| 16.02 Uhr

Nationalmannschaft
Götze hat die Lockerheit wiedergefunden

Götze glänzt mit Doppelpack gegen Polen
Götze glänzt mit Doppelpack gegen Polen FOTO: afp, agz
Dublin. "Wunderkind" Mario Götze ist zurück: Der 23-Jährige hat sich beim FC Bayern durchgesetzt. Er spielt auch im Nationalteam eine wichtige Rolle.

Am Anfang steht ein Satz. Mario Götze hat ihn im Sommer gesagt. Er lautet: "Ich will hierbleiben, ich setze mich hier durch." Damit begegnete der Nationalspieler allen Bemühungen von Juventus Turin, ihn zum Wechsel nach Italien zu bewegen. Und damit erstaunte er viele, die Juventus für den besten Weg aus Götzes bayerischem Dilemma hielten. Bei seinem Trainer Pep Guardiola war der vermeintliche Lieblingsschüler in einem schlechten Münchner Frühjahr zum Aushilfskellner geworden. Wenn er mal spielte, stimmten die Leistungen nicht. Seine Körpersprache sendete Signale eines seltsamen, verwöhnten Jungen. Und der Satz, den er da sagte, klang wie billiger Trotz.

Dann kamen die Länderspiele gegen Polen und in Schottland. Schon im Training gab es einen anderen Götze. Der seltsame Junge hatte einen Zeitsprung zurückgemacht in die Jahre vor seinem Wechsel zu Bayern München. Er wirkte locker, er lachte laut und offen, er erinnerte auch äußerlich an das Dortmunder Wunderkind, das mit nicht mal 20 Jahren den Weltfußball erstaunt hatte. Und es blieb nicht bei Äußerlichkeiten. Götze machte ein brillantes Spiel mit zwei Toren gegen die Polen, und er machte ein gutes Spiel beim 3:2 in Schottland. "Das", so jubelte Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer, "hatte sich schon bei uns im Training angedeutet."

Götze ist wieder da. Bei der Nationalelf, in der ihm Bundestrainer Joachim Löw mit der Stammplatzgarantie in der Rolle des spielenden Mittelstürmers die Lockerheit gab, die er für sein Spiel offenbar braucht. Und bei den Bayern, wo er nach Ansicht von Sammer für sechs Positionen in Frage kommt: "Auf beiden Flügeln, als echte und als falsche Neun, als Zehn und in ein paar Jahren ein bisschen weiter hinten."

Löw setzt auch heute Abend beim EM-Qualifikationsspiel in Dublin gegen Irland (20.45 Uhr/Live-Ticker) auf diesen offensichtlich wiedererweckten Knaben. "Der Mario", sagt Löw, "bewegt sich wahnsinnig viel. Er gibt unserem Spiel die Tiefe." Das wird notwendig sein gegen die Iren, die ihrem prominenten Gegner sicher nicht den Gefallen einer furchtbar offenen Spielweise tun werden. Wie beim Hinspiel in Gelsenkirchen, wo sie in letzter Minute zum 1:1 ausglichen, werden sie versuchen, das Mittelfeld und ihren Strafraum zu verriegeln und zu verrammeln. Götze muss mit den Kollegen den Schlüssel finden.

Er hat bewiesen, dass er das kann. Im Herbst 2015 scheint er auf dem Weg zu sein, das Versprechen einzulösen, das er bis 2013 in Dortmund auf dem Platz gegeben hatte. Das Versprechen, eines der größten deutschen Talente aller Zeiten zu sein.

Erklärte Fürsprecher wie Löw und Sammer haben das gehofft, manchmal geradezu verzweifelt. Zum Beispiel während der WM. Als Löw den späteren Siegtorschützen im Finale einwechselte, sagte er zwar das inzwischen legendäre Wort: "Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi." Geglaubt hat er es aber nicht.

Denn trotz des Tores gegen Argentinien, das seine Leistung in Brasilien verklärt, spielte Götze kein überragendes Turnier. Und so richtig viel gelacht hat er auch nicht. Er wirkte eher blasiert und bei seinen öffentlichen Auftritten fremdgesteuert. Das alles hat sich geändert. Nach diesem einen Satz.

(pet)
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