WM-Pleite: Schuldiger gesucht und gefunden: Österreich - Hickhack um Zukunft von Baric
zuletzt aktualisiert: 19.11.2001 - 21:02Wien (rpo). In Österreich wird eifrig nach nach Schuldigen für die WM-Pleite gesucht. Die Spieler werden in den Medien als "eiskalte Abzocker" und "verweichlichte Athleten" beschimpft. Das Tauziehen um die sportliche Zukunft von Teamchef Otto Baric hat am Montag einen neuen Höhepunkt erreicht. Der Österreichische Rundfunk (ORF) meldete zunächst die Ablöse des 69-Jährigen. Der Kroate dementierte aber umgehend am Abend.
Nichts sei entschieden, er könne sich sogar vorstellen weiterzumachen, erklärte der Coach.
Baric will am Mittwoch seine Lage mit dem Präsidenten des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB), Beppo Mauhart, endgültig klären. Doch Mauhart ist inzwischen selbst in die Schusslinie geraten. Er muss sich neuerdings Selbstherrlichkeit und autoritäres Auftreten vorwerfen lassen. Der 68-Jährige, der bereits seit 17 Jahren an der ÖFB-Spitze steht, sei einem Neuanfang im Wege.
Die Mehrheit der Verbandspräsidenten in den Bundesländern, die auch den ÖFB-Präsidenten küren, wollen Mauhart besser heute als morgen loswerden. Jedenfalls hat er bei der deutlichen Mehrheit keinerlei Chancen, im nächsten April noch einmal an die Verbandsspitze gehievt zu werden. Doch Mauhart selbst zeigt sich wenig einsichtig und will weitermachen. Der agile Präsident von Sturm Graz, Hannes Kartnig, macht aber bereits Druck. Man könne dem ÖFB das Nationalteam wegnehmen und die Elf in Regie der Bundesliga managen.
Auch bei der Trainer-Suche wurden schon Namen genannt. Der bisherige Co-Trainer Didi Constantini scheint chancenlos. Hans Krankl scharrt in den Startlöchern. Und obwohl sein Club Admira Mödling konstant Tabellenletzter der Bundesliga ist, zeigt sich der Trainer und frühere Stürmer-Star beleidigt. Wenn jetzt so viele ausländische Kandidaten im Spiel seien, "dann ist das nur eine Bestätigung dafür, dass der Prophet im eigenen Land nichts zählt", bemängelte Krankl.
Der erfolgreiche Sturm-Coach, der Bosnier Ivica Osim, wurde ins Spiel gebracht. Zuletzt tauchte der Name des bei 1860 München ausgeschiedenen Werner Lorant auf. Ein Deutscher sei auch kein Garant für Erfolge des Nationalteams, granteln die Zeitungen und verlangen einen österreichischen Trainer. Sie verweisen auf Lothar Matthäus als Sportdirektor der Wiener Rapid. Seit der die Geschicke lenkt, verliert der Traditionsclub in Serie. Zuletzt mit 0:2 beim SV Ried, selbst ein "Kellerkind". Die Matthäus-Truppe belegt den vorletzten Tabellenrang.
"Der Mannschaftssport Nummer 1 scheitert in Österreich an seinen Egoisten", schimpfte das Massenblatt "Kurier". Dabei gebe es prächtigen Nachwuchs. Bis zur U 17 könne man sehr wohl international mithalten. Mit Wehmut wird auf das noch viel kleinere Nachbarland Slowenien verwiesen, das sich im Gegensatz zu Österreich für die WM qualifiziert hat. "Die slowenischen Buam schlagen wir immer noch in Holzschlapfen", wird ÖFB-Jugendchef Ernst Weber zitiert.
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