Letzter Spieltag der Gruppe E: Verpasst Italien das Achtelfinale?
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 22.06.2006 - 16:01Hamburg (RP). Mit den Sorgen wächst bei den Italienern auch der Spürsinn. Im Pass von Stürmer Alberto Gilardino haben die Azzurri zum Beispiel ein Zeichen gefunden, das gut gegen die Angst hilft, den sicher geglaubten Achtelfinal-Einzug doch noch zu verpassen.
5. Juli 1982 steht dort als Geburtsdatum - und damit genau jener Montag, an dem Paolo Rossi mit einem Hattrick den überraschenden 3:2-Sieg Italiens gegen Brasilien schoss und damit den Weg zum dritten WM-Titel ebnete, der nach drei Unentschieden in der Vorrunde in weiter Ferne schien. In ähnlich perspektivenarmer Ausgangslage befindet sich der einstige Favorit auch in diesem Jahr. Nach dem unseligen 1:1 gegen neun US-Amerikaner droht dasselbe Schicksal wie bei der EM 2004: Heimfahrt nach der Vorrunde.
Von Trotz ist im italienischen Lager vor dem heutigen Entscheidungsspiel gegen Tschechien (16 Uhr) wenig zu spüren, stattdessen landsmannschaftlich untypische Melancholie. „Wir haben mental und körperlich schon eine Menge Energie verbraucht“, sagt beispielsweise Verteidiger Fabio Cannavaro. Und auch bei Trainer Marcello Lippi dient der vorsichtige Optimismus vorrangig dazu, eine andere Angst zu bekämpfen. „Der erste Platz in der Gruppe wäre sehr wichtig“, sagt der 58-Jährige. Schließlich droht dem Zweiten im Achtelfinale Brasilien als Gegner.
Eine Menge Druck lastet deshalb auf dem am nationalen Fußball-Feiertag geborenen Gilardino. In beiden Gruppenspieler traf der Noch-23-Jährige, der frühzeitig bewiesen hatte, dass er ein Gespür für den rechten Ort und die rechte Zeit besitzt. 2002 war der Angreifer zum FC Parma gewechselt, obwohl der im Brasilianer Adriano und Adrian Mutu aus Rumänien zwei quasi konkurrenzlos gesetzte Stürmer besaß.
Ein Jahr lang fristete Gilardino sein Dasein als Einwechselspieler, dann ging Mutu zu Chelsea, und Adriano fiel verletzt aus. Die Nachwuchs-Hoffnung stieg zum Stürmer Nummer eins in Parma und mit 23 Saisontoren zum Torjäger Nummer zwei der italienischen Liga auf. Während die Senioren bei der EM in Portugal wegen des schlechteren Torverhältnisses ausschieden, führte der Mann aus Biella die U21-Nationalmannschaft mit seinem Treffer gegen Serbien und Montenegro zum europäischen Titel.
Die deutsche Nationalmannschaft brauchte beim Test im März gerade einmal vier Minuten, um die Qualitäten des gereiften Gilardino vollständig zu erfassen. Der kopfballstarke 24-Millionen-Einkauf des AC Mailand nutzte seine beidfüßige Begabung und vollendete den Freistoß von Alessandro del Piero zum 1:0.
Wenn Alberto Gilardino seinen 24. Geburtstag feiert, könnte Italien ins WM-Finale einziehen. Voraussetzungen: Gruppenplatz zwei, Achtelfinal-Sieg gegen Brasilien und eine neue Legende vom 5. Juli.
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