| 18.25 Uhr

Vor Länderspiel gegen USA
Kölner Fans haben keine Lust auf die Nationalmannschaft

Fotos: Herrmann bereitet sich mit DFB-Team in Köln auf USA-Spiel vor
Fotos: Herrmann bereitet sich mit DFB-Team in Köln auf USA-Spiel vor FOTO: dpa, fg jai
Köln. Das Stadion wird nicht voll werden, einige Stars sind im Urlaub: Doch für "die Mannschaft", wie Deutschlands Weltmeister nun offiziell heißen wollen, zählen zum Saison-Abschluss nur zwei Siege.

Der Termin ist problematisch, die Fans sind im Sommerpausen-Modus und eine Handvoll Stars bleibt im Urlaub. Doch mit neuem Logo, neuem Bus und guter Laune wollen Deutschlands Fußball-Weltmeister einen würdigen Saison-Abschluss schaffen.

Um das Trainingsprogramm seines Kapitäns machte sich Oliver Bierhoff jedenfalls keine Sorgen. "Du durftest doch morgens immer die Warmmachrunde spielen", sagte der Nationalmannschaftsmanager schmunzelnd in Richtung Bastian Schweinsteiger, der den Kurzurlaub zwischen Bundesliga und Nationalmannschaft genutzt hatte, um Ana Ivanovic bei den French Open zu unterstützen. Schweinsteiger schaute etwas zerknirscht. Der Weltmeister hatte die Serbin bis zum Halbfinale in Paris, in dem sie ausgeschieden war, aus der Box der Spielerin angefeuert.

Fotos: Schweinsteiger sieht Halbfinal-Aus von Ivanovic FOTO: afp, lab/ql

Doch beim Nationalteam tauchte er sichtlich fröhlich auf. Von Unmut über den vom Weltverband diktierten und weder von Spielern noch von Offiziellen und Fans geliebten Pflichttermin war beim Kapitän nichts zu spüren.

Das Team um das Team versucht derweil, der Zusammenkunft Event-Charakter einzuhauchen und sie zur weiteren Identitätsstiftung zu nutzen. Nach Vorbild von Frankreich ("Les Bleus"), Spanien ("Furia Roja") oder Italien ("Squadra Azzurra") wollen die Weltmeister künftig auch offiziell "Die Mannschaft" genannt werden. Weiß auf Schwarz bildet dieser Schriftzug auch das neue Logo, zwischen beiden Worten ist das goldene Verbands-Wappen zu sehen mit den vier Sternen darüber für die vier WM-Titel. Zudem wurde der neue Mannschaftsbus mit dem Kennzeichen "F-DM-2018" präsentiert.

Problematische Ansetzung

Sportlich hält auch Bierhoff die Ansetzung der beiden letzten Länderspiele der Saison für "problematisch", da die Spieler "nach dem Saisonende zehn Tage im luftleeren Raum waren". Er legte jedoch Wert darauf, dass der DFB diesen Termin nicht zu verantworten habe: "Wir haben im Gegensatz zu den Jahren zuvor keinen Einfluss mehr auf die Festlegung der Quali-Spiele. Wir haben das Gibraltar-Spiel zu diesem Termin reingesetzt bekommen."

Auf das Spiel gegen die USA am Mittwoch in Köln (20.45 Uhr/Live-Ticker) freue er sich aber, weil es "immer schön" sei, den ehemaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann zu treffen. Und sportlich hätten "solche Spiele, die im Vorfeld häufiger als unnütz bezeichnet wurden, immer wieder zur Entwicklung einzelner Spieler beigetragen". So wird der Mönchengladbacher Patrick Herrmann am Mittwoch sein Debüt geben. "Dieser Test ist eine gute Gelegenheit, ihm die Chance zu geben", kündigte Bundestrainer Joachim Löw bereits an: "Er hat eine gute Saison gespielt."

Deutschland - USA: Fakten

Das EM-Qualifikationsspiel in Faro/Portugal gegen Gibraltar am Samstag (20.45/Live-Ticker) will man laut Bierhoff als "Vorbereitung auf den heißen Herbst" nutzen, der sicherlich kommen wird", schließlich verlief der Weg zur EURO 2016 in Frankreich bisher unerwartet holprig. Der Manager verlangte zwar einen Sieg, "hoffentlich mit vielen Toren", doch die Aufgabe werde "schon schwieriger" als die der Frauen beim 10:0 im WM-Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste. Davon habe man sich schon beim 4:0 im Hinspiel gegen Gibraltar überzeugen können.

Fußballmüde Kölner?

Doch die Fußball-Fans sind nach Bundesliga-Ende, Relegations-Krimis und Champions-League-Finale offenbar endgültig im Sommerpausen-Modus. Selbst Klinsmann als Zugpferd nutzt bisher nichts, am Montag waren erst etwa 35.000 der 46.200 Tickets für das Spiel am Mittwoch verkauft. "Das kam für uns auch ein bisschen überraschend, dass es in Köln nicht ganz voll wird", gestand Bierhoff ein. Er habe aber "Verständnis, dass im Sommer vielleicht andere Aktivitäten anstehen". Er führe das, so ergänzte er schmunzelnd, "vielleicht auch ein bisschen darauf zurück, dass die Kölner sich so am FC berauscht haben, dass sie nun etwas fußballmüde sind".

Der Kapitän will die Fans trotz der "nicht idealen Konstellation" und fehlender Stars wie Manuel Neuer, Toni Kroos, Thomas Müller, Mats Hummels und Marco Reus mit einem "disziplinierten, konzentrierten Auftritt und einem guten Spiel" überzeugen. Er selbst, so versprach er, habe sich "fit gehalten". Ob er dies mit Tennis spielen getan hat, verriet er nicht.

(sid)
 
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