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DFB-Nachwuchs
Hochlegobte U19 enttäuscht – Durststrecke geht weiter

U19-EM: Hochgelobter DFB-Nachwuchs enttäuscht gegen Russland
Marcus Sorg konnte mit seiner Mannschaft den Erfolg des vorherigen Jahrgangs nicht wiederholen. FOTO: dpa, fpt
Katerini. Ein Tor fehlte den deutschen U19-Fußballern zum Einzug ins EM-Halbfinale. Die U17-WM im Oktober ist nun die letzten Titelchance 2015 für DFB-Junioren.

Ausgeschieden. Als Titelverteidiger. Am Jahrestag von Deutschlands WM-Triumph in Brasilien. Und das punktgleich mit den Gruppensieger. Für die Enttäuschung nach dem 2:2 (1:2) gegen Russland und das dadurch besiegelte Vorrunden-Aus bei der U19-EM in Griechenland Worte zu finden, war offenbar schwierig. Und so bezeichnete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die vierte ungenutzte Titelchance des Jahres im offiziellen Twitter-Account "DFB-Junioren" als "#Grexit", was einige User angesichts der Griechenland-Krise als umpassend empfanden.

Vor dem Turnier hatte der Hashtag noch "#TitelReloaded" gelautet. Bei den Buchmachern galt das Team des künftigen U21-Trainers Marcus Sorg, der den Vorgänger-Jahrgang um Joshua Kimmich (Bayern München), Davie Selke (RB Leipzig) und Julian Brandt (Bayer Leverkusen) noch zum Titel geführt hatte, als zweitgrößter Favorit nach Spanien.

Die U19-Europameister seit 1981 auf einen Blick

Am Ende fehlte angesichts von nur einem Tor zwar das Glück, realistisch betrachtet aber auch die Qualität. Zu den Enttäuschungen zählten nämlich ausgerechnet diejenigen, von denen man sich am meisten erwartet hatte. Jonathan Tah (19), den Leverkusen wohl für einen hohen einstelligen Millionen-Betrag vom Hamburger SV verpflichten wird, wirkte als Abwehrchef hölzern. Und der Schalker Leroy Sane (19), von der Spielergewerkschaft VDV zum besten Newcomer der Saison gewählt, spielte eher für die Galerie als für die Mannschaft.

"Wenn man mit allen Mannschaften punktgleich ist und trotzdem ausscheidet, ist das natürlich sehr bitter", meinte Sorg: "Die Enttäuschung ist entsprechend groß." Der frühere Freiburger Bundesliga-Coach lobte seine Spieler aber für "eine gute Mentalität in allen Spielen". Sie hätten "unbezahlbare Erfahrungen gemacht. Es wird sie in ihrer Entwicklung weiterbringen, das ist im Moment ein kleiner Trost."

Im abschließenden Gruppenspiel erlebten die DFB-Junioren in der Tat ein Wechselbad der Gefühle. Nach dem Führungstreffer des Schalkers Thilo Kehrer (12.) schienen sie auf dem Weg zum erforderlichen Sieg, ehe ausgerechnet ein Eigentor Kehrers die Russen wieder ins Spiel brachte (32.). Durch Igor Besdeneschnich geriet Sorgs Team in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit sogar in Rückstand.

Stuttgarts Stürmer Timo Werner, laut transfermarkt.de zwölf Millionen Euro und damit mehr als fünfmal so viel wert wie das gesamte russische Team, weckte mit dem Ausgleichstreffer (65.) nochmal Hoffnungen. Doch am Ende rannte der Nachwuchs des Weltmeisters auf den Tag genau ein Jahr nach dem WM-Triumph des A-Teams überhastet und zu kopflos an.

Die Durststrecke des DFB ohne Titel im Nachwuchs-Bereich geht damit weiter. Vor Sorgs Mannschaft, die nach dem verpatzten Auftakt gegen Spanien (0:3) gegen die Niederlande gewonnen hatte (1:0), hatten bereits die U17 (1:4 im EM-Finale gegen Frankreich), die U20 (Viertelfinal-Aus bei der WM) und die U21 (Halbfinal-Aus bei der EM) bei diesjährigen Turnieren Titelchancen ungenutzt gelassen. Damit ist die U17-WM in Chile (17. Oktober bis 8. November) für den Weltmeister-Nachwuchs die letzte Chance des Jahres auf einen Erfolg. Immerhin: Der DFB war als einziger Verband für alle fünf U-Turniere 2015 qualifiziert.

Die Halbfinals der U19-EM bestreiten am Donnerstag nun Frankreich und Spanien sowie Russland und Griechenland.

(sid)
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