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Vertrag verlängert
DFB macht Löw zum ewigen Jogi – warum so früh?

Fotos: Joachim Löw – Freiburger, DFB-Pokalsieger, Weltmeister
Fotos: Joachim Löw – Freiburger, DFB-Pokalsieger, Weltmeister FOTO: dpa, ss
Meinung Frühzeitig verlängert der Deutsche Fußball-Bund den Vertrag mit dem Bundestrainer, obwohl der ohnehin noch bis zur WM in Russland gebunden war. Warum eigentlich? Von Robert Peters

Vertragsverlängerungen von Bundestrainern können für DFB-Präsidenten eine heikle Angelegenheit werden. Die Geschichte des unnachahmlichen Theo Zwanziger bezeugt das. Vor sechs Jahren wollte er im Alleingang die Verlängerung des Kontrakts mit Joachim Löw durchpauken, und er holte sich eine blutige Nase, weil er eilig Details in die Öffentlichkeit trug, die den Trainer nicht amüsierten.

Zwanzigers Nach-Nachfolger im Amt ist ein ausgeschlafener Politiker und ein gelernter Medienmann. Reinhard Grindel weiß deshalb, dass er lieber Fakten schaffen sollte, ehe er an die Öffentlichkeit geht. Und er weiß natürlich auch, dass ihm der Beifall sicher ist, wenn er Löws neuen Vertrag bis 2020 auf der eilig angesetzten Pressekonferenz am heutigen Montagmittag präsentiert. Löw ist nämlich immer noch Bundestrainer, weil er vor sechs Jahren zwar sehr gegrummelt hat, sich aber doch nichts Schöneres in seinem Leben vorstellen konnte als den Job des obersten Übungsleiters im Land. Und weil er Erfolge vorweisen kann. Er ist Weltmeister, und er führte seine Mannschaften bei allen Turnieren seit 2008 mindestens ins Halbfinale. Das garantiert sportliche Unsterblichkeit.

Dennoch hat niemand den DFB dazu gezwungen, diesen Ewigkeitswert auch noch vertraglich festzuschreiben. Löws ursprünglicher Vertrag endet erst 2018, nach der Weltmeisterschaft in Russland. Die Titelverteidigung dort ist sein großes Ziel. Wenn ihm dieses Kunststück gelingt und er den Job immer noch unvergleichlich schön findet, wäre eine Vertragsverlängerung Formsache. Sollte sein Team in Russland scheitern, müsste sich der DFB ohnehin einen neuen Mann suchen.

Warum also wartet er nicht ab und bewertet die nächsten beiden Jahre des Bundestrainers nach ihrem Erfolg? Darauf gibt es zwei Antworten. Erstens: Grindel will sich unbedingt feiern lassen. Zweitens: Löw hat dem Werben des DFB-Präsidenten nachgegeben, weil er neben dem Spaß an der Arbeit mit einer Auswahlmannschaft und seinen schicken Werbeverträgen das jährliche Zubrot durch den Verband außerordentlich schätzt. Bislang soll er gut drei Millionen Euro verdienen. Auch davon kann man schon mal warm essen.

Quelle: RP
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