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Länderspiel-Klassiker gegen England
Gomez spielt von Beginn an – Löw ignoriert Huth

Mario Gomez spielt gegen England, Robert Huth wird ignoriert
Mario Gomez steht gegen England in der Startelf. FOTO: ap
Berlin. Das mulmige Gefühl in Sachen Sicherheit bleibt. Doch mit großer Entschlossenheit hat Joachim Löw das EM-Casting bei Weltmeister Deutschland endgültig eröffnet.

Die Länderspiel-Klassiker gegen das Fußball-Mutterland England am Samstag (20.45/Live-Ticker) in Berlin und Italien am Dienstag (20.45/Live-Ticker) in München rief der Bundestrainer zum großen Oster-Schaulaufen aus. Gleichzeitig stellte er gleich mehreren noch nicht nominierten Talenten ein EM-Ticket in Aussicht.

"Klar, wollen wir gewinnen. Aber das Ergebnis stelle ich nicht über alles", erklärte der Bundestrainer am Vortag des ersten Länderspiels 2016: "Ich will diese beiden Spiele nutzen, um mir ein bisschen mehr Klarheit zu schaffen. Uns geht es um wichtige Erkenntnisse für die Feinjustierung Richtung EM. Wenn ich die mitnehme, bin ich zufrieden.

Die durch den Terror-Anschläge von Brüssel zurückgekehrten Bilder der schlimmen November-Abende in Paris und Hannover sitzen Löw aber schon noch merklich in den Knochen. "Wir leben in der heutigen Zeit in einer potenziellen Gefahrenlage", sagte er nachdenklich: "Ich hoffe, dass das Spiel so abläuft, wie wir alle uns das wünschen."

Rein sportlich gesehen sind Löw durch die besonderen Umstände des Spiels in Frankreich und die Absage des Tests gegen die Niederlande aber wichtige Erkenntnisse entgangen. Seit fast einem halben Jahr konnte er seine Spieler nicht ernsthaft im Kreise des DFB begutachten. Umso wichtiger sind für den 56-Jährigen die 180 Spielminuten über Ostern.

"Es ist eine tolle Bühne für die Spieler, sich bei uns nachhaltig zu empfehlen", kündigte er an und "drohte" den etablierten Spielern, sich angesichts der aufstrebenden Konkurrenz nicht zu sicher zu fühlen. "Einige junge Spieler können sich berechtigte Hoffnungen machen, dass sie bei der EM dabei sind", berichtete Löw: "Mit fünf oder sechs von ihnen haben wir ein persönliches Gespräch geführt und ihnen gesagt: Ihr seid im Blickfeld. Das sollte eine zusätzliche Motivation sein."

Bei den betroffenen Spielern dürfte es sich auf jeden Fall um den Schalker Leroy Sané handeln, der im November bereits sein Debüt im A-Team gab. Dazu wohl Joshua Kimmich (Bayern München), Mitchell Weiser (Hertha BSC) oder auch Julian Weigl (Borussia Dortmund) und Mahmoud Dahoud (Borussia Mönchengladbach).

Löw ignoriert und lobt Huth

Kein Thema ist dagegen eine Rückkehr, des zuletzt 2009 berufenen Robert Huth (31). Löw glaubt zwar, dass dieser mit Leicester City Sensations-Meister in England wird, "und das freut mich sehr für ihn. Wenn man defensiv spielt, ist er der Turm in der Schlacht. Aber wir spielen etwas anders, von daher baue ich vorrangig auf andere, junge Spieler."

Zu seinem Debüt könnte schon am Samstag – auf Huths Position in der Innenverteidigung – der Leverkusener Jonathan Tah kommen. Eine Baustelle ist weiterhin die Rechtsverteidiger-Position, wo Löw unterschiedliche Spieler testen will. Auf Bewährung dürften in diesen Tagen auch André Schürrle, Julian Draxler, Lukas Podolski, Karim Bellarabi, Christoph Kramer oder Kevin Volland spielen. Auch Nominierte wie Matthias Ginter, Shkodran Mustafi, Sebastian Rudy, Emre Can, Antonio Rüdiger haben das EM-Ticket längst nicht sicher.

Anderen gab Löw ein wenig Sicherheit. Jonas Hector sei als Linksverteidiger "momentan gesetzt". Mario Götze sei noch nicht fit, werde aber gegen Italien 90 Minuten spielen und sei für die EM fest eingeplant. Und auch Rückkehrer Mario Gomez scheint gesetzt. Der Stürmer von Besiktas Istanbul werde gegen England von Beginn an spielen, "das hat er sich nach den Trainingseindrücken verdient", verriet der Bundestrainer und schwärmte regelrecht von dem 30-Jährigen, den er bei der WM 2014 noch zu Hause gelassen hatte.

"Mario hat spürbar mehr Selbstbewusstsein. Das merkt man in jeder Trainingseinheit", erklärte Löw: "Er hat mehr Sicherheit. Das merkt man an all seinen Bewegungen, seiner Ausstrahlung, seiner Körpersprache. Er ist sehr torgefährlich und spielt mit Besiktas um die Meisterschaft."

Gomez hat in alle Richtungen erlebt, wie schnell es gehen kann. So manch einer muss bis Dienstag auch liefern, will er im Sommer kein böses Erwachen erleben.

(seeg/sid)
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