einladung in den erlesenen Kreis bekommen. Gleiches gilt für den Wolfsburger Sascha Riether (27), der sich ebenso berechtigte Hoffnungen auf sein erstes Länderspiel machen kann. Thomas Hitzlsperger darf auch mal wieder dabei sein, erstmals seit November 2009 wurde er berücksichtigt.
Als einzige Stammspieler der WM sind Manuel Neuer und Jerome Boateng eingeladen worden. Piotr Trochowski hat von sich aus abgesagt – er leidet an Achillessehnenproblemen. "Entscheidend ist für uns", verkündete Löw, "dass wir ausnahmslos Spieler nominiert haben, die wir vor der WM immer beobachtet haben und die sich mit guten Leistungen für weitere Einladungen empfehlen können."
Rekordmeister München, der am lautesten gegen den Termin gewettert hatte, muss in Angreifer Mario Gomez und Mittelfeldspieler Toni Kroos nur zwei Akteure für den Kick in Skandinavien abstellen. "Löw hat das nicht nur für den FC Bayern gemacht", sagte Münchens Trainer Louis van Gaal. "Wir haben im gemeinsamen Gespräch auch nicht miteinander verhandelt, sondern der Bundestrainer hat seine Entscheidung getroffen. Er weiß auch, dass eine Teilnahme für die Spieler nicht gut gewesen wäre." Sein Bremer Kollege Thomas Schaaf befand: "Beide Seiten sind nicht glücklich mit dem Termin. Aber so, wie die Nominierung jetzt gelaufen ist, ist das in Ordnung."
Löw hat die Liga besänftigt – und ein anderes Thema mit weiterem Potenzial für großes Theater auf später vertagt. Philipp Lahm wollte ganz gerne im Spiel gegen die Dänen die Kapitänsbinde tragen, ihm wurde aber ebenfalls eine Auszeit verordnet.
Damit muss auch nicht allzu intensiv über die Frage diskutiert werden, ob Lahm sein in Südafrika lieb gewonnenes Amt behalten darf oder Michael Ballack nach seiner Rückkehr wieder "Capitano" wird. Ballack sieht auch da naturgemäß keinen Gesprächsbedarf mehr. "Ich gehe davon aus, dass ich Kapitän bleibe", sagt der 33-Jährige. "Lahm hat seine Wünsche geäußert. Viele Dinge werden sich wieder beruhigen."
Zum Glück wird am Mittwoch wieder Fußball gespielt.
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