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DFB sucht Zwanziger-Nachfolger: Niersbach, Rauball oder Mister X?

zuletzt aktualisiert: 04.12.2011 - 21:43

Frankfurt/Main (RPO). DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, Ligapräsident Reinhard Rauball oder Mister X? Die überraschende Rücktrittsankündigung von Präsident Theo Zwanziger hat am Wochenende den Deutschen Fußball-Bund (DFB) vor eine weitere Zerreißprobe gestellt.

Während Zwanziger selbst einen ominösen Mister X offenbar aus der Finanzwelt auf den DFB-Thron hieven will und Rauball von einigen Verbandsvertretern als vernünftige Lösung betrachtet wird, brachte Lichtgestalt Franz Beckenbauer seinen langjährigen Weggefährten Niersbach als neuen DFB-Boss ab spätestens Oktober 2012 ins Spiel.

"Wolfgang Niersbach ist natürlich einer, der alles kann, der bei der FIFA gerne gesehen ist, der bei der UEFA gerne gesehen ist. Es ist sehr wichtig, dass der DFB in diesen wichtigen Gremien bei UEFA und FIFA vertreten ist. Also Wolfgang Niersbach ist in meinen Augen, wenn ich mir das jetzt so kurzfristig überlege, der Beste", sagte der "Kaiser" beim Sportnachrichtensender Sky Sport News HD.

Auch DFB-Vizepräsident Hans-Dieter Drewitz sprach sich gegen den Mister X aus und sieht gleichzeitig gute Chancen für Niersbach. "Ich glaube, es gibt im Präsidium einen ganz klaren Grundsatz. Wir brauchen als Nachfolger von Theo Zwanziger jemanden, der Kompetenz im Fußball hat. Niersbach hat verschiedene Funktionen im Fußball durchlaufen und ist eine kompetente Persönlichkeit. Er hat sich seit Jahrzehnten auch mit den Fragen des Amateurfußballs befasst", sagte Drewitz dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Info
Beckenbauer: Niersbach hat die besten Chancen

Franz Beckenbauer hat sich erneut für Generalsekretär Wolfgang Niersbach als Nachfolger von Theo Zwanziger als DFB-Präsident ausgesprochen. "Wolfgang Niersbach hat die besten Chancen - er kennt sich bestens aus. In meinen Augen gibt es da im Moment keinen Besseren. Er ist der kompetenteste", sagte Beckenbauer am Sonntagabend dem TV-Sender Sky.

Zur überraschenden Rückzugsankündigung meinte der "Kaiser": "Ich habe es nicht gewusst. Der Zeitpunkt kam überraschend. Alle fiebern der Auslosung entgehen und dann gibt er den Rückzug bekannt." Er bedauere es persönlich sehr, sagte Beckenbauer. Zwanziger sein kein "Dampfplauderer" gewesen: "Bei ihm waren Inhalte da. Ein großartiger Präsident."

Ob Generalsekretär Niersbach allerdings überhaupt Interesse an der Nachfolge von Zwanziger hat, scheint aktuell noch fraglich. Zudem gilt es bei zahlreichen Landesverbänden als völlig undenkbar, dass ein Hauptamtlicher beim Verband zum ehrenamtlichen Präsidenten wird. Auch der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sieht den ehemaligen Mediendirektor des Verbandes nicht in der Pole Position für die Zwanziger-Nachfolge. "Dass es ein hauptamtlicher Generalsekretär wird, glaube ich nicht. Ich glaube eher, dass der Nachfolger aus dem Ehrenamt kommt wie es Tradition ist", sagte der 78-Jährige bei Sky.

Der bei den Amateurverbänden als Favorit geltende DFB-Vizepräsident Rainer Koch schloss eine Kandidatur am Sonntag quasi aus. "Die Frage stellt sich für mich nicht", sagte der Richter dem SID. Koch hatte sich zuletzt mit Zwanziger wegen eines nicht im Detail abgesprochenen Treffens mit dem ehemaligen Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell überworfen. Koch hatte Zwanziger angeblich nicht von dem Treffen informiert und war anschließend vom scheidenden DFB-Präsidenten entmachtet worden.

