Fünf Tage vor "Spiel der Spiele": Nationalteam: Völler tritt auf die Euphorie-Bremse
zuletzt aktualisiert: 27.08.2001 - 14:55München (rpo). Für Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß ist die WM-Teilnahme nur noch Formsache - DFB-Teamchef Rudi Völler (Foto) ist jedoch bemüht, die große Euphorie vor dem Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft am Samstag (19.30 Uhr/ live bei RP-Online) gegen England im Umfeld zu bremsen.
"Wir stehen sehr gut da, sind aber noch lange nicht durch. Die Engländer haben unter ihrem neuen Trainer wieder Morgenluft gewittert und wollen uns noch als Tabellenführer abfangen", warnte Völler.
Für den Teamchef war am Montag allerdings wichtiger, dass nach Mehmet Scholl nicht noch ein weiterer Leistungsträger für den Klassiker im seit Monaten ausverkauften Olympiastadion absagte. Auch aus Berlin kam Entwarnung. "Basti war total ausgepowert. Wir haben ihm gleich nach dem Spiel Infusionen verabreicht sowie Medikamente und Ruhe verordnet. Für das Länderspiel sehe ich bei ihm genauso wie bei Marko Rehmer keine Gefahr", sagte Herthas Mannschaftsarzt Dr. Ulrich Schleicher.
Sebastian Deisler hatte nach dem Pokalspiel in Babelsberg über Erschöpfung geklagt und deshalb sogar auf seinen Auftritt im ZDF-Sportstudio verzichtet. Rehmer plagt eine Prellung am Knöchel. Beide werden am Dienstagmittag aber wie geplant im Hotel Schlossgut Oberambach am Starnberger See erwartet. Genauso wie die Stars von Bayern München, die noch am Montagabend im DFB-Pokal beim SC Paderborn antreten mussten. Insgesamt stehen 20 Spieler im Aufgebot. Darunter auch Oliver Bierhoff.
Dabei ist der DFB-Kapitän, der zuletzt beim glanzvollen 5: 2-Erfolg in Ungarn nach seiner Einwechslung in der Schlussminute wenigstens seine Torflaute in der Nationalelf beendet hatte, beim AC Mailand derzeit nur noch dritte Wahl. Beim Saisonauftakt der Serie A in Brescia saß der 33-Jährige auf der Tribüne.
Doch das leidige Thema Bierhoff will Völler in den nächsten Tagen weitgehend ausklammern, zumal der Angreifer sicher nicht von Beginn an spielen wird. Vielmehr beschäftigt sich der Teamchef, der zusammen mit seinem Assistenten Michael Skibbe und dem gesamten DFB-Stab bereits am Montag im idyllisch gelegenen Quartier mit Blick auf den Starnberger See eintraf, schon einmal intensiv mit der Strategie für das Schlagerspiel.
Wobei es keiner besonderen Motivationskünste bedarf. "Gegen England ist immer ein ganz besonderes Spiel. Und wenn mann dann auch noch die Möglichkeit hat, alles klar zu machen, da muss man nichts mehr groß sagen. Es weiß jeder, um was es geht", verdeutlichte Abwehrchef Jens Nowotny, der in Ungarn verletzungsbedingt gefehlt hatte, nun aber genauso wie Michael Ballack und Christian Wörns wieder in die Anfangsformation zurückkehren wird.
So ist es auch fast müßig, vor den Engländern, die unter Sven-Göran Eriksson derzeit einen Aufschwung erleben, zu warnen. Dietmar Hamann vom FC Liverpool, intimer Kenner des englischen Fußballs und Siegtorschütze beim 1:0 beim Hinspiel in Wembley, tut es trotzdem. "Die Engländer machen unter Eriksson einen besseren, gefestigteren Eindruck. Es wird ein enges Spiel geben." Dennoch meint Hamann: "Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Respekt ja, Angst nein."
Nicht einmal den nötigen Respekt brachten in den letzten Tagen indes Beckenbauer und Hoeneß den Engländern entgegen und erwiesen Völler damit einen Bärendienst. "Ich gehe davon aus, dass Deutschland England ganz klar schlägt. Unsere Mannschaft spielt stark, noch dazu vor 70.000 Zuschauern in München, die haben doch gar keine Chance. Wie soll England in Deutschland gewinnen? Das ist in 100 Jahren nicht passiert", meinte Bayern-Manager Hoeneß.
Auch "Kaiser" Franz Beckenbauer stachelte den Ehrgeiz der Engländer zusätzlich an: "Kein Zweifel: Wir fahren nach Japan und Südkorea. Wir unterschätzen England nicht. Aber es ist ein Heimspiel, und wir brauchen nur ein Unentschieden. Also bitte."
Ganz so einfach ist es aber nicht, Herr Beckenbauer. Nur mit einem Sieg ist der dreimalige Welt- und Europameister sicher für die WM 2002 qualifiziert. Bei einem Unentschieden benötigt die DFB-Auswahl zum Abschluss der WM-Qualifikation am 6. Oktober in Gelsenkirchen gegen Finnland noch einmal einen Punkt.
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