| 18.47 Uhr

Luxusprobleme im DFB-Mittelfeld
Sami Khedira – Leistungsträger und ewiger Wackelkandidat

Porträt: Sami Khedira: Weltmeister und Weltenbummler
Porträt: Sami Khedira: Weltmeister und Weltenbummler FOTO: dpa, gh
Hannover. Toni Kroos ist gesetzt, Sami Khedira überzeugt - und dahinter drängelt Ilkay Gündogan: In der Mittelfeldzentrale hat Bundestrainer Joachim Löw ein echtes Luxusproblem. 

Sami Khedira hatte die Frage erwartet, und doch konnte er sie nicht so recht nachvollziehen. "Für mich ist das ein Stück weit amüsant", sagte der Weltmeister zu den andauernden Diskussionen über seine Rolle in der DFB-Elf, "ich spiele jetzt seit neun Jahren in der Nationalmannschaft – und es wurde achteinhalb Jahre darüber diskutiert, ob ich spiele oder nicht."

Am Dienstag in Hannover beim 2:0 (2:0) gegen Nordirland in der WM-Qualifikation spielte Khedira - und zwar richtig gut. Der 29-Jährige krönte eines seiner besten Länderspiele mit seinem sechsten Tor im DFB-Dress. Und das, obwohl noch tags zuvor darüber geredet wurde, "dass ich in der Mannschaft keinen Platz habe", wie Khedira in einer Mischung aus Belustigung und Unverständnis anmerkte. Vielleicht aber auch gerade deshalb?

Seit Rückkehrer Ilkay Gündogan wieder vehement ins Team drängt, darf sich Khedira seines Platzes im defensiven Mittelfeld nicht mehr sicher sein. Toni Kroos, der bei Real Madrid mit einem Jahresgehalt von 20 Millionen Euro zum deutschen Topverdiener aufsteigen soll, ist dort unumstritten. Doch mit Khedira und Gündogan sowie dahinter den Talenten Julian Weigl oder Joshua Kimmich ist ein echtes Gerangel um den einen freien Platz im Maschinenraum entstanden.

Löw freut sich über sein "Problem"

Es ist ein Luxusproblem für Joachim Löw, der die Lage erfreut zur Kenntnis nimmt. "Da gibt's nichts zu lösen", sagte der Bundestrainer, "es ist mir am liebsten, wenn ich auf den verschiedenen Positionen Konkurrenzkampf habe." Gündogan, den er gegen Tschechien (3:0) und Nordirland jeweils eingewechselt hatte, könne wie in Hannover auch mit Khedira spielen, außerdem sei der Profi von Manchester City "auf der Sechs, Acht oder Zehn" einsetzbar: "Das ist eine gute Variante für die Zukunft."

Und Khedira? Kommt gerne "aus der Tiefe in den Strafraum" (Löw) und dort zum Abschluss, wie am Dienstag mehrfach zu bestaunen war. "Das ist für eine Abwehr sehr schwierig zu verteidigen. Das kann der Sami sehr gut, er ist da sehr dynamisch", lobte Löw und beschrieb so eine Weiterentwicklung im Spiel des Juve-Profis. "Ich spiele in Italien einen Tick offensiver, da bekomme ich wieder das Gefühl für den Raum", sagte Khedira. Und dieses Gespür nutzt er zu Toren, auch in Turin.

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Teammanager Oliver Bierhoff lobte, wie Khedira "mit seiner Intelligenz immer wieder in Räume geht und so der Geometrie der Mannschaft hilft". Wenn Khedira wie aktuell im Rhythmus sei, "bringt er kontinuierlich gute Leistungen". Das aber gilt auch für Gündogan, den Löw in Hannover nur deshalb nicht an Khediras Stelle von Beginn an brachte, weil dem Ex-Dortmunder nach langer Verletzungspause ein paar Prozentpunkte Fitness fehlen. "Ich bin sehr froh, wieder da zu sein. Ich hoffe auf weitere Einsätze", meldete der England-Legionär zaghaft Ansprüche an.

Khedira vertraut derweil dem Bundestrainer. "Fußball", sagte er, "besteht ja nicht nur aus Einzelspielern, sondern aus der Konstellationen mehrerer Spieler. Und da hat Jogi Löw immer ein glückliches Händchen gehabt." Wie in Hannover.

(sid)
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