| 23.32 Uhr

DFB-Team 2:3 gegen England
Wieder eine Führung aus der Hand gegeben

Bilder: Deutschland - England
Bilder: Deutschland - England FOTO: dpa, ahi hak
Berlin. Das Berliner Olympiastadion wird zu dem Ort, an dem die deutsche Fußballnationalmannschaft komfortable Führungen noch aus der Hand gibt. Diesmal waren es zwar kein 4:0 wie beim inzwischen legendären Duell mit den Schweden, das das Team von Bundestrainer Joachim Löw verspielte. Von Robert Peters

Aber es langte nicht mal zu einem Unentschieden wie seinerzeit gegen die Skandinavier beim munteren 4:4. Gegen England handelte sich die DFB-Auswahl im Testspiel eine 2:3-Niederlage ein. Dabei hatte sie nach knapp einer Stunde mit 2:0 geführt. Die Treffer erzielten Toni Kroos und Mario Gomez.

Die Engländer feierten einen verdienten Sieg. Mit einfallsreichen Kombinationen hatten sie die Deutschen in erstaunliche Verlegenheit gestürzt. Und auch der deutliche Rückstand brachte sie überhaupt nicht aus der Ruhe. Schon vor der Pause unterstrichen die Briten, warum sie in ihrer Qualifikationsgruppe ohne Niederlage geblieben waren.

Ihr Offensivspiel war schnell, kreativ und sehr ansehnlich. Das Führungstor für die Deutschen fiel eher überraschend. Die DFB-Auswahl hatten einen Abschlag von Torwart Jack Butland abgefangen und schnell nach vorn gespielt. Kroos lief unbehelligt durchs Mittelfeld. Und weil ihn nun niemand angreifen wollte, schoss er einfach mal mit dem linken Fuß aufs Tor. Der Ball flog in die vielzitierte kurze Ecke zum 1:0. Butland hatte sich offenbar schon vorher verletzt, er kam nicht schnell genug nach unten.

Einzelkritik: Gomez leidenschaftlich, Müller taucht ab FOTO: ap, SO GB, FO

Als sich Gomez mit einem Kopfballtreffer auf Flanke von Sami Khedira für eine läuferisch starke Leistung mit dem 2:0 belohnt hatte, sah es ganz danach aus, als könne Löws Team wenn schon nicht mit einer überzeugenden Vorstellung, dann doch mit einem Prestigeerfolg aus dieser Begegnung gehen. Daraus wurde nichts, weil die Engländer im Angriff weiter eindrucksvoll spielten und weil die eingewechselten deutschen Offensivkräfte André Schürrle und Lukas Podolski erschreckend wenig Niveau auf den Platz brachten.

Die Deutschen kamen nicht mehr zu wirkungsvollen Gegenangriffen, und die Gäste setzten nun sogar fußballerische Glanzlichter. Der Ausgleichstreffer von Jamie Vardy war so ein Glanzlicht. Er drückte den Ball nach scharfer Flanke von Nathaniel Clyne mit einem Hackentrick über die Linie. Der Siegtreffer durch einen Kopfball von Eric Dier, bei dem Gegenspieler Schürrle vornehm staunte, fiel in der Nachspielzeit. Da gab es nichts mehr zu korrigieren.

Bilder: Vardy trifft gegen Deutschland mit der Hacke FOTO: ap, SO, FO

Löw hatte vor dem Spiel gönnerhaft, wie nur echte Weltmeister sein können, erklärt, das Ergebnis sei ihm nicht gar so wichtig. Es komme ihm viel mehr auf die Erkenntnisse aus solchen Testspielen an. Sie waren gewiss nicht alle sehr schön. Emre Can bewies auf der Position des rechten Verteidigers erneut, dass er alles andere als eine perfekte Besetzung sein kann. Podolski wird über eine Rolle als Guter-Laune-Onkel kaum noch hinauskommen. Schürrle steckt seit seinem Wechsel zum VfL Wolfsburg vor mehr als einem Jahr in einem fetten Formtief. Und an Marco Reus lief das Spiel in Berlin völlig vorbei.

Schön wird Löw gefunden haben, dass Gomez seine Torgefährlichkeit aus der türkischen Liga mitgebracht hatte. Ob er deshalb bei der EM erste Wahl sein wird, ist allerdings fraglich. Löws Lieblingsspielertyp im Angriff sieht immer noch anders aus.

Seine Mannschaft konnte ein paar wichtige Lektionen lernen. In der EM-Qualifikation hatte sie sich meist mit extrem defensiven Gegnern herumplagen müssen. Diesmal wurde sie selbst unter Druck gesetzt, und sie befreite sich zu selten mit schnellen und sicheren Kombinationen. Das Spiel aus der Deckung war über weite Strecken ziemlich langsam. Der Weltmeister wirkte nicht gerade hungrig.

Zum Glück wurde er dafür nicht auch noch belohnt, wonach es eine Zeitlang aussah, als die Engländer große Chancen auf groteske Art ausließen. Löw verbucht das alles als notwendige Erfahrung auf dem Weg nach Frankreich. Zumindest mit einer Einschätzung hat er richtig gelegen. Er bezeichnete die Engländer als einen Titelkandidaten bei der EM. Seit dem Abend von Berlin wissen das ein paar Menschen mehr.

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