Recherchen des Deutschlandfunks: Organisierte DFB-Funktionär DDR Doping ?
zuletzt aktualisiert: 24.06.2001 - 17:45Neuss (rpo). Der DFB-Doping-Kontrolleur Hans-Jörg Eißmann aus Leipzig soll als Verbandsarzt an der Doping-Konzeption des DDR-Fußballverbandes beteiligt gewesen sein. Dies geht nach Recherchen des Deutschlandfunks aus Papieren des Ministeriums für Staatssicherheit hervor, die zerstückelt aufgefunden und in der Gauck-Außenstelle Zirndorf zusammengefügt worden waren.
Demnach soll der Olympiasieg der DDR-Fußballer im Jahr 1976 angeblich mit Hilfe von Dopingmitteln zustande gekommen sein. Eißmann bestritt dagegen, dass es eine Doping-Konzeption im DDR-Fußball gegeben habe.
"Vor dem Länderspiel DDR gegen Polen 1983 vereinbarte Dr. Eißmann mit dem Generalsekretär des DDR-Fußballverbandes und den Vereinsärzten den Einsatz von Psychopharmaka", erklärte der Potsdamer Historiker Giselher Spitzer. Dabei habe es sich um Sydnocarp und Aponeuron gehandelt, "die die Aggressivität steigern, die Wahrnehmung verzerren und zum Überschreiten der natürlichen Leistungsgrenzen führe". Diese Dopingmittel seien nicht über den Sportmedizinischen Dienst der DDR sondern über das Apothekernetz der Staatssicherheit besorgt worden.
Beim größten DDR-Fußballerfolg, dem Olympiasieg 1976 in Montreal, sollen ebenfalls Dopingmittel geholfen haben. Im Jahr darauf, so zitiert Spitzer aus den MfS-Unterlagen, "wurden im Leipziger Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport die Erfahrungen bei der Anwendung sogenannter ?unterstützender Mittel? ausgewertet. Für den Fußball waren Verbandsartz Dr. Eißmann und Nationaltrainer Georg Buschner dabei".
Hinweise auf Doping-Missbrauch der DDR-Mannschaft bei der Fußball-WM 1974 in der Bundesrepublik, als die DDR das DFB-Team mit 1:0 besiegte, finden sich in den Unterlagen nicht. Laut einem Treff-Bericht eines Stasi-Mitarbeiters vom 10. März 1989 waren hingegen die Spieler von DDR-Meister Dynamo Berlin im Europapokal der Landesmeister im September 1988 gegen Werder Bremen "mit unterstützenden Mitteln gesättigt". In Bremen, so der Stasi-Bericht, "hat man diese Mittel nicht mehr einsetzen können". Die Bremer verloren beim gedopten BFC Dynamo mit 0:3, das Rückspiel gegen den ungedopten BFC wurde mit 5:0 gewonnen.
"Es ist mein Verdienst, dass in der Fußball-Oberliga Doping-Kontrollen eingeführt worden sind", wies Sportmediziner Eißmann die Vorwürfe zurück. Dies sei etwa Mitte der 80er Jahre erfolgt. Versuchen einer Anwerbung als Stasi-Mitarbeiter hat sich Eißmann, wie aus Gauck-Unterlagen hervorgeht, erfolgreich widersetzt. Der frühere Verbandsarzt des Deutschen Fußball-Verbandes der DDR hatte bis Mitte der 90er Jahre als Vorsitzender der Medizinischen Kommission der Europäischen Fußball Union (Uefa) gewirkt. Nach wie vor vertritt er den DFB im Uefa-Ausschuss der Doping-Kontrolleure. Nach Ende der DDR sicherte sich der DFB die Dienste von Eißmann, unter anderem als Mitglied der Projektgruppe "Sportmedizin und DFB-Mannschaftsärzte".
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