Wettskandal: Nürnberg und Calmund im Zwielicht
zuletzt aktualisiert: 25.03.2006 - 16:16München (rpo). Bislang waren die Wettskandale im deutschen Fußball auf die 2. Bundes- oder die Regionalliga beschränkt. Jetzt weitet sich der neuerliche Skandal um manipulierte Fußballspiele aber womöglich auch auf das Fußball-Oberhaus aus.
Der 1. FC Nürnberg ist von einem Bericht überrascht worden, nach dem der Verein angeblich in einen neuen Wett- und Manipulationsskandal verwickelt sein soll. "Uns liegen keinerlei Erkenntnisse vor, dass die Staatsanwaltschaft gegen uns ermittelt - nicht mal ansatzweise. Wir werden am Montag mit unserem Anwalt bei der Staatsanwaltschaft vorstellig werden, um der Sache auf den Grund zu gehen", sagte "Club"-Sportdirektor Martin Bader.
Das Nachrichtenmagazin "Focus" hatte berichtet, dass neben dem Eröffnungsspiel der Münchner Allianz-Arena am 30. Mai 2005 zwischen dem Zweitligisten 1860 München und Nürnberg (3:2) auch drei Erstliga-Spiele der laufenden Saison mit Beteiligung der Franken manipuliert gewesen sein sollen. Angeblich handelt es sich um die Hinrunden-Begegnungen VfL Wolfsburg gegen den Nürnberg (1:1), Werder Bremen gegen Nürnberg (6:2) und Nürnberg gegen Arminia Bielefeld (2:3).
Dem Bericht zufolge hat die Staatsanwaltschaft München I bereits Ermittlungen gegen drei Beschuldigte eingeleitet. Das Trio soll auf den von ihnen im Voraus organisierten Spielausgang gewettet haben. Bei den drei Beschuldigten handelt es sich dem Bericht zufolge um einen aus Kroatien stammenden Sportwetten-Vermittler aus München, dessen Bruder sowie einen seiner Mitarbeiter. Sie sollen im Verdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs stehen.
Fußballspieler nicht betroffen
Der Oberstaatsanwalt Anton Winkler bestätigte bislang lediglich, dass die Staatsanwaltschaft München I "im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen Wettbürobetreiber vergangene Woche mehrere Objekte in München und Nürnberg durchsucht" hat. Weiter hieß es: "Die Auswertungen der Erkenntnisse dauern noch an. Eine abschließende Bewertung ist deswegen noch nicht möglich. Fußballspieler waren von dieser Maßnahme nicht betroffen."
Beim Eröffnungsspiel in der München Arena sollen die angeblich Beschuldigten durch Kontakte zu Spielern beider Teams sichergestellt haben, dass 1860 München dieses Spiel gewinnt. In dem Bericht heißt es, dass die Kroaten auf den 1860-Sieg insgesamt zwischen 300.000 und 400.000 Euro in Teilbeträgen zwischen 300 und 500 Euro gesetzt haben. Ihr Wettgewinn betrug demnach rund eine Million Euro. In vergleichbarer Weise sollen die Beschuldigten dem Bericht zufolge laut Staatsanwaltschaft auch die drei Nürnberger Spiele in der Bundesliga-Hinrunde manipuliert haben.
Der Sportwetten-Vermittler bestritt in dem Bericht, in den angeblichen Skandal verwickelt zu sein. Sowohl er als auch die Gesellschaft, für die er Wetten vermittelt, sprachen laut des Magazins von "haltlosen Vorwürfen". Dem Bericht zufolge sollen bei der Wettgesellschaft alle Wettbewegungen im Zusammenhang mit dem Eröffnungsspiel der Arena überprüft und keinerlei atypisches Wettverhalten festgestellt worden sein.
Calmund weist Vorwürfe zurück
Derweil haben sich auch die Anwälte des ehemaligen Managers des Bundesligisten Bayer Leverkusen, Reiner Calmund, zu den jüngsten Vorwürfen gegen ihren Mandanten geäußert. In einer Pressemitteilung wiesen sie Verdächtigungen in der neuesten Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" schon im Vorfeld zurück, wonach Calmund Spielmanipulationen veranlasst haben soll. "Herr Calmund hat zu keinem Zeitpunkt Spielmanipulationen veranlasst oder an solchen mitgewirkt. Ihm sind auch keine Spielmanipulationen im Zusammenhang mit Bayer 04 bekannt", hieß es. Zudem seien die Vorwürfe des Magazins "absurd" und "entbehren offensichtlich jeder Tatsachengrundlage".
Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser meinte am Rande des Bundesliga-Gastspiels der Leverkusener beim VfB Stuttgart: "Es gibt ein Ermittlungsverfahren, aber das erstreckt sich nicht auf Manipulationen, sondern auf vermeintliche Untreue." Manipulationen, die ins Gepräch gebracht wurden, seien vage Spekulationen. Selbstverständlich werde man mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten. "Aber erst wenn die Staatsanwaltschaft Ergebnisse vorgelegt hat, werden wir das kommentieren."
Unterdessen bereitet 1860 München eine Schadensersatzklage gegen die Boulevard-Zeitung tz vor, die die "Löwen"-Spieler Paul Agostino und Quido Lanzaat mit dem angeblichen Wett- und Manipulationsskandal in Verbindung gebracht hatte. "Wir haben unseren Anwalt Guido Kambli beauftragt, Schadensersatzansprüche geltend zu machen, notfalls auch gerichtlich", bestätigte Pressesprecher Robert Hettich den Bericht des Magazins. Über die Höhe wollte er aber keine Angaben machen. Dem Bericht zufolge fordert der Klub mindestens eine Million Euro Schadensersatz von der tz. Zudem sollen Agostino und Lanzaat Schmerzensgeld in sechsstelliger Höhe verlangen.
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