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Gomez, Werner, Gnabry
DFB-Sturm im sanften Aufwind

Timoer Werner, Mario Gomez, Serge Gnabry: Deutscher Sturm im Aufwind
FOTO: dpa, dan lre nic
Nach Jahren der lauen Lüfte geht ein Aufwind durch den deutschen Sturm. Im Perspektivjahr kann Joachim Löw entspannt sein.

Gabun, Frankreich, Polen - Joachim Löw hat die Hoffnung auf einen deutschen Torschützenkönig 2016/17 schon vor Monaten aufgegeben. Und doch kann der Bundestrainer 15 Monate vor der WM Freude an der Bundesliga finden: Nach Jahren der lauen Luft geht ein sanfter Aufwind durch den deutschen Sturm.

Mario Gomez, Timo Werner oder Serge Gnabry ermöglichen Löw, am Mittwoch (20.45 Uhr/Live-Ticker) in Dortmund gegen England entspannt sein Perspektivjahr anzugehen. Vor einem Jahr war das ganz anders. "Ich frage mich, wo der nächste Miroslav Klose ist", sagte Löw da. "Wo ist ein Stürmer, der im Zentrum spielt, der schnell ist, kopfballstark und torgefährlich?"

Den hat er heute immer noch nicht, vielleicht auch, weil er weiter Sandro Wagner (1899 Hoffenheim) außen vor lässt. Doch Löw bescheinigt Timo Werner von RB Leipzig, den er erstmals nominierte, "das Potenzial zur Weltklasse". Gomez, der gegen England geschont wird, trifft derzeit regelmäßig. Serge Gnabry, der diesmal für die U21 nominiert war, aber verletzt absagen musste, hat zehn Saisontore. Selbst das Sorgenkind Thomas Müller storchte am Sonntag wieder mal den Ball ins Tor.

"Ich habe wieder das Gefühl, dass es jederzeit klingeln kann", sagte Gomez nach seinem Siegtor für den VfL Wolfsburg gegen Darmstadt 98 am Wochenende. Häufig wird Stürmern ja zugeschrieben, sie hätten ihr Näschen wiedergefunden - bei Gomez stimmt es: Er traf gegen Darmstadt mit der Nase.

Der 31-Jährige durchlebt die Höhen und Tiefen eines Angreifers traditionell so intensiv wie kaum ein anderer. Zwischen "Jeder Schuss drin" und "Tor vernagelt" scheint es nichts zu geben. Momentan trifft er und trifft. Es läuft.

Werner hingegen musste sehr tief durchatmen, als Joachim Löw durchrief. "Ich saß im Auto und musste aufpassen, das Lenkrad nicht zu verreißen. Ich kam vom Einkaufen und musste erstmal rechts ranfahren", berichtete er: "Wenn ich mein erstes Länderspiel machen darf, ist es eine Riesenehre."

Timo Werner steht unter Beobachtung

Allerdings hat der pfeilschnelle junge Mann eine doppelte Bürde zu tragen. Für die vielerorts verhassten Leipziger zu spielen, und das womöglich auch noch in Dortmund, macht es nicht einfach - mit seiner ganz üble Schwalbe gegen Schalke 04 vor drei Monaten hat er sich einen weiteren Stempel verpasst.

"Ich habe mehrfach mitgeteilt, dass ich damals einen Fehler gemacht habe", klagte Werner nun in der Welt am Sonntag: "Aber ich finde, dass man damit auch nicht allzu hysterisch umgehen sollte."

Joachim Löw ist da offensichtlich gelassen. Er hat das Jahr 2017 ohnehin zum Perspektivjahr erklärt, alles wird auf die WM 2018 ausgerichtet. Sollte Werner bis dahin zu einem Top-Mann reifen, wäre das ganz nach seinem Geschmack. Falsche-Neun-Optionen wie Marco Reus und Mario Götze sind derzeit schließlich verletzt oder erkrankt.

Ein neuer Miroslav Klose wäre dennoch nicht gefunden. Ihn müsste sich Löw aus verschiedenen Spielern bauen: Von Gomez die Erfahrung, den Kopfball, das Brechen, von Werner die Schnelligkeit, auch den Abschluss mit dem Fuß, von Gnabry die Ideen und die Dribblings.

Dann gäbe es eventuell auch wieder einen deutschen Torschützenkönig mit Stammplatz in der Nationalmannschaft. Den letzten gab es 2010/11: Es war Mario Gomez.

(sid)
 
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