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DFB-Gegner
Das norwegische Nationalteam liegt am Boden

WM-Quali: Norwegen liegt am Boden
Norwegens Nationaltrainer Per-Mathias H¢gmo (r.) steht in der Kritik. FOTO: dpa, fg nic
Oslo. Spieler gegen Fans, Medien und Experten gegen den Trainer: Die norwegische Fußball-Nationalmannschaft liegt vor dem Duell mit Deutschland am Boden.

Die Spiel-Ankündigung in den Schaukästen von Oslo und den großen Tageszeitungen bringt die Gefühlslage der norwegischen Fußball-Nation auf den Punkt. David gegen Goliath, steht da. Zu sehen ist der auf Zwergenmaß geschrumpfte Nationalspieler Stefan Johansen, der sich einem riesenhaften deutschen Superstar gegenüber sieht - Johansen reicht dem Hünen nicht einmal bis zum Knie.

Kleiner, das wird vor dem WM-Qualifikationsspiel am Sonntag (20.45 Uhr/Live-Ticker) in Oslo gegen den Weltmeister klar, hat sich die norwegische Nationalmannschaft lange nicht mehr gefühlt. "Deutschland ist die beste Mannschaft der Welt", sagt Nationaltrainer Per-Mathias H¢gmo, "und sie waren auch die beste Mannschaft bei der EM in Frankreich. Sie haben eine extreme Spielstärke entwickelt und verlieren fast nie unnötig den Ball."

Eine Herkulesaufgabe für H¢gmos Mannschaft um Kapitän Per Ciljan Skjelbred von Bundesligist Hertha BSC und den ehemaligen Gladbacher Håvard Nordtveit. Die Zeitung Dagbladet fordete am Samstag, das Landslaget müsse "echtes Wikingerblut" geben. Aber, fragte Aftenposten, wie um alles in der Welt soll H¢gmo "aus Nichts eine Siegermannschaft machen?" Zumal die kritische Öffentlichkeit dem 56-Jährigen ohnehin wenig zutraut.

Dagbladet nannte H¢gmo dieser Tage den "unpopulärsten Trainer Norwegens" - nicht nur, weil seine Bilanz in drei Jahren Nationalmannschaft schwach ist, sondern auch, weil er ein "rhetorischer Blindgänger" sei. Dieses Urteil unterstrich der ehemalige Nationalspieler John-Arne Riise. H¢gmo, sagte er, erzähle "nur dummes Zeug". Das sehe auch die Mannschaft so, vermuten Teile der Presse.

"Wir glauben an sein Projekt", hält Vize-Kapitän Johansen dagegen. Wer etwas anderes behaupte, dürfe sich nicht Experte nennen. Allerdings: Bei der blamablem Generalprobe am vergangenen Mittwoch gegen Weißrussland (0:1) bekamen die nur 7180 Zuschauer im Ullevaal-Stadion nichts zu sehen, was dieses Vertrauen unterstrichen hätte. Das Publikum pfiff seine Lieblinge aus, Nationalspieler Ole Selnæs konterte: "Da scheiß' ich drauf."

Am Sonntag werden trotzdem 26.000 Menschen ins ausverkaufte Nationalstadion kommen und ihre ersatzgeschwächte Mannschaft im Spiel des Jahres anfeuern. Abwehrchef Vegard Forren fehlt ebenso verletzt wie Pål Andre Helland, J¢rgen Skjelvik und Alexander S¢derlund. Valon Berisha spielt lieber für Kosovo, Supertalent Martin ¥degaard muss bei der U21 ran. Immerhin können die zuletzt angeschlagenen Skjelbred und Nordtveit wohl auflaufen.

Im Tor könnte es eine Überraschung geben: Medienberichten zufolge soll H¢gmo den Ingolstädter ¥rjan Nyland degradiert haben und Herthas Rune Jarstein bringen. Der 31-Jährige ist neben Skjelbred einziger Veteran des sensationellen 1:0-Sieges im Februar 2009 gegen Deutschland in Düsseldorf. Auch damals habe niemand an den Außenseiter geglaubt, sagte Skjelbred, "aber wir wissen, dass es geht. Was unmöglich scheint, ist im Fußball möglich."

(sid)
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