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Deutschland - USA 1:2
Weltmeister Löw verliert gegen Kumpel Klinsmann

Weltmeister Deutschland verliert mit Joachim Löw gegen die USA
FOTO: afp, pst/dg
Köln. Auf den Tag ein Jahr vor dem EM-Start haben Jürgen Klinsmann und die USA Schwächen der deutschen Weltmeister gnadenlos aufgedeckt. Von Gianni Costa und Bernd Jolitz

Zum Glück gibt es die USA. Nicht auszudenken, wie es um den Weltfußball bestellt wäre, wenn sich nicht wenigstens die Nordamerikaner tapfer dem korrupten System Fifa entgegenstellen würden. US-Behörden haben maßgeblichen Anteil daran, den Korruptionssumpf bei dem Weltverband trocken zu legen. Und auch auf dem Rasen mischen sie gehörig mit. Davon konnten sich neulich die Niederlande überzeugen. Der WM-Dritte unterlag 3:4 im Test. Das war keine Sensation, aber immerhin ein Fingerzeig, dass sich unter Jürgen Klinsmann einiges entwickelt hat.

Am Mittwochabend in Köln dann der nächste Paukenschlag. Die Nummer 27 der Rangliste besiegte das deutsche Nationalteam, das neuerdings unter "Die Mannschaft" firmiert, 2:1. Bobby Wood erzielte kurz vor dem Ende den Siegtreffer. Sami Khedira köpfte den Ball unmittelbar vor dem Abpfiff noch an die Querlatte.

Einzelkritik: Herrmann bester Deutscher FOTO: afp, pst/dg

Löw hatte ein paar verdienten Spielern erspart, ihren Urlaub für diesen Auftritt unterbrechen zu müssen: Thomas Müller, Jerome Boateng und Manuel Neuer zum Beispiel. Immerhin waren die Anwesenden weitestgehend bemüht, mit einer engagierten Leistung einer Begegnung im Niemandsland des internationalen Rahmenterminkalenders eine sportliche Daseinsberechtigung zu geben.

10.000 Plätze bleiben leer

Gelungen ist das freilich nicht. "Wir sind nicht besonders glücklich mit dem Zeitpunkt", hat Ligapräsident Reinhard Rauball am Rande der Begegnung bekundet. "Da spielen vor allem wirtschaftliche Interessen eine Rolle." Der DFB hat eine klare Botschaft auch vom Publikum übermittelt bekommen – fast 10.000 Plätze blieben im Stadion im Stadtteil Müngersdorf leer.

Reaktionen: "Patrick Herrmann hat es sehr gut gemacht"

Für Manuel Neuer stand der Hannoveraner Ron-Robert Zieler im Tor. Die Abwehrreihe um Shkodran Mustafi, Jonas Hector, Sebastian Rudy und Antonio Rüdiger kam zusammen auf gerade einmal 22 Partien Erfahrung in der Nationalmannschaft. Ein Manko, wie sich mit zunehmender Spielzeit wiederholt zeigen sollte.

Eine Neubesetzung auf der rechten Offensivseite brachte dagegen schnell die erhoffte Wirkung. Patrick Herrmann hat sich mit seinem Einsatz in der Startelf einen besonderen Platz in der Chronik des DFB gesichert – er ist der 100. Spieler, den Löw seit seiner Übernahme als Cheftrainer 2006 einsetzte. Und diese Nominierung sollte sich schnell bezahlbar machen. Das 1:0 von Mario Götze bereitete der Gladbacher mit einem präzisen Pass vor. Die übrigen Arbeitskollegen beschränkten sich nach anfänglichem Eifer allzu sehr auf Dienst nach Vorschrift. Ein paar nette Pirouetten von Andre Schürrle um den Ball, ein paar schnelle Vorstöße von Bastian Schweinsteiger, und Mesut Özil war auch da. Spielerisch konnte man gewiss keine Offenbarung erwarten. Möglicherweise nur ein paar Fingerzeige von Löw registrieren. Zum Beispiel die Tatsache, dass Max Kruse nicht von Beginn an auflaufen durfte. Der Bald-Wolfsburger ist eine Option auf die Nachfolge des zurückgetretenen Miroslav Klose – in einer von ihm sicher anders interpretierten Rolle.

Ein weiterer dieser Fingerzeige betraf Lokalmatador Lukas Podolski: Zu seinem und dem Leidwesen vieler Kölner Fans stand die ewige FC-Ikone nicht in der Startelf. So, wie der noch vom FC Arsenal an Inter Mailand ausgeliehene Offensivspieler nach seiner Einwechslung für Schürrle dann auftrat, konnte man auch ahnen, warum Löw so entschieden hatte. Das Bemühen konnte man "Poldi" gewiss nicht absprechen, doch von alter Effektivität ist er ein gutes Stück entfernt.

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