Etliche Trainer zittern um ihre Stars: WM der Fußkranken
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 07.06.2006 - 11:13Düsseldorf (RP). Moderne Fußball-Profis sind sensible Menschen - in der Regel zumindest. Deshalb plagen sie sich auch mit Verletzungen in Körperregionen herum, die man vor ein paar Jahren nicht einmal kannte. Syndesmose-Band, Schienbeinköpfchen oder Patella-Sehne sind solche Beispiele. Faserrisse an den Adduktoren gab es dagegen früher schon - nur sprach man damals von einer Leistenzerrung.
Die populärsten Verletzungen unmittelbar vor dem WM-Beginn sind eher klassische. Eine ganze Serie von Oberschenkel-Blessuren etwa droht das am Freitag beginnende Turnier zu einer WM der Fußkranken werden zu lassen. Und dann ist da natürlich jenes Malheur, das eine ganze Nation in Atem hält: Die Fraktur des Metatarsalknochens von Wayne Rooney. Zu deutsch: Der Mittelfußbruch, der die WM-Teilnahme des englischen Stürmerstars zu verhindern droht.
Wochenlang überboten die ohnehin nicht gerade fantasielosen Insel-Medien sich in Spekulationen darüber, ob, wann und in welcher Verfassung der 20-Jährige mitmischen könne. Seit gestern gibt es neue Hoffnung, denn beim ersten Training der Engländer im Bühlertal absolvierte Rooney kurze Sprints und Steigerungsläufe schmerzfrei. „Er sieht wirklich sehr, sehr gut aus“, attestierte Trainer Sven-Göran Eriksson.
Italien und die Niederlande bangen
Johan Vonlanthen wäre froh über eine ähnliche Einschätzung seiner Teamleitung. Die Schweizer jedoch zeigten sich weniger duldsam als die Briten und strichen ihren Jungstar nach einem Muskel-Teilriss im Oberschenkel kurzerhand aus dem WM-Kader. Der 20-Jährige will freilich seine Ersetzung durch den erfahreneren Hakan Yakin nicht hinnehmen und ging mit dem Untersuchungsbefund eines von ihm beauftragten Arztes an die Öffentlichkeit: „Ich fühle mich fit und könnte ab sofort wieder mit dem Team trainieren.“ Vonlanthen ließ durchblicken, dass er auch eine Konfrontation mit dem Verband nicht scheue - Verletzungssorgen einmal anders.
Italiener und Niederländer zittern dagegen auf herkömmliche Weise. Die „squadra azzurra“ muss zumindest im Auftaktspiel gegen Ghana auf ihre Abwehrsäule Gianluca Zambrotta verzichten, der an einer Oberschenkel-Blessur laboriert. Ungemach droht auch dem in der Innenverteidigung gesetzten Alessandro Nesta - die Adduktoren. Und bei Titel-Mitfavorit Niederlande steht im zentralen Mittelfeld gleich der komplette Kahlschlag zu befürchten: Rafael van der Vaart, Star des Bundesligisten Hamburger SV, plagt sich seit Wochen mit seinem Knöchel herum, sein Vertreter Wesley Sneijder erwischte es im Test gegen Australien (1:1) an der gleichen Stelle.
Auch Beckham pausiert
Englands Mittelfeldsorgen machen sich da vergleichsweise klein aus, denn David Beckham pausierte im Montagstraining wegen Schmerzen im Knöchel nur vorsichtshalber. Wie schön für die britische Seele - kaum auszudenken, wenn nach Rooney auch der zweite Liebling der Massen zum Wackelkandidaten würde. Dafür müssen Ukrainer und Argentinier gleich um ihre derzeit prominentesten Kicker bangen. Zwar sind die Prognosen für Andrej Shevchenko (Knie) und Lionel Messi (Wade) recht gut - aber das lässt die eingefleischten Fans auch nicht besser schlafen.
Jan Koller schließlich hat die schlimmsten Ängste wohl hinter sich. Nach einem Kreuzbandriss scheint der tschechische Angreifer gerade rechtzeitig in Form zu kommen. Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Vladimir Smicer: Der Liverpooler fiel gänzlich aus dem WM-Kader. Der Oberschenkel.
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