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Vor WM-Halbfinale
"Spiegel"-Satire: Azzurri schäumen vor Wut

Vor WM-Halbfinale: "Spiegel"-Satire: Azzurri schäumen vor Wut
Italien ist sich sicher, bald im WM-Finale zu stehen. FOTO: AP, AP
Duisburg (rpo). Vor dem Halbfinale Deutschland gegen Italien verschärft sich der Ton. Nachdem eine Zeitungssatire die italienischen Fußball-Helden durch den Kakao gezogen hat, brennen die Azzurri darauf, es den Deutschen heimzuzahlen. Es geht um die nationale Ehre.

"Dieses Spiel ist noch wichtiger als das Jahrhundertspiel von 1970. Damals kamen wir als Europameister nach Mexiko, diesmal sind wir mit dem schlimmsten Skandal der Geschichte angereist", erklärte Gigi Riva, Teammanager der Squadra Azzurra und in Mexiko Torschütze zum 3:2 (Endstand 4:3 n.V.), vor dem Halbfinale gegen die DFB-Elf am Dienstag (21.00 Uhr im LIVE!-Ticker) in Dortmund.

Die Vorgabe von Riva ist den Italienern Befehl. "Riva ist ein Fußball-Gott, sein Wort ist Gesetz", sagt Mittelfeldspieler Gennaro Gattuso voller Ehrfurcht. Sein Wort trifft vor allem genau den Punkt, denn in der Tat hat der ausufernde Wett- und Manipulationsskandal auf dem Apennin den italienischen Fußball in den Grundfesten erschüttert.

Das fünfte WM-Duell der dreimaligen Weltmeister wird somit zum wichtigsten Spiel der Verbandsgeschichte. "Jetzt ist alles möglich. Für uns ist das Halbfinale nicht die Endstation, sondern der Startpunkt", meinte Trainer Marcello Lippi. Ungeachtet des Skandals und der aufkommenden "Gastgeberphobie" - 1998 und 2002 scheiterten die Azzurri jeweils an den Ausrichtern Frankreich und Südkorea - scheint das italienische Selbstbewusstsein derzeit größer denn je.

Das souveräne 3:0 gegen die Ukraine ließ die Kritiker in der Heimat vorerst verstummen. "Deutschland, wir werden euch schlagen! ", titelt der Corriere dello Sport plötzlich, nachdem "Mister" Lippi und sein Team wegen uninspirierter Auftritte und der sehr defensiven Spielweise lange Zeit im Visier der italienischen Presse waren.

Für Brisanz im Vorfeld sorgte das Hamburger Magazin "Spiegel", das in einer Satire italienische Männer als "Parasiten" und "Muttersöhnchen" bezeichnet hatte. Die italienische Volksseele kocht.

"Sie haben uns anhaltend und grundlos Vorwürfe gemacht. Sie haben gesagt, wir würden auf dem Platz für den Skandal bezahlen. Jetzt werfen wir sie aus dem eigenen Vorgarten", ereiferte sich der Corriere. "Jetzt ist Deutschland an der Reihe, Angst vor Italien zu haben", schrieb La Repubblica. Der Blick in die Geschichte macht den Azzurri Mut: Bei insgesamt sechs Vergleichen bei großen Turnieren ging Deutschland noch nie als Sieger vom Platz, und in der Vorbereitung demütigte Italien die deutsche Mannschaft beim 4:1 in Florenz.

"Das war ein völlig anderes Spiel, es wäre lächerlich, das mit einem WM-Halbfinale zu vergleichen", sagt Luca Toni zwar, doch der jüngste Triumph über die damals hilflose Elf von Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat sich in den Köpfen festgesetzt. "Sie hatten vorher schon Angst vor uns, und mit dem 3:0 gegen die Ukraine haben wir ihnen hoffentlich einen Schrecken eingejagt", erklärte der 1,93 m lange Stürmer vom AC Florenz, der im Viertelfinale nach langer Flaute mit zwei Treffern zum Helden wurde.

Das emotionale Spiel gegen das Team des langjährigen Milan-Legionärs Andrej Schewtschenko hat den Glauben Italiens an den vierten Titel gestärkt. Selten sah man die Stars so unbeschwert wie nach dem Einzug ins Halbfinale. Und das, obwohl alle Spieler im Moment des Sieges von ihren Gefühlen für Juve-Generalmanager Gianluca Pessotto überwältigt wurden.

"Pessottino, wir werden immer bei dir sein!" stand auf einer "Tricolore", die Kapitän Fabio Cannavaro und Torhüter Gianluigi Buffon nach dem Abpfiff der euphorisch jubelnden Anhängerschaft präsentierten. Pessotto rang nach dem Fenstersturz in Turin mit dem Tod, während 1220 km entfernt in Hamburg seine Freunde für ihn und ihr Land kämpften. Am Sonntag hatte sich der Zustand des ehemaligen Nationalspielers etwas gebessert.

(sid)
 
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