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Panorama Jogi Joachim Löw ap 2009
  Foto: AP, AP
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DFB-Machtkampf und die Folgen: Trennung von Löw nicht ausgeschlossen

VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 06.02.2010 - 09:45

Frankfurt/M. (RP). Die Führung im größten Sporteinzelverband der Welt ist zerstritten. Präsident Zwanziger und Direktor Sammer stehen Trainer Löw und Manager Bierhoff gegenüber. Trennung nicht ausgeschlossen.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat’s gern gemütlich. Im Foyer seiner Frankfurter Zentrale laden schwarze Ledermöbel zum Verweilen. In den Vitrinen blitzen Trophäen aus den vergangenen Jahrzehnten, auf Monitoren flimmern Filmchen von fußballerischen Großtaten.

Und bis vor ein paar Wochen schlugen sich hier die Führungsfiguren des größten Sporteinzelverbandes der Welt bei jedem Treffen zur Bekräftigung der Freundschaft derart auf die Schultern, dass das Krachen noch auf den Spazierwegen im nahen Wald zu hören war.

Öffentlich lobten sich die „Glücksfälle für den deutschen Fußball“ gegenseitig, priesen die „gute Zusammenarbeit“ und die tollen Perspektiven. Meinungsverschiedenheiten gab es allenfalls in Detailfragen, nie, wenn es um das große Ganze ging.

Info

Der DFB

Vollständiger Name Deutscher Fußball-Bund
Gegründet 28. Januar 1900 in Leipzig
Mitglieder 6,68 Millionen (Stand 2009)
Vereine 25726
Präsident Theo Zwanziger
Generalsekretär Wolfgang Niersbach
Größte Erfolge der Nationalelf Weltmeister 1954, 1974, 1990, Europameister 1972, 1980, 1996

DFB-Chef Zwanziger in akuter Atemnot?

Niemand wunderte sich, als DFB-Präsident Theo Zwanziger mehrmals die unmittelbar bevorstehende Vertragsverlängerung für Bundestrainer Joachim Löw und dessen Betreuerteam verkündete. Und auch als Löw einschränkend bemerkte, es seien nur Kleinigkeiten zu klären, passte das ins harmonische Bild vom Idyll im Frankfurter Wald.

Seit dieser Woche ist alles anders. Unter den wichtigsten Männern im deutschen Fußball tobt ein Machtkampf, der vier Monate vor der Weltmeisterschaft in Südafrika dramatische Folgen haben könnte. Denn die Kleinigkeiten, von denen Löw sprach, sind keine Kleinigkeiten. Der stets gut gekleidete Freiburger mit den vorbildlichen Manieren macht die Verlängerung des Vertrags für sein Trainerteam von einer saftigen Prämienzahlung abhängig. Im Gespräch sind allein für ihn drei Millionen Euro. Und Team-Manager Oliver Bierhoff, mindestens so smart wie der Trainer, verlangt angeblich ein Vetorecht bei der Einstellung von Bundestrainern. Zwanziger soll in akute Atemnot geraten sein.

Den Forderungskatalog durften die Mitglieder des DFB-Präsidiums auf dem Weg zu einer Sondersitzung in der „Bild“-Zeitung lesen. Das ist genauso interessant wie das neuerdings ziemlich hoch entwickelte Anspruchsdenken der so genannten sportlichen Führung. Denn eine der um die Macht streitenden Gruppen muss die Details wohl ausgeplaudert haben.

In diesem Kampf stehen sich Zweierteams gegenüber. Auf der einen Seite Bierhoff und Löw, auf der anderen Präsident Zwanziger und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. Das größte Interesse an einer öffentlichen Diskussion müssen Zwanziger und Sammer haben, denn sie können nun auf die bösen Buben auf der anderen Seite zeigen. Bislang hatten Löw und Bierhoff den Vorteil, mit sportlichen Erfolgen im Rampenlicht des Stadions Imagepflege als moderne, salonfähige Fußball-Funktionäre zu betreiben. Nun stehen sie einstweilen als raffgierige, machthungrige Gesellen da, die den Präsidenten wiederholt vor die Wand laufen ließen.

Zwanziger hat ihnen gewiss nicht verziehen, dass sie seinen Verkündigungs-Optimismus mehrmals ausgebremst haben. Und der Präsident beherrscht nicht nur die pastorale Geste, die sein Vor-Vorgänger Egidius Braun so eng mit dem Amt verzahnte. Der ehemalige Landtags-Abgeordnete und Regierungspräsident ist immer noch ein Politiker, der sich im Abservieren unliebsamer Konkurrenten bestens auskennt. Sein bislang größter öffentlicher Erfolg: Er verdrängte den ehemaligen Minister Gerhard Mayer-Vorfelder aus dem höchsten DFB-Amt. Das ging nicht allein mit frommen Sprüchen.

Sammer, der bisher als Verlierer im Kompetenzstreit mit Löw galt und sich vom Bundestrainer maßregeln lassen musste („Warum muss sich der Matthias zu allen Dingen öffentlich äußern?“), hat zumindest einen wichtigen Teilerfolg errungen. Löws bisher so untadeliger Ruf ist beschädigt, und Bierhoff wird im Verband wegen seiner vollkommen kantenfreien Außendarstellung ohnehin skeptisch beäugt.

Die Atmosphäre ist völlig vergiftet. Belege: Der DFB hat den sportlichen Leitfiguren ein 48-Stunden-Ultimatum zur Unterschrift unter einen Vertrag nach Verbandsbedingungen gesetzt. Löw erklärte: „Uns wurde ein nicht verhandelbares Angebot zugestellt.“ Die fünfminütige Verhandlungsrunde soll von lautstarken gegenseitigen Anwürfen geprägt gewesen sein.

Der große Gewinner könnte Matthias Sammer sein

Zurzeit ist schwer vorstellbar, wie sich die Risse kitten lassen könnten. Löw wird kaum bereit sein, sich von Bierhoff zu trennen, in dem die meisten im Verband den deutlich böseren Buben sehen - auch Nationalelf-Kapitän Michael Ballack, der dem Manager in herzlicher Abneigung verbunden ist. Ein öffentlicher Streit nach dem EM-Finale 2008 auf dem Rasen des Wiener Stadions, der beinahe in Handgreiflichkeiten ausartete, unterstrich das für Millionen Zuschauer sichtbar.

Deshalb könnte es im äußersten Fall statt vorzeitiger Vertragsverlängerung einen vorzeitigen Abschied für Löw geben - noch vor dem WM-Turnier im Sommer. Einzige Alternative zu ihm: Sportdirektor Sammer. Der wäre dann der ganz große Gewinner. Ob das auch für die Nationalelf gilt, ist nicht heraus.

Quelle: RP

 
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