Riesenchance und Doppelpack: Sandro Wagners verrückte sechs Minuten
zuletzt aktualisiert: 30.06.2009 - 16:13Malmö (RPO). Am Ende war Sandro Wagner einer der gefeierten Helden von Malmö. Der Stürmer des MSV Duisburg hatte beim 4:0 im EM-Finale gegen Erzrivale England mit zwei Treffern sogar großen Anteil am Titelgewinn. Dabei waren die Vorzeichen alles andere als verheißungsvoll.
Nach zwei Kurzeinsätzen schlug erst im Finale die Stunde des einzigen Stoßstürmers, den DFB-Coach Horst Hrubesch für die kontinentalen Titelkämpfe in Schweden nominiert hatte. Dabei profitierte Wagner, der von 2006 bis 2008 bei Bayern München II unter Vertrag stand, von der zweiten Gelben Karte Ashkan Dejagahs. Nur aufgrund der Sperre des Wolfsburgers rückte der Angreifer in die Startelf gegen England.
Während sich die Kollegen um den überragenden Regisseur Mesut Özil nach dem Führungstreffer durch Gonzalo Castro (23.) in einen regelrechten Rausch spielten, blieb die einzige DFB-Spitze zunächst stumpf. Wagner zeigte zwar ein großes Laufpensum, fehlte aber dann bei den entscheidenden Szenen im Zentrum. Doch binnen sechs Minuten wendete sich das Blatt.
In der 77. Minute hatte Wagner plötzlich die große Chance zum 3:0. Özil setzte sich auf dem linken Flügel durch und bediente den in der Mitte gestarteten Wagner maßgerecht, doch dem Stürmer gelang das Kunststück, den Ball aus kürzester Distanz nicht im Tor unterzubringen. Der 21-Jährige blieb neben dem Pfosten regungslos liegen und hielt sich fassungslos den Kopf.
Hrubesch, an der Seitenlinie schon zum Jubel bereit, tobte los, schüttelte immer wieder den Kopf. Für den früheren Torjäger war es nicht zu verstehen, dass sein Schützling diese Möglichkeit zur Entscheidung nicht nutzte. Doch nur eine Minute später lachte der Trainer wieder.
Diesmal hatte es Wagner besser gemacht und die starke Vorlage von Özil in einen Treffer umgemünzt. Sein strammer Linksschuss rutschte dem englischen Keeper Scott Loach durch die Hosenträger. Die Welt von Hrubesch und Wagner war wieder in Ordnung. Mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen drehte der MSV-Stürmer nun auf. Einen langen Pass nahm er erst perfekt an, düpierte seinen Gegner mit nur einer Körpertäuschung und schlenzte das Spielgerät aus 20 Metern mit rechts ins lange Eck.
Nach Wagners irren sechs Minuten brachen beim deutschen Team alle Dämme. Die Feier, die erst in den frühen Morgenstunden in den Straßen von Malmö ihr Ende fand, begann.
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