Bundesliga ärgert sich über den Afrika-Cup: Neun Teams müssen auf wichtige Spieler verzichten
zuletzt aktualisiert: 18.01.2000Hannover (dpa). Der Afrika-Cup wird zum Ärgernis für viele Clubs aus der Fußball-Bundesliga. Allein neun Vereine müssen in der wichtigen Vorbereitung auf die am 4. Februar beginnende Rückrunde auf ihr afrikanisches Personal verzichten. Insgesamt reisen 13 Spieler mit ihren Nationalmannschaften zu dem Turnier, das vom 22. Januar bis 13. Februar in Ghana und Nigeria stattfindet. Sind die Profis mit ihren Länderteams erfolgreich, drohen sie ihren Clubs sogar an bis zu drei Spieltagen zu fehlen. "Wir können nichts dagegen machen und müssen uns an das Reglement des Weltverbandes FIFA halten", sagte Manager Peter Pander vom VfL Wolfsburg.
Das Turnier ist nach den Olympischen Spielen im September in Sydney das wichtigste Sportereignis in Afrika in diesem Jahr. Kein Wunder, dass die Trainer auf ihre vor allem in Europa spielenden Legionäre nicht verzichten wollen. So müssen die Wolfsburger zum Rückrundenstart ohne den ghanaischen Mittelfeldspieler Charles Akonnor und den kongolesischen Stürmer Jean-Kasongo Banza auskommen. Der Nigerianer Jonathan Akpoborie ist zwar aus dem Trainingslager seiner Nationalmannschaft nach Wolfsburg zurück gekehrt, aber nur, weil er wegen einer Knieverletzung derzeit nicht einsatzfähig ist.
Auch die Konkurrenz ist betroffen: Der Ghanaer Samuel Kuffour kann womöglich dem deutschen Meister FC Bayern München in den Top-Spielen beim Hamburger SV und gegen Bayer 04 Leverkusen (6. bzw. 9. Februar) nicht helfen. Borussia Dortmunds Otto Addo spielt beim Afrika-Cup für Ghana, sein Vereinskollege Victor Ikpeba für Nigeria. Dagegen wiegt der Verlust des für den Kongo spielenden Michael Dinzey für den TSV 1860 München nicht allzu schwer. Gleiches gilt für den Ahmed Hosny vom VfB Stuttgart. Hosny spielt gemeinsam mit Radwan Yasser und Mohamed Emara (beide von Hansa Rostock) für Pokalverteidiger Ägypten.
Eintracht Frankfurt muss im Abstiegskampf zunächst den Kongolesen Rolf-Christel Guie-Mien ersetzen. Und der SC Freiburg stellt den Bundesliga-Toptorschützen Adel Sellimi sowie Zoubaier Baya an Tunesien ab. Trainer Volker Finke blieb dennoch gelassen: "Wir haben bei der Verpflichtung beider Spieler um deren Aufgabe in der tunesischen Nationalmannschaft gewusst. Was sollen wir also jammern. Dass sie uns fehlen, ist klar." Doch die Furcht der Clubs bleibt, dass die Stars in ihren Auswahlteams medizinisch nicht gut genug versorgt werden und verletzt zu ihren Arbeitgebern zurück kommen. "Wir können nur hoffen, dass die Spieler gesund bleiben", so Pander.
Wolfsburgs Manager ärgert es auch, dass sein Personal über Wochen dem Verein nicht zur Verfügung steht, die Gehälter aber dennoch weiter überwiesen werden müssen. Denn Ausgleichszahlungen von Seiten der Verbände gibt es nicht. Viele kleinere nationale Organisationen sind mangels Finanzkraft dazu auch gar nicht in der Lage.
Um künftig Terminüberschneidungen von Ligabetrieb und großen Wettbewerben zu vermeiden, fordert Pander wie auch FIFA-Chef Joseph Blatter einen einheitlichen weltweiten Jahresplan. Blatter hatte das altbekannte Problem schon Anfang 1999 thematisiert. Ein Jahr danach sieht er erste Fortschritte und verweist auf die WM-Qualifikation. Insgesamt werden weit mehr als 700 Ausscheidungsspiele für die WM 2002 angepfiffen. "Mehr als 80 Prozent dieser Spiele werden jeweils am gleichen Tag stattfinden", schrieb Blatter in den FIFA-News. Die Vereine müssten so nicht zu unterschiedlichen Zeiten auf ihre Schlüsselspieler verzichten.
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