Koch selbst sieht neben Niersbach auch Rauball als tragfähigen Kandidaten. "Wir müssen jetzt schnell und vor allem einig zu einer Lösung finden. Ich kann mir Rauball und Niersbach sehr gut vorstellen, inbesondere Niersbach, der bei FIFA und UEFA bestens vernetzt ist", sagte Koch bei Sport1. Irritiert zeigte sich der Präsident des Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV) über die Art und Weise des angekündigten Abschieds von Zwanziger. "Bei der Präsidiumssitzung am Freitag ist kein einziger Satz zum bevorstehenden Rücktritt von Dr. Zwanziger gefallen", sagte Koch. Beckenbauer erklärte: "Das ist so sein Stil, diese Entscheidung fast allein zu treffen."

Ebenso überrumpelt von der Entscheidung des DFB-Präsidenten wurde auch Bundestrainer Joachim Löw. Kurz nach der EM-Gruppenauslosung in Kiew hatte Niersbach Teammanager Oliver Bierhoff telefonisch über die Vorkommnisse in Frankfurt informiert. "Wir waren natürlich überrascht, auch bei uns hat diese Nachricht erst einmal für Aufregung gesorgt", sagte Löw, der am Samstagmorgen in Kiew dann einen Anruf von Zwanziger erhalten hatte, im ZDF-Sportstudio: "Dabei hat er um Verständnis gebeten, dass er niemanden eingeweiht hatte. Er wollte erst seine langjährigen Weggefährten beim Verband informieren. Es ist eine politische Entscheidung, auf die wir keinen Einfluss nehmen können."

Die Führung der Nationalmannschaft weiß, dass sie keine Rolle bei der Suche des Zwanziger-Nachfolgers spielt und hält sich deshalb bedeckt. Ausgeschlossen werden konnte nach SID-Informationen am Sonntag, dass Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen, Bayern-Präsident Uli Hoeneß, DFB-Direktorin Steffi Jones oder Werder-Aufsichtsrat Willi Lemke als Nachfolger für Zwanziger diskutiert werden.

Unklar ist derzeit, ob Zwanziger tatsächlich noch knapp elf Monate DFB-Boss bleibt. Sollte sich bereits früher ein Kandidat abzeichnen, könnte die Ära des ehemaligen Schatzmeisters möglicherweise noch früher zu Ende gehen. Zumindest hatte Zwanziger den DFB, die Führungscrew und auch die leitenden Angestellten mit seiner Ankündigung kalt erwischt. Selbst die Präsidiumskollegen hatte der 66-Jährige auf einer Sitzung am Freitag im Unklaren gelassen und erst während der Jahresabschlussfeier des Verbandes in Neu-Isenburg über seine spektakuläre Entscheidung informiert - die allerdings schon wenige Minuten zuvor medial verbreitet wurde.

Zwanziger will allerdings noch selbst in die Nachfolgeregelung eingreifen und favorisiert einen Mann, der nicht aus dem Fußball kommt. "Kompetenz, Engagement und Charakter sind die wesentlichen Merkmale, die eine Person haben muss, wenn sie in den Führungsgremien des DFB arbeiten will. Ich bin seit einigen Monaten diesbezüglich mit einer Persönlichkeit im Gespräch, die ich für sehr geeignet halte. Einen Namen möchte ich aber noch nicht nennen", sagte Zwanziger dfb.de.

Die Gründe für den angekündigten Rücktritt sind derweil weiter nebulös. Zumindest hatte der Jurist auf die Frage, ob die vielfältigen Krisenszenarien (z. B. Fall Amerell, Schiedsrichter-Steueraffäre, Hooligan-Gewalt) der vergangenen Monate seine Entscheidung beeinflusst hätten, eingestanden: "Es wäre eine Lüge, wenn ich diese Frage mit Nein beantworten würde. Jedes Spannungsfeld wird medial gleich zu einer Krise hochstilisiert, das kostet schon eine Menge Kraft."

Beckenbauer, der kein Interesse an dem vakanten Posten hat, sprach von einer "Verzweilungstat, weil es zuviel geworden ist". Zwanziger bestätigte, dass er sich an der Doppelfunktion beim DFB und der FIFA zu sehr aufgerieben habe.

Quelle: sid

 
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