Hiddink wohl der Favorit: Völler-Nachfolge: Hitzfeld sagt endgültig "Nein"
zuletzt aktualisiert: 14.07.2004 - 20:29Neuss (rpo). Ottmar Hitzfeld hat endgültig abgesagt. Der Wunschkandidat für die Völler-Nachfolge ist endgültig aus dem Rennen. Wer wird dann neuer Bundestrainer? Lothar Matthäus bringt sich zwar immer wieder selbst ins Spiel. Doch ist er wohl der einzige, der an sich glaubt. Der Trend geht immer mehr zu einem Ausländer.
Hitzfeld bekräftigte am Mittwoch seinen Verzicht. "Ich habe gesagt, ich mache es nicht und dabei bleibt es", sagte der frühere Bundesliga-Trainer von Bayern München im Welt-Interview: "Denn ich kann ja nicht absagen und eine Woche später wieder zusagen."
Auch ein verzögerter Dienstantritt als Bundestrainer zum 1. Januar 2005 kommt für den 55-Jährigen nicht in Frage. "Ich kenne mich doch: Sobald ich zusage, stürze ich mich in die Arbeit. Ich könnte nicht einfach abschalten und dann 2005 als Bundestrainer anfangen", sagte Hitzfeld der Bild-Zeitung: "Das geht nun mal nicht. Deshalb kann ich den Job jetzt nicht machen, leider." An die Adresse der Kritiker seiner Absage richtet Hitzfeld in der Welt deutliche Worte: "Ich kann nur sagen, dass ich ausgebrannt bin. Meine Gesundheit steht im Vordergrund für mich. Das hat man zu respektieren."
Die Trainerfindungskommission (TFK) des DFB hatte offenbar den Plan gehegt, den ursprünglichen Topfavoriten für das Amt trotz seiner Absage am 1. Juli noch einmal zum Umdenken zu bewegen. Danach hätte in den sieben Länderspielen 2004 sein langjähriger Assistent Michael Henke die Nationalelf übergangsweise betreuen sollen. Diese Variante hatte Borussia Dortmunds Manager Michael Meier ins Spiel gebracht.
Nach der finalen Absage von Hitzfeld kristallisiert sich immer mehr heraus, dass erstmals in der 104-jährigen Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein Ausländer den anscheinend ungeliebten Posten übernehmen soll. "Die Tendenz heute ist: Es wird ein Ausländer", sagte Franz Beckenbauer als "Chef" der vierköpfigen Trainerfindungskommission (TFK) des DFB der Bild-Zeitung.
Beckenbauer kann sich Guus Hiddink "gut vorstellen"
Das Gremium mit Beckenbauer, DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Verbands-Generalsekretär Horst R. Schmidt und Ligachef Werner Hackmann hatte am Dienstag rund drei Stunden in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main getagt, war anschließend aber zu keiner Stellungnahme bereit. Bild-Kolumnist Beckenbauer verriet dann aber in seiner Hauspostille: "Wir haben uns auf einen Arbeitsplan verständigt. Möglich, dass schon Mittwoch oder Donnerstag erste Resultate vermeldet werden können."
Durch diese Aussagen nährte der WM-OK-Präsident die Spekulationen um den Niederländer Guus Hiddink, der angeblich nach den Absagen von Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel der Top-Favorit auch die Nachfolge von Rudi Völler sein soll. "Den könnte ich mir gut vorstellen", so Beckenbauer. Der 57-jährige Hiddink steht allerdings beim PSV Eindhoven als Trainer und Sportdirektor noch bis 2007 unter Vertrag. Auch der dänische Nationaltrainer Morten Olsen bleibt in der Verlosung.
"Es ist immer schön, wenn Fußballgrößen wie Franz Beckenbauer so über einen sprechen", sagte Hiddink der Tageszeitung Die Welt und wischte zudem jegliche Zweifel vom Tisch, dass es zu einem Problem werden könnte, wenn ausgerechnet ein Coach aus den Niederlanden den Erzrivalen Deutschland betreuen würde: "Warum nicht, jetzt sind alle Länder europäisch." Auf die Frage, ob er schon Kontakt zu Beckenbauer gehabt habe, meinte der Erfolgstrainer vieldeutig: "Kein Kommentar."
Und ewig wartet der Lothar
Auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bleibt laut Beckenbauer aber im Rennen. "Wir sind froh über Kandidaten, die zu haben sind." Matthäus selbst führte in seiner SportBild-Kolumne an, dass die Einwände gegen seine Person aufgrund seines Alters schlichtweg falsch seien: "Da möchte ich nur bemerken, dass Franz Beckenbauer 39 war, als er 1984 den Posten des Teamchefs übernahm, Und Rudi Völler war vor vier Jahren 40. Ich wäre also, würden sich die Herren des DFB für mich entscheiden, mit 43 Jahren mit Abstand der Älteste von uns dreien."
Obwohl Matthäus offensichtlich sehnsüchtig auf einen Anruf von DFB-Cheffahnder Beckenbauer wartet, stellte dieser grundsätzlch fest: "Es ist eine Misere - wo kriegst du im Juli einen Trainer her?" Seinen Humor hat der Bayern-Präsident trotz der jüngsten Nackenschläge nicht verloren: "Beim Anpfiff zum WM-Eröffnungsspiel 2006 wird ein guter Mann bei uns auf der Bank sitzen."
Für den bayrischen Verbandschef Heinrich Schmidhuber stehen Kandidaten wie Matthäus und Paul Breitner nicht zur Debatte: "Schmarrn. Die haben sich selbst ins Gespräch gebracht." Nach Ansicht von Schmidhuber könnte sich Beckenbauer bei einer Verpflichtung von Hitzfeld, der am 1. Juli abgesagt hatte, noch einen weiteren Heiligenschein verdienen: "Wenn der Franz ihn tatsächlich noch einmal überredet, ist er nicht nur der Kaiser, sondern der Über-Kaiser."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







