Nationaltorhüter nimmt sich das Leben: Merkel kondoliert Enkes Witwe
zuletzt aktualisiert: 11.11.2009 - 12:43Neustadt am Rübenberge (RPO). Der Tod von Nationaltorwart Robert Enke löst Entsetzen und Trauer aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel kondolierte der Witwe in einem persönlichen Schreiben. Die Bundesliga trägt am nächsten Spieltag Trauerflor. Am Stadion von Hannover 96 stellten Fans Kerzen auf und legten Schals nieder. Am Morgen wurde bekannt, dass Enke einen Abschiedsbrief verfasst hat. Für den frühen Nachmittag ist in Hannover eine Pressekonferenz angesetzt.
Fans, Kollegen und Freunde reagieren fassungslos auf den Tod des Nationaltorhüters. Auch die Bundeskanzlerin zeigt sich betroffen. Angela Merkel habe ihrer Bestürzung und ihrem Mitgefühl in einem Brief an die Witwe des Verstorbenen Ausdruck verliehen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans am Mittwoch. Es handle sich um einen "sehr persönlich gehaltenen Brief". Deshalb werde er nicht aus dem Schreiben zitieren.
Am Vormittag waren die letzten Zweifel an einem Selbstmord ausgeräumt. Die Polizei Hannover gab bekannt, dass Enke einen Abschiedsbrief hinterlassen hat. Der Sprecher der Hannoveraner Polizei Stefan Wittke wollte keine näheren Angaben zum Inhalt des Abschiedsbriefs machen. Er wollte sich auch nicht dazu äußern, ob der 32-Jährige den Brief in seinem in der Nähe des Unfallorts geparkten Auto oder zu Hause hinterlassen hatte. Weitere Erkenntnisse sind von einer Pressekonferenz zu erwarten, die Enkes Verein Hannover 96 angekündigt hat. Auch Enkes Frau und ein Psychologe sollen angeblich dabei sein.
Enke wohnte in der Nähe der Unfallstelle
Enke war am Dienstagabend im Ortsteil Eilvese von einem Zug erfasst und getötet worden. Die beiden Zugführer versuchten noch, rechtzeitig zu bremsen, konnten den Zug bei einer Geschwindigkeit von 160 Kilometern in der Stunde aber nicht mehr zum Stehen bringen. Das Unglück geschah rund 500 Meter nördlich des Haltespunktes Neustadt-Eilvese. Nach Angaben der hannoverschen Polizei war es 18.25 Uhr, als der aus Bremen kommenden Regionalexpress die Person auf den Gleisen erfasste.
Robert Enke wurde wenige Minuten nach dem Unfall tot am Gleis ausgefunden. Der Torhüter war mit seiner Familie in einem drei Kilometer entfernten Nachbarort von Eilvese zu Hause. In dem Bereich, in dem sie das Unglück ereignete, kann man die Gleise der Strecke Bremen-Hannover nicht überqueren, weil nach Eilvese hin ein Lärmschutzwall und eine Lärmschutzwand den Weg versperren.
Auf der anderen Seite der Unfallstelle ist ein Feldweg, und dahinter beginnen Felder. Den Wagen von Robert Enke, ein schwarzes Geländefahrzeug, fand die Polizei zehn Meter vom Gleis entfernt. Auf dem Beifahrersitz lag die Geldbörse des Fußballers. Die Türen des Autos waren zu, es war aber nicht abgeschlossen.
Mannschaftskameraden trauern im Stadion
Nach Angaben des Polizeisprechers war die Frau von Torwart Enke am Abend an der Unfallstelle. Das Paar verlor vor drei Jahren eine Tochter. Das zweijährige Mädchen starb an einem Herzfehler. Im Frühsommer adoptierten sie dann ein kleines Baby, ebenfalls ein Mädchen.
"Wir sind tief getroffen, unser Mitgefühl gilt der Familie", sagte der 96-Manager Jörg Schmadtke nahe der Unfallstelle. "Wir haben einen großartigen Sportler und Menschen verloren, der in Hannover und in Fußballdeutschland eine große Lücke hinterlässt", fügte er hinzu. "Es scheint Robert Enke wirklich schlecht gegangen zu sein, sonst würde man so etwas nicht tun", sagte er zudem. Anzeichen für eine seelische Krise habe es aber nicht gegeben.
Auch an der AWD Arena, dem Stadion von 96 in Hannover, versammelten sich am Abend trauernde Fans. Dort fanden sich auch die Mannschaftskameraden von Enke ein, denen der Manager per Telefon die Unglücksnachricht mitgeteilt hatte.
Aus Respekt vor dem am Dienstag verstorbenen Nationaltorhüter werden die Mannschaften der Fußball-Bundesliga und der 2. Liga am 13. Spieltag (20. bis 23. November) mit Trauerflor auflaufen. Das teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Mittwoch mit. Zudem wird es eine Gedenkminute für Enke geben.
DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte zum Tod des achtfachen Nationalspielers: "Wir sind fassungslos und voller Trauer. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Frau von Robert Enke und seiner Familie." Enke galt als Favorit für den Posten des Nationaltorwarts bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.
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