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DFB bestätigt neuen Vertrag
Offiziell! Joachim Löw verlängert bis 2020

Die Vertragsverlängerungen von Joachim Löw
Die Vertragsverlängerungen von Joachim Löw
Frankfurt/Main. Nun ist es fix. Bundestrainer Joachim Löw hat seinen Vertrag bis zur EM 2020 vorzeitig verlängert. Die Unterschrift verändert aber wenig an der Position des Weltmeistertrainers. Er ist derzeit ohnehin unantastbar.

Joachim Löw bleibt und bleibt und bleibt. Und alle sind darüber glücklich. Kein Spitzenpolitiker, kein Topmanager in der Wirtschaft und schon gar kein Angestellter im schnelllebigen Fußball-Geschäft kann sich in seinem Job derzeit so sicher und so bewundert fühlen wie der Bundestrainer - und das wieder mit einer Perspektive über die nächste Titelmission hinaus. Russland 2018 soll nicht das Ende der erstaunlichen Karriere des Joachim Löw sein. Der Bundestrainer-Job macht dem 56-Jährigen einfach zu viel Spaß. Die Motivations-Delle nach dem WM-Triumph 2014 ist längst überwunden.

Das Phänomen Löw hat sich mit der Vertragsverlängerung bis zur Fußball-EM 2020 wieder einmal selbst bestätigt - und die Erklärung für den Erfolg des einst nur leidlich talentierten Bundesligastürmers aus Schönau im Schwarzwald geht über seinen glorreichen Glücksmoment vor gut zwei Jahren in der magischen Nacht von Rio hinaus.

"Ich habe immer gesagt, dass Joachim Löw der beste Trainer ist, den wir uns vorstellen können", sagte DFB-Boss Reinhard Grindel kürzlich. Und er klingt dabei wie seine ungleichen Vorgänger Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach. Dieses untereinander verfeindete oder zumindest zerstrittene Funktionärstrio über die Jahre hinweg zu einer gemeinsamen Bewertung zu bringen, ist allein schon eine Leistung.

Nach der erwarteten Vertragsverlängerung soll die gesamte Sportliche Leitung der Nationalmannschaft zusammenbleiben. "Das war für mich eine Voraussetzung", sagte Löw am Montag und sprach von einer "Formsache", auch die Verträge von Torwarttrainer Andreas Köpke und Assistenzcoach Thomas Schneider bis 2020 zu verlängern. DFB-Präsident Reinhard Grindel und Verbands-Generalsekretär Friedrich Curtius kündigten Gespräche mit Köpke und Schneider an. Teammanager Oliver Bierhoff und Co-Trainer Marcus Sorg haben bereits langfristige Verträge bis zur EM in vier Jahren.

Löw eint eben alle in Fußball-Deutschland. Doch wie konnte es dazu kommen? Absehbar war die Entwicklung nicht, als ihn der damals neue Bundestrainer Jürgen Klinsmann 2004 als Assistenten aus der Arbeitslosigkeit holte - entlassen in Österreich bei Austria Wien nach einem 0:2 gegen den FC Kärnten.

Löw gibt zu, dass dieses Engagement ein unfassbarer Wendepunkt war. Er nutzte seine Chance, war Co-Architekt des Sommermärchens 2006 und setzte die fundamentale Erneuerung des deutschen Fußballs auch als Chefcoach gegen alle Rückkehrreflexe zu Tugenden jenseits der postulierten Offensivfreude durch. Er konstruierte das Gebilde Nationalmannschaft nach seinen Vorstellungen innerhalb des DFB-Machtapparates um. Mit den Generationen von Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger über Mesut Özil und Mario Götze bis Joshua Kimmich und Co. baute er ein dauerhaftes Erfolgssystem auf.

"Es macht mir auf jeden Fall nach wie vor großen Spaß. Ich habe großen Antrieb, die Mannschaft und die Spieler zu entwickeln", sagte Löw vor der EM in diesem Sommer, bei der wieder erst - zum fünften Mal in Serie - nicht vor dem Halbfinale Endstadion war.

"Und 2014 habe ich den großen Erfolg bei der Weltmeisterschaft in Brasilien sehr genossen. Ich habe jetzt gemerkt: Man strebt immer wieder danach. Es ist auch ein Teil des Antriebs und der Motivation, einen Titelgewinn zu wiederholen."

Löw der Ehrgeizling, der vom Erfolg Besessene - so kann man ihn sich eigentlich nicht vorstellen, lange war er nur "der nette Herr Löw". Das war vor der Krönung zum Weltmeistercoach. Löw ist heute über alle Generationen hinweg und für beide Geschlechter als Sympathieträger kompatibel. Er ist eloquent über Fußballthemen hinaus und wirkt äußerlich makellos.

Er hat das verbindlich Unverbindliche perfektioniert, wenn er sich nicht festlegen kann oder mag. Und er hat es geschafft, im Glitzerkosmos Profifußball eine Aura des Unnahbaren zu entwickeln, des Geheimnisvollen, der zwischen den Spielen sogar für sein Umfeld schwer erreichbar ist.

Gierig werden dann von der Öffentlichkeit publik gewordene Details aus seinem Privatleben aufgesogen - ganz zu schweigen vom Interesse an den großen Dingen - wie der Trennung von seiner langjährigen Ehefrau in diesem Sommer. Die Gesetze des Geschäfts hat Löw gelernt, er dirigiert sie auch bestmöglich nach seinem Gusto.

Seine Meinung zu einer Vertragsverlängerung kann er innerhalb weniger Wochen ändern, wenn das Thema für ihn nervig zu werden droht. Er weiß ohnehin, dass das neue Arbeitspapier wieder einmal ein politischer Schachzug eines um Wählergunst bemühten DFB-Chefs ist und letztlich nur eine Willensbekundung, abhängig vom nächsten Erfolg.

Sein tägliches Arbeiten beeinflusst es nicht. Auch sein Bundestrainer-Schicksal stand im WM-Achtelfinale 2014 gegen Algerien (2:1 nach Verlängerung) auf der Kippe - die Nordafrikaner hätten ihn mit etwas mehr Cleverness zum Unvollendeten degradieren können.

Den Moment des Augenblicks genutzt zu haben, teilt der ewige Jogi mit erfolgreichen Vorgängern. Die Bestmarken von Bundestrainer-Ur-Vater Sepp Herberger sind eingestellt (94 Siege) oder werden sicher gebrochen (167 Spiele). Helmut Schöns Rekord von sechs großen Turnieren wird in 20 Monaten in Russland egalisiert. Zweimal Weltmeister war noch keiner. Welt- und Europameister war auch nur der "Mann mit der Mütze" - das kann Löw nun noch gelingen, 2020 oder womöglich bei einem späteren Turnier.

(dpa)
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