Designierter DFB-Präsident: Niersbach soll vor EM an die Macht
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 09.12.2011 - 08:14Frankfurt/Düsseldorf (RP). DFB-Präsident Theo Zwanziger will erst im Oktober 2012 das Amt an seinen Generalsekretär abgeben. Erste Stimmen werden laut, die sich einen schnelleren Wechsel wünschen.
Damit auch wirklich jeder im Land versteht, dass der Kandidat eine gute Wahl ist, hat sich noch einmal der "Kaiser" zu Wort gemeldet. "Der Wolfgang", sagt Franz Beckenbauer, "ist einfach die beste Lösung. Er besitzt absolute Fachkompetenz, hat sich ein unglaubliches Netzwerk bei der Uefa und Fifa aufgebaut, ist sprachgewandt. Ein wirklich würdiger DFB-Präsident." Damit wären die Qualifikationen für das höchste Amt im deutschen Fußball hinreichend besprochen.
Wolfgang Niersbach ist in seiner Selbsteinschätzung zu einem ebenfalls überzeugten Ergebnis gekommen – und wäre wohl auch nicht abgeneigt, schon früher als bisher geplant den Posten zu besetzen. Der noch amtierende Präsident Theo Zwanziger wünscht sich einen "harmonischen Übergang", im Oktober 2012 soll der nach seiner Planung abgeschlossen sein. Niersbach, heißt es nun, hätte selbst gerne die Übergabe schon früher vollzogen. Er drängte Zwanziger zum Einlenken am späten Dienstagabend, doch der 66-Jährige winkte kategorisch ab und drohte gar, erst wie eigentlich vorgesehen 2013 zurückzutreten. Zwanziger wollte es sich nicht nehmen lassen, bei der EM noch einmal auf der Ehrentribüne zu sitzen und seine Laufbahn möglicherweise mit dem Gewinn des Titels durch die deutsche Mannschaft krönen zu lassen.
Niersbach musste zurückstecken, um den eingeleiteten Wechsel an der Spitze nicht doch noch zu gefährden. Am anderen Morgen blickten beide ganz glücklich in die Kameras. Nichts sollte das harmonische Bild beim DFB stören.
Es dauerte nicht lange, bis erste Zweifel an der Inszenierung laut wurden. Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), hat sich als Erster aus der Deckung getraut. "Nach meiner Erfahrung ist es immer schwierig, egal ob in einem Unternehmen oder einem Verband, wenn ein Wechsel in der Spitzenposition stattfindet und eine zu lange Übergangszeit ansteht", sagt Seifert. "Es erfordert sehr viel Disziplin von allen Beteiligten, so ein Kräfteverhältnis für lange Zeit aufrechtzuerhalten."
Zwanziger hat sein wichtigstes Instrument verloren – seine Macht als Präsident des mächtigsten Fachsportverbands der Welt. Er ist jetzt nur noch auf Zeit im Amt, und damit verbunden droht er, zu einer "lahmen Ente", einer "lame duck", im Betrieb des Verbandes zu werden. Er stand lange auf Augenhöhe mit den Mächtigen im Land. Er stand im ständigen Austausch mit der Kanzlerin, wurde selbst in vielen Ländern wie ein Staatsoberhaupt empfangen. In der Fifa, dem Fußball-Weltverband, ist sein Einfluss indes äußerst begrenzt.
Auch wenn Niersbach nur fünf Jahre jünger ist als Zwanziger, so kann man den Eindruck gewinnen, mit der Wahl des Düsseldorfers würde ein Generationswechsel beim DFB eingeleitet. Zwanziger steht für den Funktionär alter Schule, mit Niersbach übernimmt ein smarter Manager-Typ das Kommando. Beide sind mit den Mechanismen des Geschäfts bestens vertraut – sie wissen sich durchzusetzen, egal wie. Niersbach hat es als Generalsekretär bisher immer bestens verstanden, sich nicht in die Schusslinie bei den diversen Skandalen (Schiedsrichter, Wetten, Personalpolitik) zu begeben, sondern aus sicherer Entfernung zu handeln.
Schon bald wird er in der Verantwortung stehen. Sehr wahrscheinlich früher, als es sich Zwanziger gewünscht hat. Der hat das Prozedere jetzt nicht mehr in der Hand.
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