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Nationalmannschaft in Köln
Alte Helden, neuer Slogan

Nationalteam firmiert als "Die Mannschaft": Alte Helden, neuer Slogan
Das Nationalteam firmiert jetzt als "Die Mannschaft". FOTO: dpa, fg jai
Köln. Das Nationalteam firmiert jetzt als "Die Mannschaft". Es hat auch ein neues Wappen bekommen. Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger halten das für eine "sehr gute Aktion". Von Gianni Costa

Irgendwann an diesem Mittag wird Schweinsteiger gefragt, wie er sich in den vergangenen elf Jahren beim Nationalteam verändert habe. Schweinsteiger, seit vergangenem Herbst Kapitän der DFB-Auswahl, blickt staatstragend drein. "Man geht", sagt der 30-Jährige, "durch Höhen und Tiefen."

Dann macht er eine kurze Pause und blickt zu Podolski hinüber. Beide fangen an zu grinsen. Schweinsteiger sagt: "Bei ihm hat sich nicht so viel verändert. Er ist immer gut drauf. Gucken Sie sich doch meine grauen Haare an, liegt wohl daran, dass er mehr Spaß im Leben hat als ich." Wieder kurze Pause. Es wird eifrig gelacht.

Da oben auf dem Podium sitzt "Die Mannschaft". Zumindest ein wesentlicher Teil davon. Schweinsteiger und Podolski haben, findet jedenfalls Oliver Bierhoff, eine gewichtige Rolle dabei gespielt, wie sich da eine Einheit geformt hat. Der DFB-Manager hatte eine Idee. Das Nationalteam habe bisher im klassischen Sinne keine eigenständige Bezeichnung gehabt, im Gegensatz zu Frankreich ("Les Bleus"), Spanien ("Furia Roja") und Italien ("Squadra Azzurra"). Man habe aber nicht zuletzt rund um den WM-Triumph 2014 gemerkt, dass "etwas passiert" ist und er sei überall mit den Begriffen "La Mannschaft" oder "The Mannschaft" konfrontiert worden. "Man hat gespürt - ohne anderen Mannschaften zu nahe treten zu wollen, dass wir ,Die Mannschaft' sind", sagt Bierhoff. Deshalb wurde "ein neues Markenbild geschaffen", "damit sich die Identifikation auch grafisch niederzeichnet", sagt er. Schweinsteiger sitzt neben Bierhoff und nickt artig: "Ich finde, das ist eine sehr gute Aktion." Podolski grinst.

In der Marketingwelt von Bierhoff sind Typen wie Schweinsteiger und Podolski wichtig. Sie verleihen einer immer mehr zum Kunstprodukt gewachsenen Sportart Glaubwürdigkeit. Die Wichtigkeit solcher Figuren wird in Köln besonders deutlich. Deutschland trifft morgen auf die USA, ein Testspiel im Niemandsland des internationalen Rahmenkalenders. Die Saison ist längst vorbei, die Spieler seit rund zehn Tagen im Urlaub. Bisher wollen "nur" 35.000 Zuschauer (Fassungsvermögen 50.000) "die Mannschaft" im Stadtteil Müngersdorf sehen. Man könnte aber auch sagen "immerhin" - bei Ticketpreisen ab 45 Euro aufwärts in den noch verfügbaren Kategorien. Bierhoff hat indes auch dafür schon eine passende Antwort parat: Künftig sollen sogenannte "Erlebnispakete" für Vereine und Familien angeboten werden. Natürlich nur bei derart unattraktiven Terminen. Es geht ums Geschäft.

Und das sollen Schweini, der jetzt Herr Schweinsteiger genannt wird, und Podolski, den auch mit 30 immer noch alle Poldi nennen, ankurbeln. Schweinsteiger ist mit den Jahren vorsichtig geworden. Er wollte Führungsspieler werden und nicht als Hallodri Schlagzeilen machen. Fragen zu seinem Privatleben beantwortet er nicht, auch wenn die ganze Welt Fotos von den French Open in Paris gesehen hat, auf denen er mit der Serbin Ana Ivanovic zu sehen war. Schweinsteiger sagt, man müsse sich keine Sorgen machen, er habe genug Zeit gefunden, um sich fit zu halten für künftige Aufgaben. Poldi grinst. Er würde sicher gern die geschliffenen Antworten seines Kumpels konkretisieren.

Er verkneift sich an diesem Tag allzu flotte Zwischenbemerkungen. Über sich selbst sagt er: "Für mich ist die Rückkehr nach Köln immer sehr emotional. Das ist hier meine Heimat." Podolski ist ein Meister darin, jedes Thema, egal ob gut oder schlecht, mit einem Lächeln zu verkaufen. Und so sagt er ganz freundlich fröhlich: "Wir wissen ja alle, die vergangene Saison war nicht gerade die beste in meiner Karriere. Mal sehen, wie es weitergeht. Im Fußball kann viel passieren. Wenn es sein muss, werde ich kommende Saison wieder für Arsenal London spielen. In den kommenden Tagen werden wir mehr wissen. Ich werde mich so schnell noch nicht aus der Fußballwelt verabschieden."

Ein paar Minuten später sitzt Poldi im schwarzen Teambus mit der Aufschrift "Die Mannschaft" und bietet den Kamerateams eine Stadtrundfahrt. Die Reise beginnt allerdings mit einer ungeplanten Verzögerung. Als der Bus von dem Gelände des Sponsors Mercedes auf die Straße biegen will, versperrt ein falsch geparkter Peugeot den Weg. Erst nach etlichen Minuten ist die Sünderin gefunden. Nicht alles ist planbar. Selbst beim DFB nicht.

Quelle: RP
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