"Löwen"-Interesse an dem Langzeitkranken lässt nach: Olaf Bodden auf dem Abstellgleis
zuletzt aktualisiert: 19.01.2001 - 13:05München (dpa). Für Olaf Bodden ist das Leben zu einer schier endlosen Geduldsprobe geworden. Nach vier Jahren Leidenszeit hat sich der Gesundheitszustand des ehemaligen «Löwen»-Profis kaum verbessert - das Interesse seines alten Vereins lässt stetig nach.
«Von 1860 hat sich schon seit Monaten keiner mehr gemeldet», sagt der 32-jährige Stürmer, der während seiner Laufbahn immerhin 25 Tore für den Fußball-Bundesligisten TSV 1860 München erzielte.
Seit zwei Jahren läuft für den am «chronischen Müdigkeits-Syndrom» (CFS) leidenden Familienvater jede Woche nach dem gleichen Schema ab: Am Dienstag nach Düsseldorf zur Therapie, am Wochenende zur Familie nach München und dann wieder zurück nach Düsseldorf. Ein durchschlagendes Ergebnis haben die unzähligen medizinischen Tests eines Immunologen noch nicht gebracht. Für den ehemaligen Torjäger heißt es daher weiterhin: Geduld haben. «Die Hoffnung, je wieder Sport treiben zu können, wird kleiner», erzählt Bodden.
Die Prioritäten setzt der Wahl-Münchner ohnehin auf ganz anderem Gebiet. «Endlich wieder normal leben und mit meinen Kindern spielen zu können», ist derzeit Boddens größter Wunsch. Vor vier Jahren konnte der 1,93 Meter große Stürmer das Pfeiffersche Drüsenfieber zwar überwinden, doch zurück blieb die ständige Müdigkeit. «Teilweise war ich sogar bettlägerig», so Bodden, der am 21. Dezember 1997 sein letztes Spiel für die «Blauen» bestritt. In Düsseldorf wird sein Immunsystem auf Schwachstellen hin untersucht. «Wirklich behandelt werden, kann ich erst, wenn klar ist, was bei mir nicht stimmt», erzählt der Vater der elfjährigen Denise und Anisja (2).
Weiterer Schicksalsschlag
Nachdem Tochter Anisja das Licht der Welt erblickt hatte, musste die Familie einen weiteren Schicksalsschlag verkraften. Sina Bodden wurde ein etwa mandarinengroßer gutartiger Tumor aus dem Kopf entfernt, der schon vor der Schwangerschaft gefunden worden war. «Wenigstens bei Sina sieht heute alles sehr hoffnungsvoll aus», erzählt der gebürtige Westfale. Aber auch bei ihr wird erst im Frühjahr nach einer Kernspintomographie geklärt sein, ob sie hundertprozentig gesund ist.
Zurzeit verdient das ehemalige Fotomodell den Unterhalt. Mit einer Freundin rief sie eine Casting-Agentur ins Leben, außer durch finanzielle Rücklagen aus seiner Profi-Laufbahn kann Bodden nichts beisteuern. Mit der Krankenkasse, die ihn im Juli 1999 für berufsunfähig erklärte, liegt er im Rechtsstreit und erhält bis zu dessen Ende «keine müde Mark».
Die Zeit hat aber wenigstens eine Wunde geheilt. «Mittlerweile kann ich mir «Löwen»-Spiele wieder ansehen, ohne wehmütig zu werden», erzählt Bodden, der von 1994 bis 1999 für die «Blauen» 67 Bundesliga- Einsätze bestritt. «Es ist nicht mehr so schmerzvoll», sagt der Blondschopf und fügt hinzu: «Bei 1860 habe ich meine schönsten Profijahre verbracht, die Erinnerungen kann mir keiner nehmen». Umso trauriger stimmt ihn, dass sich seit Monaten niemand vom Verein bei ihm gemeldet hat. «Das ich nach meiner Genesung einen Posten als 1860-Amateur-Trainer in Aussicht habe, ist ein Gerücht», rückt Bodden eine Fehlinformation gerade.
Spazieren gehen oder mal einkaufen - mehr kann Bodden körperlich nicht leisten. Auf das Herumtollen mit dem Vater müssen die Mädchen verzichten. «Spiele spielen oder puzzeln, das geht noch», erzählt er traurig. Dennoch: «Es gibt immer öfter Tage, an denen ich belastbarer bin. Die Tage, an denen ich nur liegen kann, werden weniger», erläutert der Ex-Kicker, der verbissen daran arbeitet, endlich wieder ein normales Leben führen zu können.
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