Erstes Spiel nach Enkes Tod: Löw: Wir hatten keine Chance
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 17.11.2009 - 07:36Düsseldorf (RP). Bundestrainer Joachim Löw äußert sich in Düsseldorf zur Tragödie von Robert Enke: "Wir dürfen uns da keine Vorwürfe machen." Das Team bereitet sich auf das Spiel gegen die Elfenbeinküste am Mittwoch in Gelsenkirchen vor.
Es war nach dem Tod von Robert Enke der erste Arbeitstag für die Fußball-Nationalmannschaft, gestern in Düsseldorf. Ein normaler Alltag konnte es für Bundestrainer Joachim Löw und seine Auswahl noch nicht wieder sein. "Die nächsten ein, zwei Tage werden für mich wichtig sein, die Spieler zu beobachten und Gespräche zu führen", sagte Löw in der Landeshauptstadt, wo sich das Team auf das Länderspiel gegen die Elfenbeinküste morgen in Gelsenkirchen (20.45 Uhr/Live-Ticker) vorbereitet. Der 49-Jährige will sich davon überzeugen, "wer die Kraft hat, am Mittwoch eine gute Leistung zu bringen".
"Ich denke, wir müssen es schaffen, durch Trainingseinheiten wieder den normalen Rhythmus aufzunehmen, nach vorn zu schauen und uns auf das Spiel zu konzentrieren", betonte Löw, der sich erstmals nach der Selbsttötung des Nationaltorhüters, der seit Jahren an Depressionen gelitten hatte, in der Öffentlichkeit äußerte.
"Heute morgen, beim Training, habe ich gespürt, dass alle Spieler in der Lage sein werden, am Mittwoch aufzulaufen und eine möglichst gute Leistung abzurufen", sagte Löw. "Die Frage, ob wir dann auch als Mannschaft eine gute Partie spielen, kann ich noch nicht beantworten." Wohl könne er versprechen, "dass wir alles tun werden". Der Ablauf der Vorbereitung wird so sein wie immer vor Länderspielen.
"Selbstverständlich fragt man sich immer, ein Trainer oder Leute, die ihm nahestanden: Wie hätte man das verhindern, wie hätte man einen Ansatz erkennen können", sagte Löw. "Wir hatten keine Chance, Robert Enke von diesem Vorhaben abzuhalten. Wir dürfen uns da keine Vorwürfe machen."
Enkes Vater Dirk hatte Löw von der Frage entlastet, was geschehen wäre, hätte der Bundestrainer seinen Sohn für die Spiele gegen Chile (abgesagt) und die Elfenbeinküste nominiert. Er betonte, Robert Enke habe die Entscheidung, dass er nicht berufen wurde, als "in Ordnung" empfunden. Löw und Dirk Enke, der promovierter Psychotherapeut ist, führten am Samstag ein längeres Telefongespräch.
Joachim Löw stellte heraus, dass "wir uns alle in einem Leistungsbereich bewegen, wo wir absolute Leistung bringen müssen, wo Spitzenleistungen verlangt werden. Selbstverständlich stehen wir in einer Leistungsgesellschaft". Der Konkurrenzkampf um die Plätze in der Auswahl des DFB sei wichtig und müsse dies auch künftig sein. "Aber es ist auch wichtig", fügte der Chefcoach hinzu, "dass man in dem Kreis Dinge bespricht, wenn einer ein Problem hat, dass er die Möglichkeit hat, sich zu öffnen."
Ein Trikot mit dem Namen von Robert Enke werde auf der Bank sein, "zwischen den Spielern", erklärte Löw zu den Überlegungen, beim Treffen mit der Elfenbeinküste des achtmaligen Nationaltorwarts zu gedenken. Dies geschieht auch in einer Schweigeminute, zudem spielt die Mannschaft mit Trauerflor, und auf der Videowand werden Bilder von Enke zu sehen sein.
"Robert Enke war nicht nur ein außergewöhnlich guter Torhüter", unterstrich Löw, "sondern auch ein außergewöhnlich guter Mensch mit Eigenschaften, die gerade im Fußball, für eine Mannschaft von großer Wichtigkeit sind."
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